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Risse in Bauwerken. Seminar-Vortragsmanuskript Risse in Bauwerken Stand September 2019

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Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing.

Wolf Ackermann
"RISSE IN BAUWERKEN" Beratender Ingenieur V B I
Stand: September 2019 Vereid. Sachverständiger BVS
63579 Freigericht OT Somborn
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RISSE IN BAUWERKEN

Inhaltsübersicht:
1. Grundlagen Seite 2
2. Festigkeiten und Verformungen Seite 3
3. Eigenspannungszustände Seite 10
4. Bruchdehnungen Seite 13
5. Zum Rissverlauf Seite 14
6. Beispiele zum Rissverlauf Seite 24
7. Deckendurchbiegungen Seite 34
8. KG-Wände mit Erddruck Seite 40
9. Risse durch Vorgaben Seite 45
Gesamtumfang: Seite 1 bis 48
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
"RISSE IN BAUWERKEN" 63579 Freigericht-Somborn
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1. GRUNDLAGEN
Spannungen in Bauwerken und Bauteilen haben Formänderungen zur Folge.
Risse entstehen, wenn die Spannung bzw. die Verformung so groß wird, dass
die Festigkeit bzw. die Bruchdehnung des Baustoffes erreicht wird.
Statisch bestimmt gelagerte Tragwerke können alle Verformungen eigenspan-
nungsfrei ausführen.
Statisch unbestimmt gelagerte Tragwerke erhalten bei der Veränderung ihrer
Form Spannungen, durch die der sog. Zwang entsteht.
Diese inneren Beanspruchungen sind von außen nicht zu sehen und führen oft
bis zur Veränderung oder zum Versagen des ursprünglichen statischen Sys-
tems, z. B. durch Rissbildungen.
In der Praxis sind fast alle Bauwerke hochgradig statisch unbestimmt, oft sogar
ungewollt. Hier einige Beispiele:
Geschossdecken, die einachsig spannen, tragen sich auch quer zur ange-
nommenen Spannrichtung ab.
Mauerwerks-Wandscheiben sind gebäudeaussteifende Elemente, die aber
auch keine Dehnungen von Deckenplatten zulassen.
Die Auflager von Massivdecken auf Mauerwerk bilden ungewollte Einspan-
nungen, also Rahmenecken.

Die Zwangspannungen, die durch die Formänderungen der einzelnen Bauteile


entstehen, können Druckkräfte und Zugkräfte hervorrufen. Die häufigsten
Schadensursachen sind auf die Zugkräfte zurückzuführen, die durch die oben
beschriebenen Verkürzungen der Bauteile entstehen, - z. B. Schwind- und
Temperaturverkürzungen.
So kommt es, dass an den geschwächten Stellen der Bauteile selbst und an
den Bauteilübergängen die Zugfestigkeit des Baustoffes erreicht wird und ein
Riss entsteht. Diese Rissbildungen lassen sich wie folgt erklären:
Rissentstehung:
Wenn sich in einem Bauteil aus Zwang Zugspannungen aufbauen, wirkt als
gesamte Zugkraft das Produkt aus Zugspannung und Bauteilquerschnittsflä-
che. Wenn sich über die Bauteillänge die Querschnittsfläche nicht verändert,
bleibt auch die Zugspannung gleich groß. An der Stelle des Bauteils, an der
eine Querschnittsverengung die Querschnittsfläche reduziert, steigt die Zug-
spannung sprunghaft an. Die gleichbleibende Zugkraft dividiert durch eine
kleinere Querschnittsfläche ergibt eine größere Zugspannung als zuvor.
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2. FESTIGKEITEN UND VERFORMUNGEN


Die Bauphysik hat für die Entwurfsplanung des Architekten und des Tragwerk-
planers als ergänzende, technische Disziplin die gleiche Bedeutung, wie ande-
re, entwurfsbestimmende Einflussgrößen.
Erst bei eingehender Kenntnis der bauphysikalischen Grundlagen und Beson-
derheiten der verschiedenen Baustoffe, kann der Architekt und Ingenieur an-
gemessene Lösungen für die Umsetzung des Entwurfes in die Ausführungspla-
nung finden.
Die angewandte Bauphysik kann nur im Zusammenhang mit der Konstruktion
und den Baustoffen gesehen werden, da die Auswirkungen aufeinander wech-
selseitig sind. Dies bedeutet, dass jeder Problemfall gesondert und speziell be-
urteilt werden muss. Hier ist der Ingenieur als Konstrukteur und Planer gefor-
dert, der über eine solide theoretische und praktische Wissens- und Erfah-
rungsgrundlage verfügen muss.

Folgende Verformungen werden durch baustoffabhängige Kennwerte bestimmt:

2.1. Elastische Verformungen:


Elastische Verformungen sind abhängig vom sog. Elastizitätsmodul des Bau-
stoffes. Dabei wird der Elastizitätsmodul E in N/mm² angegeben.
Es besteht folgende Beziehung:

Zu beachten ist, dass erst mit der Multiplikation der Spannung mit der Quer-
schnittsfläche die Gesamtkraft (Zug oder Druck) ermittelt wird. Über die Span-
nung allein, als flächenbezogene Kraft, kann die Gesamt-Zwangkraft noch nicht
beurteilt werden.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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DRUCKBEANSPRUCHUNG, ZUGBEANSPRUCHUNG,
Stauchung, Verkürzung Streckung, Längung

2.2. Temperaturverformungen:
Die Verformungen aus Temperaturänderungen sind abhängig von der sog.
Wärmedehnzahl des Baustoffes. Die Wärmedehnzahl T wird in 1/K angege-
ben.
Es besteht folgende Beziehung:

2.3. Schwind-Verformungen:
Die Verformungen aus Schwinden sind als Austrocknungsprozess zu verstehen
und deshalb immer mit einer Verkürzung des betroffenen Bauteiles verbunden.
Das Schwinden ist abhängig vom sog. Schwindmaß des Baustoffes. Das
Schwindmaß s in mm/mm gemessen oder bereits umgerechnet in mm/m.
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Es besteht folgende Beziehung:

2.4. Kriech-Verformungen:
Die Verformungen aus Kriechen sind das lastabhängige Plastizieren eines Bau-
stoffes. Die Kriechdehnung eines Baustoffes ist von der Kriechzahl  und der
elastischen Dehnung el, der Höhe der Langzeitbelastung, abhängig. Die
Kriechdehnung k =   el wird in mm/mm angegeben.

Es bestehen folgende Beziehungen:

2.5. Hygroskopische Verformungen:


Hygroskopische (Feuchtigkeit aufnehmende) Stoffe sind solche, die aus Gasen
Wasser aufnehmen, wie z. B. viele Salze (Calciumchlorid), Säuren (Schwefel-
säure, Phosphorpendtoxid), organische Stoffe (z. B. Holz). Hygroskopische
Stoffe werden allgemein als Trockenmittel verwendet.
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Im Bauwesen spielt die hygroskopische Verformung, im Sinne einer Was-


seraufnahme, - so weit sie die Zwangkräfte im Bauteil betrifft -, so gut wie keine
Rolle. Nur die hygroskopische Eigenschaft von Holz , - also das Quellen von
Holzbalken in Dachstühlen, Holzbalkendecke usw. kann unter bestimmten Vo-
raussetzungen Eigenspannungen in einzelnen Bauteilen oder der gesamten
Konstruktion hervorrufen. Diese Verformungen sind jedoch rechnerisch kaum
zu erfassen, da der Quellvorgang von Holz, je nach dem Wuchs, auch Verdre-
hungen und Verbiegungen der betroffenen Holzbalken verursacht.

2.6. Umrechnung von Spannungen in SI-Einheiten:


Zur Bearbeitung von älteren Unterlagen (z. B. statische Berechnungen) kann es
hilfreich sein, die Umrechnung von alten Spannungseinheiten vor der Einfüh-
rung der SI-Einheiten zur Verfügung zu haben.

Die folgende Tabelle zeigt verschiedene Umrechnungen:


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2.7. Elastizitätsmoduln einiger Baustoffe:

ELASTIZITÄTSMODULI = E
BAUSTOFF N / mm2 kN / cm2 kp / cm2

Normal- C 12/15 (B 15) 27 000 2 700 270 000


Beton: C 20/25 (B 25) 30 000 3 000 300 000
C 30/37 (B 35) 33 000 3 300 330 000
C 35/45 (B 45) 34 000 3 400 340 000
C 45/55 (B 55) 36 000 3 600 360 000

Porenbeton:
Rohdichte:
350 kg/m3 1 200 120 12 000
bis bis bis bis
1 400 kg/m3 2 500 250 25 000

Mauerwerk
aus Mauerziegel: 1 100 110 11 000

aus KS-Stein: 950 95 9 500

Bauholz:
Nadelholz: E ll 8 000 - 13 000 800 - 1 300 8 000 - 13 000
E  270 - 430 27 - 43 2 700 - 4 300

Brettschicht- E ll 11 000 - 14 200 1 100 - 1 420 110 000 - 142 000


holz: E  300 30 3 000

Laub- E ll 11 000 - 17 000 1 100 - 1 700 110 000 - 170 000


holz: E  730 - 1 130 73 - 113 730 - 1 130

Metalle: Stahl 210 000 21 000 2 100 000


Gusseisen 55 000 - 115 000 5 500 - 11 500 550 000 - 1 100 000
Aluminium 70 000 7 000 700 000
Kupfer 110 000 11 000 1 100 000
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ELASTIZITÄTSMODULI = E
BAUSTOFF N / mm2 kN / cm2 kp / cm2

Böden: Sand 50 - 100 5 - 10 500 - 1 000


Kies 100 - 200 10 - 20 1 000 - 2 000
Ton 5 - 10 0,5 - 1 50 - 100
Lehm 5 - 20 0,5 - 2 50 - 200
Sonstige Stoffe:
Flachglas 73 000 7 300 730 000
Keram. Fliesen 20 000 2 000 200 000
Faserzement 8 500 - 15 000 850 - 1 500 85 000 - 150 000

2.8. Schwindmaße einiger Baustoffe:

SCHWINDZAHL SCHWINDMASZE  s =  50 %
BAUSTOFF 1 mm / m mm / 2,50 m mm / 10,0 m

Beton:
-5
Im Erdreich 10 x 10 0,10 0,250 1,000
-5
Im Freien 25 x 10 0,25 0,625 2,500
-5
Im Trockenen 40 x 10 0,40 1,000 4,000
-5
Fertigteile 30 x 10 0,30 0,750 3,000
Mauerwerk:
-5
Vollziegelm. 0 x 10 0,00 0,000 0,000
-5
HL-Ziegelm. 10 x 10 0,10 0,250 1,000
-5
KS-Mauerw. 25 x 10 0,25 0,625 2,500
-5
Bimsmauerw. 50 x 10 0,50 1,250 5,000
-5
Porenbet.m. 25 x 10 0,25 0,625 2,500
Bauholz:
-5
ll zur Faser 200 x 10 2,00 5,00 20,00
= 0,002
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2.9. Wärmedehnzahlen einiger Baustoffe:


(Mittlere Rechenwerte)

WÄRMEDEHNZAHL TEMPERATURDEHNUNG  T

mm / 2,50 m mm / 10,0 m
BAUSTOFF 1 / Kelvin mm / m   K
 10  K  10  K

Beton:
-5
Quarzzuschlag 1,10 x 10 0,011 0,280 1,100
Kalksteinzus. 0,70 x 10
-5
0,007 0,175 0,700
Porenbeton -5
0,80 x 10 0,008 0,200 0,800
Mauerwerk:
-5
Ziegelmauer. 0,6 x 10 0,006 0,150 0,600
-5
KS-Mauerw. 0,8 x 10 0,008 0,200 0,800
-5
Bimsmauerw. 0,9 x 10 0,009 0,225 0,900
-5
Porenbet.m. 0,7 x 10 0,007 0,175 0,700
Bauholz:
-5
ll zur Faser 0,5 x 10 0,005 0,125 0,500
 zur Faser
-5
3,4 x 10 0,034 - -
Metalle:
-5
Stahl 1,2 x 10 0,012 0,300 1,200
-5
Aluminium 2,4 x 10 0,024 0,600 2,400
-5
Kupfer 1,7 x 10 0,017 0,425 1,700
-5
Zink 3,0 x 10 0,030 0,750 3,000
Sonst. Stoffe:
-5
Glas 0,9 x 10 0,0090 0,2250 0,900
-5
Keram. Fliesen 0,69 x 10 0,0069 0,1725 0,690
-5
PVC 20,0 x 10 0,2000 5,0000 20,000
-5
Polyesterharz 15,0 x 10 0,0170 3,7500 15,000
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3. ZWANGSPANNUNGSZUSTÄNDE
Zwangspannungszustände in Bauteilen entstehen aus behinderten Dehnungen.
Die häufigsten Ursachen sind Schwind- und Temperaturdehnungen. Der
Schwindvorgang ist immer mit Verkürzungen der Bauteile verbunden, die zu
Zugspannungen führen. Temperaturänderungen führen bei Erwärmungen zu
Längungen der betroffenen Bauteile, die bei behinderter Formänderung
Druckspannungen entstehen lassen. Abkühlungen verkürzen die Bauteile und
setzen sie bei behinderter Formänderung unter Zugspannungen.
Die folgende Untersuchung zeigt die Zwangspannungen in verschiedenen Bau-
stoffen bei behinderten Temperaturdehnungen:

Modell-Vorstellung:
Ein Bauteil dehnt sich unter einer Temperaturerhöhung  T aus und wird mit
einer Druckspannung T (elastische Dehnung) in die frühere Größe "zurück-
gedrückt". Wie groß ist die Zwangspannung (hier Druckspannung) aus der
behinderten Temperaturdehnung ?

Die Bedingung für die "Erzwingung" der Verformungsverträglichkeit ist die


Gleichsetzung der Temperaturdehnung und der elastischen Dehnung:
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Die folgende Tabelle zeigt die Zwangspannungen für verschiedene Baustoffe


bei behinderter Temperaturdehnung:

Baustoff E T T T T
- N/mm2 1/K N/mm2 K kN/cm2 K kp/cm2 K

Beton, C 20/25 30 000 1,1  10 -5 0,330 0,0330 3,30

Beton, C 30/37 33 000 1,1  10 -5 0,363 0,0363 3,63

Beton, C 35/45 34 000 1,1  10 -5 0,374 0,0374 3,74

Porenbeton 1 200 0,8  10 -5 0,0096 0,00096 0,096

Ziegelmauerw. 1 100 0,6  10 -5 0,0066 0,00066 0,066

KS-Mauerw. 950 0,8  10 -5 0,0076 0,00076 0,076

Nadelholz || 10 000 0,6  10 -5 0,060 0,0060 0,60

Keramikfliesen 20 000 0,69  10 -5 0,138 0,0138 1,38

Baustahl 210 000 1,2  10 -5 2,520 0,2520 25,20

Aluminium 70 000 2,4  10 -5 1,680 0,1680 16,80

Kupfer 110 000 1,7  10 -5 1,870 0,1870 18,70


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4. BRUCHDEHNUNGEN
Die Bruchdehnung eines Baustoffes hängt allein von der Zugfestigkeit und dem
Elastizitätsmodul ab. Ein spröder, harter Baustoff mit kleiner Zugfestigkeit und
großem E-Modul bricht bereits bei kleinen Dehnungen ohne Verformungen
(Sprödbruch). Hierzu gehören Beton, Mauerwerk, Keramikplatten, Glas usw.
Ein zäher Baustoff mit großer Bruchdehnung verformt sich bei hohen Belastun-
gen nicht mehr nach dem Hooke´schen Gesetz, also der linearen Verformung
gemäß dem Verhältnis von Zugspannung zum E-Modul.
Die lineare Beziehung des elastischen Dehnverhaltens bis zur Bruchdehnung
für spröde Baustoffe lautet:

Die folgende Tabelle zeigt die Bruchdehnungen für einige spröde Baustoffe:

BRUCHDEHNUNGEN EINIGER BAUSTOFFE


Baustoff E  Br  Br
- N/mm2 N/mm2 1

Beton, C 20/25 30 000 2,14 7,13  10 -5

Beton, C 30/37 33 000 2,67 8,09  10 -5

Beton, C 35/45 34 000 3,16 9,29  10 -5

Porenbeton 1 200 1,00 83,33  10 -5


2 500 2,00 80,00  10 -5

950 0,10 5,00  10 -5


Mauerwerk 1 000 0,20 4,00  10 -5
1 100 0,30 3,75  10 -5

Keram. Fliesen 20 000 0,30 1,50  10 -5


0,40 2,00  10 -5

Nadelholz 10 000 80,00 800,00  10 -5


100,0 1 000,00  10 -5
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Wenn nun die Bruchdehnungen den Schwind- und Temperaturdehnungen ge-


genübergestellt werden, erkennt man, dass die Bruchdehnungen erheblich klei-
ner sind. Dies bedeutet, dass bei spröden Baustoffen behinderte Schwind- und
Temperaturdehnungen immer zu Rissbildungen führen.

Die folgende Tabelle zeigt die Bruchdehnungen für einige spröde Baustoffe in
Gegenüberstellung mit Schwind- und Temperaturdehnungen:

BRUCHDEHNUNGEN IN GEGENÜBERSTELLUNG ZU DEN SCHWIND- UND


TEMPERATURDEHNUNGEN:

Baustoff  Br S T S+T
- 1 1 1/K 50 % S +10 K

C 35/45 9,29  10 -5 25,00  10 -5 1,10  10 -5 23,50  10 -5

83,33  10 -5
Poren- 25,00  10 -5 0,70  10 -5 19,50  10 -5
beton 80,00  10 -5

5,00  10 -5
Mauer- 25,00  10 -5 0,80  10 -5 20,50  10 -5
4,00  10 -5
werk 50,00  10 -5 0,90  10 -5 34,00  10 -5
3,75  10 -5
Keram.
1,50  10 -5  0,00  10 -5 0,69  10 -5 6,900  10 -5
Fliesen

5. ZUM RISSVERLAUF
5.1. Allgemeines zur Rissbildung:
Alle Rissbildungen müssen eine Ursache haben. Die Schwierigkeit diese zu fin-
den, entsteht dadurch, dass sich meistens verschiedene, ursächliche Zusam-
menhänge überlagern. Es ist oft unmöglich, die unterschiedlichen Ursachen an-
teilmäßig dem festgestellten Rissbildungsschaden zuzuordnen. Meistens kann
nur eine grobe Quotelung ermittelt werden.
Mit bloßem Auge sichtbare Risse erwecken bei einem Nichtfachmann immer
den Eindruck eines "Schadens" im Sinne einer Schädigung oder einer Schwä-
che des Bauteiles oder gar des ganzen Bauwerks.
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Die Grenzwerte der Rissweiten in Betonbauteilen liegen in Abhängigkeit von


den Belastungen durch Nutzung und Umweltbedingungen bei
0,3 mm in trockenen Innenräumen,
0,2 mm allgemein im Freien.
Solche Risse sind, wenn nichts anderes vereinbart wurde, nicht als Schäden
oder Mängel zu bewerten.

5.2. Maßnahmen zur Vermeidung von Rissen:


Zur Aufnahme der Eigenspannungen aus Zwangkräften, die insbesondere
durch Schwind- und Temperaturspannungen entstehen, sind die Bauteile selbst
nur bedingt fähig. Die meist als Zugspannungen wirkenden Zwangkräfte errei-
chen schnell die Zugfestigkeit des Baustoffes und es entstehen Risse.
Im Stahlbetonbau besteht die Möglichkeit, diese Zwang-Zugkräfte durch einen
größeren Stahlquerschnitt abzudecken. Dabei muss allerdings beachtet wer-
den, dass die so aufgenommenen Zugkräfte als Eigenspannungszustand im
Bauteil verbleiben und sich an den Übergängen zu anderen Bauteilen als For-
mänderung, - z. B. ein Abriss -, auswirken.
Die Aufnahme der Zwangkräfte im Bauteil oder Bauwerk selbst ist immer mit ei-
nem kaum kontrollierbaren Eigenspannungszustand verbunden, der ein gewis-
ses Schadensrisiko in sich birgt.
Eine weitaus bessere konstruktive Maßnahme ist die Anordnung von Dehnfu-
gen:
Prinzip:
Dort Dehnfugen anordnen, also Bewegungsmöglichkeiten schaffen, wo
sich sonst Risse bilden würden. Eine Dehnfuge ist gewissermaßen ein
geplanter Riss.
Dies bedeutet, dass das Verformungsverhalten der zu planenden Kon-
struktion ermittelt werden muss, um dann die Verformungsverträglich-
keit zu überprüfen.
Dabei sind alle Verformungsmöglichkeiten einzubeziehen, die auftreten
können, wie z. B. Verformungen aus Temperatur, Schwinden, Kriechen
und auch elastische Verformungen aus äußeren Kräften, - z. B. Nutz-
lasten, Windlasten usw.

5.3. Zur Ursache von Rissbildungen:


Risse an Bauwerken treten immer nur dann auf, wenn Verformungen aus den
unterschiedlichen Ursachen so groß werden, dass die Eigenspannungen die
Bruchfestigkeit des Baustoffes erreichen.
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Anmerkung:
In vielen Beiträgen zur Entstehung von Rissen wird immer wieder aus-
geführt: "Risse entstehen immer dann, wenn die Zug- bzw. Bruchfes-
tigkeit des Baustoffes überschritten wird".
Dies ist streng genommen falsch.
Die Bruch-Zugspannung eines Baustoffes kann in einem Bauteil nie
überschritten werden, da ja vorher der Bruch eintritt und durch die
Rissbildung die Zugspannung abgebaut wird.
Damit wird die Stelle der Rissbildung durch die größte Spannung im Bauteil be-
stimmt, allerdings unter der Voraussetzung, dass der Baustoff überall die glei-
che Festigkeit aufweist. Dies ist meistens aber nicht der Fall. Die Baustofffestig-
keit ist immer etwas unterschiedlich, so dass auch an Stellen mit geringerer Ei-
genspannung ein Riss auftreten kann.
Grundsätzlich können Risse, - also eine Trennstelle in einem Baustoff mit ei-
nem sonst geschlossenen, einheitlichen Gefüge -, nur durch Zugspannungen
und/oder Schubspannungen bzw. Scherspannungen entstehen. Der klaffen-
de Riss ist allein auf Zugspannungen zurückzuführen. Scherbrüche, die ein
Bauteil im Wirkungsbereich von Scherkräften durchtrennen und eine Verschie-
bung verursachen, werden durch die Scherspannungen erzeugt. Der Schub-
bruch, der bei Biegung mit Querkraft auftritt, wird in Wirklichkeit auch durch
Zugspannungen ausgelöst. Damit bleiben folgende Ursachen für das Entstehen
von Rissen übrig:
Risse, die durch Zugspannungen entstehen. Hier wirkt die Zugspan-
nung senkrecht zur beanspruchten Querschnittsfläche.
Schubrisse, die fast ausschließlich an vorgegebenen Bauteilübergän-
gen oder materialbedingten Schwachstellen (z. B. Mauerwerksfugen)
entstehen.
Scherrisse, die durch räumlich sehr dicht wirkende Scherkräfte auch in
einem Baustoffmaterial ohne vorgegebene Bruchstelle auftreten.
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Die nachstehende Darstellung zeigt die Ansicht einer Außenwand mit Fenster-
öffnung. Im Bereich der Fensterbrüstung und des Rolladenkastens sind häufig
Rissbildungen vorhanden. Ursache dieser Risse an dieser Stelle der Wand ist
die Querschnittsschwächung der Wand durch die Fensteröffnung.

Im Wandquerschnitt der Fensterbrüstung, der oft noch durch die Nischenaus-


bildung in der Wanddicke reduziert ist, schnellt die Zugspannung sprunghaft
hoch und erreicht hier zuerst die Zugfestigkeit des Mauerwerkmaterials.

5.4. Geradlinig verlaufende Risse:


Risse, die aus Zugspannungen entstehen (zum Unterschied zu Schub- und
Scherrissen) bilden sich immer senkrecht zur Wirkungsrichtung der Zugspan-
nung. Wenn in einem Bauteil nur eine Zugkraft wirkt ist der Rissverlauf weitge-
hend geradlinig, also senkrecht zur Kraftrichtung.

5.5. Schräg verlaufende Risse:


Der geradlinige Rissverlauf lässt auf einen gleichförmigen, also über den ge-
samten Bauteilquerschnitt gleichgerichteten Spannungsverlauf schließen.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
"RISSE IN BAUWERKEN" 63579 Freigericht-Somborn
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Schräg verlaufende Risse zeigen, dass die Zugspannungen, die die Rissbildung
auslösen, nicht mehr gleichmäßig über den Bauteilquerschnitt ausgerichtet
sind. Dies ist bei Scheibentragwerken der Fall. Die folgenden Ausführungen er-
klären die Entstehung des besonderen Rissverlaufes bei Wandscheiben:
Nach der Balkentheorie werden die aus der Biegebeanspruchung ermittelten
Spannungen in das orthogonale (rechtwinkelige) Koordinatensystem "ge-
zwungen", um damit einfacher umgehen zu können. Für diesen Zweck hat man
die Schubspannungen "erfunden", denn sie erlauben, dass immer mit den gut
zu handhabenden Normalspannungen (Biegedruck- und Biegezugspannungen)
parallel zur Balkenachse gearbeitet werden kann.
Die Balkentheorie gilt nur für Biegetragwerke, die eine kleine Höhe im Vergleich
zur Stützweite aufweisen (so wird der Balken definiert).
Bei größeren Balkenhöhen wird die wirkliche Beanspruchung im Tragwerk
durch die sog. Hauptspannungen bestimmt, die nicht mehr parallel zur Bal-
kenachse verlaufen. Die Hauptspannung stellt in jedem Punkt des Tragwerkes
die resultierende Spannung dar, die unter einem bestimmten, veränderlichen
Winkel ihren Maximalwert annimmt.

Verlauf der Spannungstrajektorien in Wandscheiben.


Die Hauptspannungen lassen sich für jedes Tragwerk in Abhängigkeit von den
Bauteilabmessungen und den Lasteinwirkungen als sog. Spannungstrajekto-
rien darstellen. Die Spannungstrajektorien zeigen den natürlichen Verlauf der
Zug- und Druckspannungen im idealen, homogenen, isotropen Tragwerk auf.

(homogen: gleichartig, gleichmäßig zusammengesetzt.


isotrop: nach allen Richtungen gleiche physikalische Eigenschaften.)

Sie, die Spannungstrajektorien, sind der Schlüssel zur Prognose


und Analyse von Rissbildungen:
Risse treten senkrecht zu den Zugtrajektorien auf,
dort, wo die Zugfestigkeit des Baustoffes erreicht wird.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
"RISSE IN BAUWERKEN" 63579 Freigericht-Somborn
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Hauptspannungsverlauf in einer Einfeld-Wandscheibe


und einer Mehrfeld-Wandscheibe:

Einleitung der Stützen-


lasten verursachen
Spaltzugkräfte
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
"RISSE IN BAUWERKEN" 63579 Freigericht-Somborn
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Hauptspannungsverlauf in einer auskragenden Wandscheibe:


Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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Darstellung des Rissverlaufes in einer Einfeld-Wandscheibe


mit einem vereifachten Scheiben-Modell:
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
"RISSE IN BAUWERKEN" 63579 Freigericht-Somborn
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Darstellung des Rissverlaufes in einer Mehrfeld-Wandscheibe


mit einem vereifachten Scheiben-Modell:

Im Krafteinleitungsbereich der Mittelstützen treten die sog. Spaltzugkräfte auf,


die durch die horizontale Zugkraftrichtung vertikale Risse erzeugen kann.

Spaltzugkräfte
Vertikale Risse
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
"RISSE IN BAUWERKEN" 63579 Freigericht-Somborn
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Der Verlauf der Zugtrajektorien wird im Stahlbetonbau als Grundlage für die
Anordnung der Bewehrungsstäbe genutzt: Denn die Rundstahlbewehrung
übernimmt im Verbundsystem aus Beton und Stahl die Aufnahme der Zug-
spannungen. Je genauer die Bewehrungsrichtung dem Verlauf der Zugtrajekto-
rien angeglichen werden kann, desto besser ist das Tragverhalten des Stahlbe-
ton-Tragwerkes.
Eine weitere Hilfskonstruktion für die Bewehrungsanordnung ist das sog.
Fachwerkmodell oder die sog. Fachwerkanalogie. Dabei werden in einem
Stahlbeton-Tragwerk Fachwerkstäbe für die Druck- (Beton) Zugkräfte (Stahl)
angenommen, die den wirklichen Spannungstrajektorien möglichst nahe kom-
men.

Beispiel: Rissbildungen in einer Längswand auf der


Zwischendecke einer Industriehalle

So stellt sich die gerissene Längswand für den Betrachter dar. Sie befindet sich
auf einem Gang in einem Zwischengeschoss einer Industriehalle. Der Rissver-
lauf weist auf eine Mehrfeld-Wandscheibe hin.

Rissbildung in der Längswand mit den Hauptspannungstrajektorien der Mehr-


feld-Wandscheibe
Die Gewölbeausbildung wird durch die Türöffnung gestört. Von den Türecken
verlaufen die Risse nach oben. Dabei wirken sich die vorgegebenen Fugen
zwischen dem Mauerwerk und den Sturzbalken auf den Rissverlauf aus.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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6. BEISPIELE ZUM RISSVERLAUF:


6.1. Beispiel für eine Verformungsunverträglichkeit:

Zur Abfangung einer Wand ist ein in die Massivdecke integrierter Plattenbalken
vorgesehen.
Problem: Der Plattenbalken trägt auf Biegung mit großen Durch-
biegungen, die Wand trägt sich als Scheibe ab und
kann der Balkenbiegung nicht folgen.

Unterschiedliche Biegesteifigkeiten von Balken und Wandscheibe:

Eine Überprüfung der Steifigkeiten von Balken und Scheibe zeigt, dass die
Scheibe, - unabhängig von den Baustoffwerten (E-Moduln) -, 244 mal (!) steifer
ist als der Balken:
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
"RISSE IN BAUWERKEN" 63579 Freigericht-Somborn
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Je nachdem, ob die Wand in der Lage ist sich selbst als Scheibe abzutragen,
entsteht zwischen Wand und Massivdecke ein Spalt. Der Plattenbalken biegt
sich zusammen mit der Massivdecke unter dem Eigengewicht und der Ge-
brauchslast durch.

Im anderen Falle folgt die Wand der Deckendurchbiegung und setzt sich auf der
Massivdecke ab und es bilden sich entsprechend dem Verlauf der Gewölbe-
Hauptspannungen Risse.

Der Verlauf der Risse wird auch weitgehend durch die Vorgaben des Wand-
baustoffes bestimmt. Mauerwerk aus einem Steinmaterial mit geringer Festig-
keit (z. B. Bimssteine) bricht nicht nur in den Fugen sondern auch im Stein. Bei
Mauerwerk aus festem Steinmaterial folgt die Rissbildung vorwiegend dem
Stoß- und Lagerfugenverlauf. Dies führt zu den typischen, abgetreppten Rissen
in der Putzfläche, wobei die Stoßfugen (senkrecht) und die Lagerfugen (waage-
recht) den Verlauf der Risse aus dem Traggrund im Mauerwerk folgen.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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6.2. Gegenüberstellung von Rissbildungen mit verschiedenen


Schadensursachen:

Die folgenden Rissbilder erklären sich aus Durchsenkungen der Geschossde-


cke infolge verschiedener Ursachen. Dabei ist zu beachten, dass die Verkrüm-
mung der Deckenplatten nur geringfügig ist und hier (den Platten) keine Schä-
den, wie z. B. Rissbildungen, entstehen. Dies verursacht auch statisch keine
Beeinträchtigung der Standsicherheit in den Massivplatten.
An dem Rissverlauf kann die Art der Scheibentragweise (Einfeld- oder Mehr-
feld-Wandscheibe) abgelesen werden und so auf die Art der Verformung und
damit auf die Schadensursache geschlossen werden.

Rissbildungen in den Geschosswänden eines mehrgeschossigen Gebäu-


des: Ursache: Setzung der Mittelwand, Setzungsmulde
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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Rissbildungen in den Geschosswänden eines mehrgeschossigen


Gebäudes: Ursache: Schwinden des KS-Mauerwerkes, Mittelwand

Rissbildungen in den Geschosswänden eines mehrgeschossigen


Gebäudes: Ursache: Deckendurchbiegungen
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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6.3. Rissbildungen in Gebäuden durch ungleiche Setzungen des


Baugrundes:
Bei unterschiedlichen Setzungen des Baugrundes reagieren schon bei kleinen
Verformungen die starren Wandscheiben des Gebäudes mit Rissbildungen.
Auch hier kann an dem Rissverlauf die Art der Scheibentragweise (auskragen-
de Wandscheibe) abgelesen werden und so auf die Art der Verformung und
damit auf die Schadensursache, nämlich die Baugrundsetzung, geschlossen
werden.

Setzungsmulde

Setzungsempfindliche Bodenschicht

Rissbildungen in einem Altbau nach einseitiger Aufbringung der Gebäu-


delast eines unmittelbar angebauten Neubaues.
Die Gebäudelast des Neubaues drückt eine setzungsempfindliche Schicht im
Baugrund zusammen und lässt eine Setzungsmulde entstehen, dessen Rand-
bereich ungleiche Setzungen des Altbaues hervorruft.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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Setzungsmulde

Setzungsempfindliche Bodenschicht

Rissbildungen in einem Altbau nach Errichtung eines Neubaues.


Die Gebäudelast des Neubaues drückt eine setzungsempfindliche Schicht im
Baugrund zusammen und verursacht eine Setzungsmulde, die bis unter den
Altbau reicht, so dass hier Mitnahmesetzungen entstehen.

Rissbildungen in den beiden, dicht nebeneinander errichteten Gebäuden.


Die sich überschneidenden Lastausbreitungskegel erzeugen eine Setzungs-
mulde zwischen den Gebäuden, die Mitnahmesetzungen auslösen.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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Ungleiche Setzungen unter einem Haus.


Die ungleichen Setzungen bestehen nur zwischen den Außenfundamenten und
dem ersten Innenfundament. In den Wandscheiben darüber entstehen schräge
Risse (auskragende Wandscheibe). Zwischen den beiden Innenfundamenten
sind keine ungleichen Setzungen vorhanden, so dass in den Wandscheiben
darüber keine Risse entstehen.

Rissbildungen durch eine nachgebende Rissbildungen durch die Deformation


Unterfangung. Es entstehen Abscherrisse des Bodenkörpers als Folge der Anker-
der Grenzwand zu den einbindenden Wän- zugkraft. An der Grenzwand entstehen
den. keine Abrisse. In einigen Wandscheiben
entstehen Schrägrisse.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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Hoher Grund-
wasserstand

Bei hoch liegendem Grundwasserspiegel befindet sich der Boden unter Auf-
trieb.

Grundwasser-
absenkung

Die Grundwasserabsenkung erzeugt für den nicht mehr unter Auftrieb ste-
henden Bodenkeil eine höhere Belastung der setzungsempfindlichen Boden-
schicht, so dass ungleiche Mitnahmesetzungen schräge Risse in den Wänden
der betroffenen Häuser verursachen.
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6.4. Schiefstellungen eines Gebäudes durch einseitige


Setzbewegungen des Baugrundes:

Senkrechter Abriss Senkrechter Abriss


vor Beginn der nach Fertigstellung
Baumaßnahme der Baumaßnahme

Schiefstellung eines nicht unterkellerten Gebäudeteiles mit einer Hof-


durchfahrt infolge einer einseitigen Setzung im Rahmen einer schwierigen
Fundamentunterfangung für einen unmittelbar angrenzenden Neubau.
Die beiden straßenseitigen Ansichten des betroffenen Gebäudeteiles zeigen
links die Fassade vor Beginn der Baumaßnahme auf dem Nachbargrundstück
und rechts nach Fertigstellung des Neubaues.
Bereits vor Beginn der Bauarbeiten war zwischen dem linken Hauptgebäude
und dem nicht unterkellerten Gebäudeteil ein Abriss vorhanden. Nach der Fer-
tigstellung des Neubaues hat sich dieser Abriss vergrößert.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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Qualitative Ermittlung der Setzbewegung „v“ nach dem Strahlensatz:


Die gemessene Rissweite im 2. Obergeschoss ergab ein Horizontalmaß von „h“
ca. 4 cm, was zu einem Setzmaß von „v“ = 2,9 cm an der Grenze zum Neubau
führte. Dieses Maß beinhaltet aber auch die Setzbewegung vor Beginn der
Neubauarbeiten.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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7. RISSBILDUNGEN IN WÄNDEN INFOLGE VON DECKEN-


DURCHBIEGUNGEN
7.1. Allgemeine Vorbemerkungen:
Im Hochbau bilden die Geschossdecken die Aufstandflächen für die Ausbau-
konstruktionen in den einzelnen Stockwerken. Als Flächentragwerke werden sie
auf Biegung beansprucht, die sich als Durchbiegung der Deckenplatten aus-
wirkt. Die Biegeverformung entsteht, weil auf der Biegedruckseite der Baustoff
gedrückt und auf der Biegezugseite gezogen wird. Unter diesen Beanspru-
chungen verformt sich der Baustoff entsprechend seinem Elastizitätsverhalten.
Die Verkürzung auf der Biegedruckseite und die Längung auf der Biegezugseite
des Balkens oder der Deckenplatte erzeugt eine Verkrümmung, die sich als
Durchbiegung, - der Tragwerksplaner spricht von der sog. Biegelinie -, auf die
Deckenkonstruktion auswirkt.
Die folgende Darstellung soll dies erläutern:

Maßgebend für die Größe der Durchbiegung ist die sog. Schlankheit der De-
ckenkonstruktion:
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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 Das Verhältnis Stützweite L zur Deckendicke d gibt die sog. Biege-


schlankheit an. Bei großen Biegeschlankheiten L/d, - also großen Stütz-
weiten L bei kleinen Deckendicken d -, treten große Biegeverformungen
und damit ...

 ... große Durchbiegungen im Feldbereich der Decke auf.


 Gleichzeitig verdreht sich das Deckenauflager.
 Die Durchbiegungsverformung führt zu unterschiedlichen Höhen der De-
ckenoberseite.

 Die Auflagerverdrehung beansprucht das Wandmauerwerk.


7.2. Schadensrisiko im Feldbereich:
Große Deckendurchbiegungen können zu verschiedenen Schäden in den Be-
reichen von Deckenfeldern, also im Innenbereich der Räume, führen. Dabei ist
bereits bei der Planung die mögliche Deckendurchbiegung bei der Wahl der
Ausbaukonstruktion entsprechend zu berücksichtigen.

1. Rissbildungen in nicht tragenden Innenwänden:


Nichttragende Innenwände, die den Durchbiegungen der darunter liegen-
den Decke folgen, können Risse im gesamten Wandbereich erhalten.
Deshalb muss hier die Biegeschlankheit vom Tragwerksplaner besonders
genau beachtet werden.

2. Rissbildungen in ausgebauten Dachgeschossen:


Beim Ausbau von Dachgeschossen in Wohnhäusern werden häufig leich-
te Trennwände eingezogen, die mit den Dachschrägen und den Kehlbal-
kendecken oft ungewollt zugfest verbunden werden. So kommt es, dass
bei größeren Deckendurchbiegungen diese Wände nicht nur oben, son-
dern auch in der Mitte horizontale Risse erhalten und an den Aufstands-
flächen klaffende Abrisse entstehen. Auch die nach innen versetzten
Kniestockwände stehen bereits so weit von den Außenwänden entfernt,
dass sich die Deckendurchbiegungen durch Abrisse am Übergang zur
Dachschrägen auswirken.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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3. Schäden unterhalb von durchgebogenen Decken:


Im Industriebau werden mit weit gespannten Deckenkonstruktionen große,
hohe Räume geschaffen, um eine vielseitige Verwendung zu ermöglichen.
Je nach Nutzung werden einzelne Räume durch flexible Wandsysteme
unterteilt, deren Ständerpfosten vom Fußboden bis zur massiven Decken-
konstruktion reichen. Zur Stabilisierung müssen die Ständerpfosten oben
gegen Horizontalverschiebungen gesichert werden. Dabei muss allerdings
eine vertikale Verschiebungsmöglichkeit erhalten bleiben, um die nicht zu
vermeidenden Durchbiegungen der oft sehr schweren Deckenkonstruktio-
nen schadensfrei aufnehmen zu können. Die zu erwartende Größe der
Durchbiegung wird vom Tragwerksplaner angegeben und muss an den
Unternehmer, der die Trennwandsysteme liefert und einbaut, weitergege-
ben werden. Wenn hier eine Informationslücke entsteht, kann es vorkom-
men, dass die Ständerpfosten die erforderliche vertikale Verschiebung am
oberen Ende nicht oder nicht im erforderlichen Umfang aufweisen. In die-
sem Falle legt sich die Massivdecke auf die Ständerwandkonstruktion auf,
die unter dieser Belastung seitlich ausknickt.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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4. Schäden an Fliesenbelägen auf Verbundestrichen:


Ebenfalls im Industriebau werden immer wieder auf weit gespannten De-
ckenkonstruktionen Fliesenbeläge auf Verbundestrichen verlegt (sog.
„Rüttelböden“), da eine schwimmende Estrichkonstruktion für die hohen
Belastungen, z. B. aus dem Werkstattbetrieb, nicht stabil genug ist. Da
Keramikfliesen ein sehr harter Baustoff sind (hoher Elastizitätsmodul),
entwickeln sich schon bei geringen Deckendurchbiegungen sehr große
Stauchkräfte in der mit dem Estrich starr verbundenen Fliesenschale, die
sich vom Verbundestrich abschiebt oder bereichsweise hoch gedrückt
wird.

Diese Schäden können bei der Verwendung von Fliesen als Bodenbeläge
nicht vermieden werden. Deshalb sollten auf weit gespannten Deckenkon-
struktionen keine Fliesenbeläge, sondern Beschichtungen auf Verbunde-
striche vorgesehen werden.

7.3. Schadensrisiko im Auflagerbereich:


1. Horizontale Risse in den Außenwänden:
Die Verkantung des Endauflagers einer durchgebogenen Massivdecke
bewirkt eine Anhebung am Außenwandauflager. Dies kann zu horizonta-
len Rissen im Außenputz führen, die sich in einer neu geputzten und ge-
strichenen Fassade als hässlicher Mangel zeigt. Oft wird der Verputzer als
Verursacher für diese Schäden in die Verantwortung genommen, da sich
die Rissbildungen für den Betrachter im Putz zeigen. Die auslösende Ur-
sache für diese Risse im Putz ist das Mauerwerk. Deshalb können diese
Schäden nicht dem Gewerk des Verputzers zugeordnet werden.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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Wenn der Mauerstein unter dem Deckenauflager beim Betonieren einen


guten Haftverbund mit der Massivdecke erhalten hat, nimmt die drehende
Deckenplatte ein oder zwei Steinschichten mit und der Riss entsteht un-
terhalb des Deckenauflagers.

2. Horizontale Risse im Eckbereich von Außenwänden:


Das statische Nachweisverfahren von Massivdecken behandelt die Platten
wie Balken, die sich im Feldbereich unbehindert durchbiegen können.

Bei den üblichen Grundrissen im Hochbau werden diese einachsig ge-


rechneten Decken jedoch zweiachsig (kreuzweise) abgetragen, da die
längs laufenden Wände das Durchbiegen am Längsrand des Plattenfeldes
behindern. Damit entsteht eine muldenartige Biegeverformung der Platten-
fläche, die in den Ecken zu einer besonderen Beanspruchung führt (hier
treten sog. "Drillmomente" auf).
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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Bei dem Versuch mit einem Blatt Papier, das vierseitig aufliegt und in der
Mitte nach unten gedrückt wird, beobachtet man ein Abheben der Ecken.
Dies geschieht bei einer Massivplatte ebenfalls und kann bei geringen
Auflasten zum Abheben der aufstehenden Außenwand und zu horizonta-
len Rissen im Außenputz führen.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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3. Horizontale Risse in den Außenwänden bei kurzen Endfeldern:


Je nach Grundrissplanung können durchlaufende Deckensysteme entste-
hen, die nach einem großen, innen liegenden Deckenfeld mit einem kur-
zen Endfeld enden. Bei einer Durchbiegung des großen Deckenfeldes
verdreht sich die Deckenplatte am vorletzten Auflager so weit, dass das
kurze Endfeld wie ein Kragarm nach oben verformt wird. Bei geringen Auf-
lasten auf der Außenwand kann diese Verformung zu horizontalen Rissen
im Außenputz führen. (In der elektronischen Berechnung zeigt sich dies
als negative Auflagerkraft.)

Es gibt auch Grundrisskonstellationen, die eine Auskragung der Decken-


platte an einem erkerartigen Vorbau entstehen lassen. Hier wirkt die De-
ckenplatte über dem Erkervorsprung ebenfalls wie ein kurzer Kragarm, der
durch die abhebende Verformung ebenfalls zu horizontalen Rissbildungen
im Außenputz führen kann.

8. RISSESCHÄDEN INFOLGE VON ERDDRUCKBELAS-


TUNGEN AUF GEMAUERTE KELLERAUSSENWÄNDE
8.1. Allgemeine Vorbemerkungen:
Wohngebäude des üblichen Hochbaues werden fast ausschließlich mit Keller-
geschossen geplant und ausgeführt. Dabei wird der auf die erdberührte Keller-
außenwand wirkende horizontale Erddruck oft unterschätzt.
Nach allen älteren und auch der neuen Fassung der DIN 1053, Mauerwerk, darf
bei bestimmten Voraussetzungen in Abhängigkeit von der Wanddicke und der
Auflast eine bestimmte Anschütthöhe an der Außenseite vorgesehen werden,
ohne dass ein besonderer rechnerischer Nachweis geführt werden muss.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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Eine wichtige Beurteilungsgröße ist die Auflast aus den oberen Geschossen
des Gebäudes. Je höher diese vertikale Belastung die Kelleraußenwand unter
Druck setzt, um so mehr ist sie in der Lage, horizontale Kräfte aus dem anlie-
genden Erddruck aufzunehmen.
Bei Wohngebäuden, die oberhalb des Kellergeschosses nur ein oder wenige
Vollgeschosse haben, ist diese stabilisierende vertikale Druckbelastung gering
und kann zum Beispiel bei großen Fensteröffnungen im Erdgeschoss bis auf
Null zurückgehen. (Beispiel: Große Terrassentüröffnung im EG bei geschoss-
hoher Anschütthöhe der Kelleraußenwand unter der Terrasse.)
Größere Kelleraußenwanddicken haben höhere Baukosten und kleinere Nutz-
flächen zur Folge. Deshalb werden von den Planern möglichst geringe Wanddi-
cken angestrebt und die vertikalen Wandbelastungen in den statischen Über-
prüfungen unter Umständen etwas "geschönt".
Je nach dem Grundriss des Kellergeschosses werden die Kelleraußenwände
durch Innenwände ausgesteift. Diese an sich ungewollte Horizontalabstützung
einer erddruckbelasteten Kelleraußenwand ist sehr wirkungsvoll und kann auch
sonst nicht ausreichende dicke Wände so stabilisieren, dass keine Risse ent-
stehen.

8.2. Rissarten in KG-Außenwänden:

1. Verschiebungen von KG-Wänden:


Bei langen Kelleraußenwänden besteht die Gefahr, dass die Wand in ei-
ner Lagerfugenebene durch den Erddruck nach innen verschoben wird.
Dabei stellt sich die Verschiebung in der Ebene ein, in der zuerst der Haft-
reibungswiderstand im Wandquerschnitt überschritten wird. Bevorzugte
Lagerfugenebenen sind die Stellen in der Mauer, in denen sich die hori-
zontalen Sperrpappenlagen befinden.
Die folgenden drei Schadensbilder können durch die vorgenannten Vor-
gänge entstehen:
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
"RISSE IN BAUWERKEN" 63579 Freigericht-Somborn
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Horizontale Rissbildungen im unteren Wandbereich:

Diese Rissbildung entsteht in Höhe der unteren Pappenlage, oberhalb der


ersten Steinschicht. Hierbei kann es zu Durchfeuchtungen kommen. Die
Horizontalverschiebung der Wand schert die Außenwandabdichtung ab
und es dringt Wasser aus dem anliegenden Erdreich ein.

Die Horizontalverschiebung kann auch auf der horizontalen Abdichtung,


unmittelbar auf der Bodenplatte, auftreten. Hierbei wird ebenfalls die Au-
ßenwandabdichtung (Hohlkehle) verletzt und es treten Durchfeuchtungs-
schäden auf.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
"RISSE IN BAUWERKEN" 63579 Freigericht-Somborn
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2. Zerstörung des unteren Mauersteins infolge hoher Schubbelastung:

Durch die hohe Schubkraft des horizontalen Erddruckes wird der untere
Mauerstein mit großen Scherkräften beansprucht. Bei einer Ausführung
des Kelleraußenmauerwerks z. B. aus Hochlochziegeln, mit feingliedrigen
Stegsäulen zwischen den Luftkammern, zerstören die Scherkräfte die
Steinstruktur und damit auch die Abdichtung auf der erdberührten Wand-
seite.

3. Horizontale Rissbildungen im oberen Wandbereich:

Diese Rissbildung entsteht unterhalb der Kellerdecke zwischen der vor-


letzten und der letzten Steinschicht. Beim Betonieren der Kellerdecke ent-
steht zwischen der oberen Steinschicht und dem Beton ein guter Haftver-
bund, so dass sich in dieser nächst tieferen Lagerfuge die Schwachstelle
einstellt.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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4. Rissbildungen im Bereich von Fensteröffnungen:

In Kellerwänden bilden Fensteröffnungen immer eine Schwächung in


der Wand. Sturzbalken und die Fensterecken sind die Vorgaben für
Rissbildungen bei horizontalen Erddruckbelastungen. Der Brüstungsbe-
reich des Kellerfensters ist deshalb besonders gefährdet, da hier keine
Auflast wirkt.

5. Ausknicken von KG-Wänden:


Die Spannungsnachweise für die Wandquerschnitte erlauben in vertikaler
Richtung keine Übertragung von Zugspannungen in den Lagerfugen.
Deshalb kann die Aufnahme von Biegemomenten aus der horizontalen
Erddruckbelastung nur durch die Ausmitte der vertikalen resultierenden
Druckkraft innerhalb des Wandquerschnittes erfolgen. Dabei ist es erlaubt,
dass die horizontale Lagerfuge rechnerisch bis zur Mitte aufklafft. Bereits
kleine Veränderungen der Querschnittsbeanspruchungen können die
Standsicherheit von derartig belasteten Wänden erheblich verringern.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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9. RISSBILDUNGEN IN GEMAUERTEN WÄNDEN


INFOLGE VON RISSVORGABEN
9.1. Horizontale Risse an den Ecken von Giebelwänden:

Die Rissbildungen in den Ecken der Giebelwände und der anschließenden


Traufwände wurden durch die Hochwölbung des Stahlbeton-Ringbalkens auf
den Giebelwandschrägen hervorgerufen, der sich verkürzt hat. Diese Verkür-
zung ist auf die Schwindvorgänge des Betons und auf die Abkühlung in den
Wintermonaten zurückzuführen.

Ringbalken Ringbalken

Ecke
hebt ab

Ecke
hebt ab

 Infolge von Verkürzungen des oberen Ringbalkens (Schwinden und


Abkühlung des oberen Ringbalkens) ist es zu einer Anhebung am Bal-
kenende gekommen.

 Die Rissbildung in einer Lagerfuge wird durch den an dieser Stelle


schwächsten Haftverbund zwischen Stein und Fugenmörtel bestimmt,
so dass die oberen Steinschichten mit angehoben werden.

An der Schadensentstehung hat offenbar auch der schnelle Baufortschritt sei-


nen Anteil, da der frühe Auftrag des Wandputzes die Rissbildung aus dem Un-
tergrund (dem Mauerwerk) in die Putzschicht übernommen hat.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
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Die horizontale Rissbildung verläuft in einer Lagerfuge des Porotonsteinmauer-


werks, wobei sich aus der Zufälligkeit der aufnehmbaren Haftspannung zwi-
schen dem Stein und dem Fugenmörtel die Höhenlage des Risses ergibt. Die
über dem Riss befindlichen Mauersteine haften aneinander und am Ringbalken
und werden durch die Hochwölbung des Ringbalkenendes mit nach oben ge-
hoben.
Diese Rissbildungen haben keinen Einfluss auf die Standsicherheit des Gebäu-
des oder einzelner Bauteile und stellen ausschließlich einen allerdings sehr auf-
fälligen optischen Mangel dar. Durch eindringendes Wasser wird der Putz
schnell abwittern und das Schadensbild vergrößern.
Mit der Anordnung von Eckstützen, die beim Entstehen von abhebenden Kräf-
ten aus der oben beschriebenen Ringbalkenverformung als Zugpfosten gewirkt
hätten, wären diese Risse nicht entstanden.

9.2. Vertikale Risse in gemauerten Wänden:

Schwindrisse im Bereich der Fensteröffnungen in einer Außenwand.


Fensteröffnungen in Mauerwerkswänden stellen immer Schwächungen dar, wo
sich leicht Schwindrisse bilden können.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
"RISSE IN BAUWERKEN" 63579 Freigericht-Somborn
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Senkrechter Riss an ei-


ner Querschnittsschwä-
chung der Wand:

An dieser Kelleraußen-
wand befindet sich ein
senkrechter Installati-
onsschlitz. Die Quer-
schnittsschwächung bil-
det die Vorgabe für den
senkrechten Riss, der
sich an dieser Schwach-
stelle aus der Zwang-
Zugbeanspruchung in-
folge Schwindens gebil-
det hat.

Senkrechter Riss an der Wand-


ecke:

Im Bereich von Wandecken bil-


det der Mauerwerksverband
durch die wechselnden Einbin-
dungen der Steine über die ge-
samte Wandhöhe eine Perforati-
on, so dass bei Zwangbeanspru-
chungen auf Zug eine Vorgabe
für einen senkrechten Riss ent-
steht.

Dieses Schadensbild entsteht


insbesondere dann, wenn sich
die beiden Wandabschnitte infol-
ge der einseitigen Besonnung
unterschiedlich erwärmen und
sich durch behinderte Tempera-
turdehnungen Zwang-Zugkräfte
aufbauen.
Seminar-Vortragsmanuskript Dipl.-Ing. Wolf Ackermann
"RISSE IN BAUWERKEN" 63579 Freigericht-Somborn
SEITE 48 von 48

Senkrechter Riss in einer


Wandfläche:

Dieser senkrechte Riss


entsteht durch die Vorga-
be der Aussteifungsstütze
aus Stahlbeton.
Die Zwang-Zugbean-
spruchung, die die Riss-
bildung auslöst, kann sich
z. B. aus der behinderten
Schwindverkürzung des
Wandmauerwerks erge-
ben.
Langfristig bewirken
Temperaturänderungen
eine ständig andauernde,
kleinere Bewegung der
Rissflanken.

Senkrechter Riss in einer


Wandfläche:

Dieser senkrechte Riss


entsteht durch die Vorga-
be der eingemauerten
Aussteifungsstütze aus
einem Profilstahlträger.
Auch hier wurde die Riss-
bildung durch die Zwang-
Zugkräfte auslöst, die sich
als Folge der behinderten
Schwindverkürzung des
Wandmauerwerks erge-
ben haben.
Temperaturänderungen
können ständig andau-
ernde, kleinere Bewegung
der Rissflanken verursa-
chen.

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