IFB IBF Richtlinie Abdichtung Von Flachdächern Balkonen Und Terrassen Im Hochbau 2010 2012
IFB IBF Richtlinie Abdichtung Von Flachdächern Balkonen Und Terrassen Im Hochbau 2010 2012
IFB
Institut für
Flachdachbau und
Bauwerksabdichtung
In Kooperation mit:
VORWORT
Der „1. Österreichische Bauschadensbericht“, der im Jahr 2005 von der Bundesinnung Bau he-
rausgegeben wurde, hat gezeigt, dass feuchtigkeitsberührte Bauteile besonders von Bauschäden
betroffen sind. Aufgrund dieser Erkenntnis wurde ein von der FFG gefördertes Forschungsprojekt
durchgeführt, das sich im ersten Teil mit der Vermeidung und Behebung der häufigsten Mängel und
Schäden bei erdberührten Bauteilen beschäftigt hat. Die Ergebnisse daraus sind im „2. Österrei-
chischen Bauschadensbericht“ zusammengefasst. Im zweiten Teil des von der FFG geförderten
Forschungsprojektes wurden Abdichtungen im Hochbau bei Flachdächern, Balkonen und Terrassen
analysiert. Die Ergebnisse sind in den „3. Österreichischen Bauschadensbericht“ eingeflossen.
Mit dieser Grundlage haben das Institut für Bauschadensforschung (IBF) und das Institut für Flach-
dachbau und Bauwerksabdichtung (IFB) die vorliegende Richtlinie über die Abdichtung von Flach-
dächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau herausgegeben. Ziel der Richtlinie ist es, jenen Fir-
men und Personen, die an der Planung und Ausführung von Abdichtungen Hochbau beteiligt sind,
eine praktische Hilfestellung zu geben, die zur Erhöhung der Qualität bei derartigen Abdichtungen
führen soll.
Diese Richtlinie ist ein weiterer Baustein zu einem wesentlichen Ziel der Bauschaffenden, nämlich
der Vermeidung von Bauschäden. Dadurch können aufwändige und mitunter teure Schadensbe-
hebungen vermieden werden. In diesem Sinne wünsche ich den Anwendern der Richtlinie bei der
Planung und Ausführung von Abdichtungsarbeiten bei Flachdächern, Balkonen und Terrassen viel
Erfolg!
MITWIRKENDE
DI Robert Rosenberger
Geschäftsstelle BAU - WKÖ
Schaumburgergasse 20, 1040 Wien
DI Michael Steinbrecher
ofi - Institut für Bauschadensforschung (IBF)
Franz Grill-Straße 5, 1030 Wien
IFB
Institut für
Flachdachbau und
Bauwerksabdichtung
IBF - Richtlinie
in Kooperation mit
und
Ausgabe 07/2010
Inhalt
1 Vorbemerkung 5
2 Anwendung (Geltungsbereich) 5
3 Begriffsbestimmungen 5
4 Planung 5
4.1 Planungsgrundsätze 5
4.2 Dachentwässerung 6
4.3 Bauwerksfugen 6
4.4 Untergrund 7
4.5 Ausgleichsschichten 7
4.6 Dampfsperrschichte bzw. Dampfbremsschichte 8
4.7 Wärmedämmschichte 9
4.8 Trenn- und Gleitschichten 10
4.9 Dachabdichtung, Dachhaut 11
4.9.1 Nichtbelüftetes (einschaliges) Dach, belüftetes (zweischaliges) Dach 11
4.9.2 Umkehrdach, Duodach 12
4.9.3 Terrasse 13
4.9.4 Begrünungsaufbauten 13
4.10 Schutz- und Nutzschichten 14
4.11 Anschlüsse, Durchdringungen, Fugen 14
4.12 Sonderkonstruktionen 17
4.13 Absturz- und Seilsicherungen 17
4.14 Instandhaltung 18
4.15 Flüssigkunststoffe 18
5 Details 18
5.1 Warmdach 18
5.2 Umkehrdach 19
5.3 Terrasse 21
6 Ausschreibung 22
6.1 Zusätzliche Vorbemerkungen 22
6.2 Vorbereiten der Abdichtungsunterlage (Unterleistungsgruppe 21.12) 22
6.3 Ausgleichsschichten, Trennlagen (Unterleistungsgruppe 21.13) 22
6.4 Dampfsperrschichten (Unterleitungsgruppe 21.14) 22
6.5 Wärmedämmschichten (Unterleistungsgruppe 21.15) 23
6.6 Dachhaut (Unterleistungsgruppe 21.16) 23
6.7 Oberflächenschutz, Filterschichten (Unterleistungsgruppe 21.17) 23
6.8 Hochzüge, Anschlüsse, Dehnfugen (Unterleistungsgruppe 21.18) 23
6.9 Einbauten, Zubehör (Unterleistungsgruppe 21.19) 24
6.10 Hinterlaufschutz und Wartungsindikatoren 24
7 Sanierung 24
8 Normen 25
Anhang
Planungscheckliste für Flachdächer, Balkone und Terrassen im Hochbau 28
Ausführungscheckliste für Flachdächer, Balkone und Terrassen im Hochbau 29
IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
1 VORBEMERKUNG
Mit der vorliegenden Richtlinie soll den an der Planung und Ausführung von Flachdächern, Balkonen
und Terrassen im Hochbau beteiligten Personen eine praktische Hilfestellung gegeben werden, um
die Qualität der Planungs- und Bauleistungen zu erhöhen.
2 ANWENDUNG (GELTUNGSBEREICH)
Diese Richtlinie gilt für Flachdächer, Balkone und Terrassen im Hochbau. Nicht Gegenstand der
Richtlinie sind Steildächer sowie Parkdecks.
3 BEGRIFFSBESTIMMUNGEN
Bezüglich der Begriffsbestimmungen gilt primär die ÖNORM B 7220. Zusätzlich gelten folgende
Änderungen bzw. Ergänzungen:
Abdichtungen: Abdichtungen sind flächige wasserdichte Schichten aus bahnen- oder planenför-
migen bzw. flüssigen Abdichtungsstoffen zum Schutz des Bauwerks gegen Wasser. Sie bestehen
aus einer oder mehreren Abdichtungslagen (Schichten).
Abdichtungsuntergrund: Der Abdichtungsuntergrund ist jene Fläche, auf die die Abdichtung auf-
gebracht wird.
4 PLANUNG
4.1 Planungsgrundsätze
Bei der Planung von Abdichtungen von Flachdächern, Balkonen und Terrassen sollten folgende
Grundsätze Anwendung finden:
- Planung der zu entwässernden Dachflächen mit einem Mindestgefälle von 1° (1,8 %),
dabei ist die Durchbiegung der Bauteile zu berücksichtigen.
- Gestaltung der abzudichtenden Dach- bzw. Terrassenflächen sollte möglichst einfach erfolgen.
- Anordnung der erforderlichen Durchdringungen in der Form, dass die Abdichtung unter der
Verwendung von Einbauteilen (Gullys, Notüberläufe, Sekuranten, etc.) hergestellt werden
kann.
Bei Dachflächen mit einer Neigung unter 3° ist mit Pfützenbildung zu rechnen, zur Vermeidung von
stehendem Niederschlagswasser auf der Dachabdichtung sind größere Neigungen einzuplanen.
Bei der Bemessung der Abdichtung ist die geplante Nutzungsdauer und die vorgesehene Nutzungs-
art anzugeben. Bei Industriebauten ist von einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 12 bis 15
Jahre auszugehen, bei Wohnbauten von 20 bis 30 Jahren und bei Kunst-bauten von über 30 Jah-
ren.
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IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
4.2 Dachentwässerung
- Pro Dachfläche mit umlaufender Dachrandbegrenzung sind mindestens ein Ablauf (z.B. Gully),
ein Sicherheitsablauf (z.B. zweiter Gully) und ein Notablauf vorzusehen. Die Dimensionierung
des Notablaufs ist auf das statistisch 1x in 100 Jahren eintreffende sogn. Jahrhundertregen
ereignis abzustimmen. Der Notablauf darf nicht an das Kanalsystem angeschlossen und muss
demnach ins Freie geführt werden. Der Notablauf kann zusätzlich auch für die Funktion als
Sicherheitsablauf herangezogen werden.
- Der Randabstand zwischen dem Flansch eines innenliegenden Gullys und aufgehenden Bau
teilen muss mindestens 50 cm betragen.
- Bei wärmegedämmten Dachkonstruktionen mit Dampfsperren (Warmdächern) sind zweiteilige
Dachabläufe vorzusehen.
- Die Entwässerung bei Terrassen muss sowohl in der Dachabdichtungsebene als auch in der
Ebene der Belagsoberfläche sichergestellt werden.
- Oberhalb von beheizten Räumen sind wärmegedämmte und/oder beheizbare Abläufe vor-
zusehen.
- Bei begrünten Dächern ist um den Dachablauf eine Fläche mit einer Breite von mindestens
30 cm von der Begrünung freizuhalten z.B. durch Kiesrandstreifen.
4.3 Bauwerksfugen
Als konstruktive Maßnahme zur Überbrückung der Bewegungsfuge sind entweder Verstärkungs-
streifen und fabriksmäßig vorgefertigte Fugenbänder oder Los- Festflanschkonstruktionen anzuord-
nen. Die Breite und Anzahl der Verstärkungsstreifen und die Breite und Tiefe der Fugenkammer
richtet sich nach der Größe der zu erwartenden Bewegung (siehe ÖNORM B 7220 Anhang D Pkt.
D.10.2). Die Regelabmessungen für Los- und Festflanschkonstruktionen sind der Tabelle D.10 der
ÖNORM B 7220 zu entnehmen.
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IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
4.4 Untergrund
Der Untergrund muss ausreichend formstabil sein, seine Oberfläche muss eine ausreichende
Festigkeit und Haftfähigkeit aufweisen. Grate, Löcher, große Porigkeit, Betonnester und Risse > 0,5
mm sind unzulässig. Weiters muss die Oberfläche des Untergrundes frei von Öl-, Fett-, Wachs-,
Farb- und Lackrückständen, Gips- und Mörtelresten, Bauschutt und sonstigen Abfällen sein. Die
Ebenflächigkeit der Oberflächen muss der ÖNORM DIN 18202 entsprechen. Für Attiken aus Mauer-
werk mit Zementmörtelverputz gelten die Vorgaben sinngemäß.
Bei Betondecken und -attiken sind bei Knickpunkten von schräg geneigten Dachflächen zu verti-
kalen Flächen Hohlkehlen bzw. Abrundungen der Kanten mit einem Radius von mindestens 4 cm
vorzusehen bzw. Dreikantkeile auszuführen.
Holzwerkstoffplatten als Untergrund für Abdichtungen sollten eine Mindeststärke von 18 mm auf-
weisen. Aufgrund des Quell- und Schwindverhaltens sollte eine Kantenlänge von 2,50 m nicht
überschritten werden. Um Längenänderungen der Platten infolge Temperatur und Feuchtigkeits-
einwirkung zu ermöglichen, sind je Laufmeter Kantenlänge bis zu 2 mm Fugen-breite einzuplanen.
Zwischen Holzwerkstoffplatten und Dachabdichtung müssen Trenn- oder Ausgleichsschichten bzw.
Schleppstreifen angeordnet werden.
Der Untergrund ist vor Beginn der Abdichtungsarbeiten mit branchenüblichen einfachen Methoden
wie Augenschein, Klopfen, Ritzen, etc. zu prüfen. Zur Abnahme des Untergrunds siehe auch Aus-
führungscheckliste im Anhang bzw. technische Merkblätter des Instituts für Flachdachbau und Bau-
werksabdichtung (IFB).
(Hinweis: Die Prüf- und Warnpflichten sind in der ÖNORM B 2209-2, Pkt. 5.3.2.1 detailliert
aufgelistet.)
4.5 Ausgleichsschichten
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Übernimmt die Dampfsperrschichte bzw. Dampfbremsschichte zusätzlich die Funktion der Aus-
gleichsschichte, so ist diese teilflächig zu verkleben.
Im Bereich von Wärmedämmschichten ist die Dampfsperre/Dampfbremse bis zur Oberkante der
Wärmedämmung bzw. der Wärmedämmkeile zu führen. Der Anschluss einer Dampfsperre/Dampf-
bremse an Durchdringungen, Leitungen, etc. hat wind- und strömungsdicht zu erfolgen.
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4.7 Wärmedämmschichte
- Dämmkork
- Gebunde Mineralwolle
- Schaumglas
- Expandierter Polystyrol-Partikelschaumstoff EPS
- Polystyrol-Extruderschaumstoff XPS-G
- Polyurethan-Hartschaumstoff
- Vakuumdämmplatten
Werden die Dämmplatten verklebt, dürfen die einzelnen Platten nicht größer als 1 m² sein.
Bei Umkehrdächern bzw. bei Dächern, bei denen die Wärmedämmung über der Abdichtung ange-
ordnet wird, ist ein diffusionsoffenes Rieselschutzvlies auf der Wärmedämmung vorzu-sehen.
Warmdächer
Bei Warmdachkonstruktionen mit Wärmedämmschichten über 20 cm Stärke können die Wärme-
dämmplatten in zwei oder mehr Lagen verlegt werden.
Bei Warmdächern sind die Wärmedämmstoffe, versetzt und dicht gestoßen, unter Verwendung von
z.B. Bitumenklebemassen punkt- oder streifenweise oder vollflächig aufzukleben.
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Umkehrdächer
Bei Umkehrdächern sind XPS-G Platten mit Stufenfalz, Belastbarkeitsgruppe 30 zu verwenden. Die
Verlegung hat einlagig und lose zu erfolgen. Punktweise Verklebung auf den Untergrund ist zuläs-
sig.
Stahltrapezprofile
Ein Dampfdruckausgleich unterhalb der Dachhaut ist sicherzustellen, sodass sich der Dampfdruck
der bei Erwärmung entsteht entspannen kann. Spannungen die durch Bewegung der Dachhaut
bzw. der Wärmedämmung entstehen sind durch die Anordnung von Trenn- und/oder Gleitschichten
auszugleichen.
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Die Mindestüberdeckungsbreite bei bituminösen Dach- und Abdichtungsbahnen beträgt bei Bah-
nenbreiten ≥ 1 m à 10 cm, bei Bahnenbreiten unter 1 m à 8 cm. Die Stöße und Nähte der einzelnen
Abdichtungsbahnen sind je Lage gegeneinander zu versetzen.
Kunststoff-Dachbahnen sind lose auf dem Untergrund zu verlegen und mechanisch zu befestigen.
Weiters ist eine umlaufende linienförmige oder Einzel-Randbefestigung vorzusehen. Dies gilt auch
für werkseitig aus Kunststoff-Dachabdichtungsbahnen hergestellte Planen.
Die Bemessung von mechanischen Befestigungsmitteln hat entsprechend den auftretenden Wind-
lasten zu erfolgen. Die Windlast ist nach ÖNORM EN 1991-1-4 und ÖNORM B 1991-1-4 zu ermit-
teln. Die Befestigungsmittel sind gleichmäßig anzuordnen.
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IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
4.9.3 Terrasse
4.9.4 Begrünungsaufbauten
1)
gemäß ÖNORM B 7220 Abschnitt D.6 Pkt. (2) dürfen bei Abdichtungen von begrünten Dächern
Bitumenbahnen mit Trägereinlagen aus Metallbändern nur als zusätzliche Lage vorgesehen werden
d.h. als dritte oder vierte Lage.
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Gemäß ÖNORM B 2209-2 sind die Naht- und Stoßverbindungen der lose verlegten und/oder
mechanisch befestigten Kunststoffbahnen bei begrünten Dächern mit intensiver Nutzung als
Doppelnaht auszuführen und nach ÖNORM B 7209 zu prüfen.
Für Kiesschüttungen und Kiesbettungen dürfen nur Materialien verwendet werden, die mineralisch
und frei von Lehm sowie gleichmäßig einbett- bzw. schüttbar sind:
Plattenbeläge sollten eine Mindestdicke von 4 cm aufweisen, die Kies- oder Splitschicht für die
Bettung 3 cm.
Kiesschüttungen, die der Sicherung der Abdichtung gegen Abheben dienen, sind auf die auftre-
tenden Windsogkräfte zu dimensionieren. Bei besonders sturmgefährdeten Bauwerken sind Kies-
schüttungen mit Kiesbindern zu verfestigen bzw. Betonplatten als zusätzliche Auflast anzuordnen.
Hoch- und Tiefzüge sind aus denselben Abdichtungsmaterialien wie die Dachabdichtung
herzustellen.
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Hochzüge sind mindestens 15 cm über die oberste wasserführende Ebene (Oberkante Kiesschüt-
tung, Plattenbeläge etc.) zu führen und hinterlaufsicher zu befestigen. In Sonderfällen (schneereiche
Gebiete, extreme Lagen) sind die Anschlusshöhen entsprechend den klimatischen Gegebenheiten
zu erhöhen.
Bei Tiefzügen ist die Abdichtung 30 cm nach unten zu führen, mit dem Untergrund zu verkleben
und/oder mit Klemmschienen zu befestigen. Wand-Deckenfugen sind mindestens 20 cm zu über-
decken.
An- und Abschlüsse sind bis zu ihrem oberen Ende wasserdicht auszuführen und müssen an ihrem
oberen Ende befestigt und regensicher verwahrt sein. Diese Bereiche sind so zu planen und auszu-
führen, dass sie zur Überprüfung und Wartung jederzeit zugänglich sind.
Die maximale Länge von Klemmschienen für Abdichtungen soll 2,50 m nicht überschreiten. Die Be-
festigung der Schienen hat so zu erfolgen, dass sich die Schienen bei thermisch bedingten Länge-
nänderungen nicht gegenseitig behindern. Klemmschienen die neben der Funktion der Befestigung
der Abdichtung auch die Aufgabe der regensicheren Verwahrung übernehmen, sind so biegesteif
auszuführen, dass die Abdichtungsbahnen durchgehend angedrückt werden. Der Befestigungsab-
stand der Klemmschienen sollte maximal 20 cm betragen. Eine durchgehende Anpressung ist durch
geeignete Wahl der Befestigungsmittel (Edelstahlschrauben) sicherzustellen. Zusätzliche Über-
hangleisten, über der Klemmschiene befestigt erhöhen die Regensicherheit.
Hochzüge und Anschlüsse aus Bitumenbahnen sind zweilagig auszuführen. Dabei sind Dreikant-
keile zu verwenden oder Hohlkehlen auszuführen.
Abbildung 3: Dreikantkeile
Abdichtungshochzüge bei Anschlüssen mit einer Höhe von über 50 cm bedürfen einer (mecha-
nischen) Zusatzbefestigung.
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Werden Hochzüge aus Blechen ausgeführt (z.B. bei Türanschlüssen) und unter diesen Blechen
Wärmedämmungen angeordnet, so muss die verwendete Wärmedämmung formstabil und tempe-
raturbeständig sein.
Hochzugshöhen unter 5 cm sind bei behindertengerechter Bauweise zulässig. In diesen Fällen ist
eine Mindesthochzugshöhe von 0,5 cm über Niveau Plattenbelag zulässig, wenn die Abdichtungs-
bahn im Türstock eingeklemmt wird, ein Rigol mit einer Mindestbreite von 20 cm und einem seit-
lichen Überstand von jeweils 30 cm angeordnet und damit eine rasche Ableitung des Regenwassers
sichergestellt wird und weiters ein Vordach vorgesehen wird, das bei normalen Witterungsbedin-
gungen den Schlagregen abhält.
Die Mindestanschlussbreite bei Formteilen (Gullys etc.) beträgt bei Anschlüssen von Bitumenbahnen
an Metallflansche 12 cm, an Gusseisen 10 cm. Bei Anschlüssen von Kunststoffbahnen an Kunst-
stoff-Verbundflächen beträgt diese 5 cm.
Werden Rohrdurchführungen durch Klemmschellen gesichert, so hat die Anpressfläche der Klemm-
schelle mindestens 12 mm zu betragen. Bei Geländerstützen, Rohrdurchführungen etc. sind
Regenabweiser oberhalb des Abdichtungshochzuges anzuordnen. Anschlüsse an Lichtkuppeln sind
so zu planen, dass die Mindestanschlusshöhen eingehalten werden. Der Abstand von Einbauteilen
untereinander und von anderen Bauteilen wie Attiken, Bewegungsfugen, Dachkanten etc. hat von
der äußeren Begrenzung des Anschlussflansches 50 cm zu betragen.
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IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
4.12 Sonderkonstruktionen
Als Sonderlösung für Aufständerungen im Dachbereich bzw. auch bei Geländern können Betonfun-
damente ausgeführt werden, die auf einer Trennschicht aus Geotextil (siehe Tabelle 8) direkt auf der
Abdichtung aufgelagert werden. Ein Durchstoßen der Abdichtungsebene wird so vermieden und die
Anschlussproblematik entschärft. Die Größe der Fundamente ist für den Lastfall „Kippen“ (Horizon-
talkräfte auf Geländer bzw. Windkräfte bei Werbetafeln) zu bemessen.
Für die Einbindung von Sekuranten in die Abdichtung sind die entsprechenden Formteile zu verwen-
den.
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4.14 Instandhaltung
Für die Instandhaltung von Dächern mit Abdichtung ist ein Inspektionsplan zu erstellen, der
folgende Punkte umfassen sollte:
• Inspektionsintervalle
• Art und Umfang von Wartungs- und Pflegemaßnahmen
• Festlegung des Zeitpunkts des Austauschs bzw. der Erneuerung von Bauteilen und
Materialien mit kurzer Nutzungsdauer wie Fugenfüllmassen, Dichtbändern, Fugenbändern etc.
• Festlegung des Zeitpunkts der Erneuerung von Korrosionsschutzbeschichtungen
• Bei Dächern mit überdurchschnittlich langer Nutzungsdauer ist die Anzahl der Inspektionen
pro Jahr festzulegen.
4.15 Flüssigkunststoffe
Mit der Veröffentlichung der Leitlinie ETAG Nr. 005 (Europäische Technische Zulassung) für „Flüs-
sig aufzubringende Dachabdichtungen“ und der Einführung der CE-Kennzeichnung 2003 hat sich
dieser Werkstoff als gleichberechtigtes Abdichtungsmaterial neben den bahnenförmigen Ab-
dichtungsstoffen durchgesetzt.
Vorteile: Der Einsatz von Abdichtungen mit Flüssigkunststoffen empfiehlt sich insbesondere dort,
wo die Komplexität der Baukörpergeometrie hoch ist oder wo auf engstem Raum gearbeitet werden
muss. Die vollflächige Haftung mit dem Untergrund schließt die Unterläufigkeit des Systems weitest-
gehend aus.
5 DETAILS
5.1 Warmdach
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Hinweis: Die dargestellten Aufbauten sollen zum besseren Verständnis der Problemstellung beitra-
gen. Im Einzelfall sind die Aufbauten den objektspezifischen Anforderungen anzupassen und die
erforderlichen bauphysikalischen Nachweise zu erbringen.
5.2 Umkehrdach
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IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
Die Auflast (Kiesschüttung) ist so zu dimensionieren, dass ein Aufschwimmen der Dämmplatten
bzw. ein Verschieben durch Windkräfte verhindert wird. Auf eine ausreichende Entwässerung ist
ebenso zu achten.
Bei schwerem Oberflächenschutz (Kies) ist darauf zu achten, dass der Rieselschutz (Kunststoff-
vlies) die Diffusionsoffenheit des Systems nicht beeinträchtigt.
Bei der Ausführung des Gefällebetons mit wärmedämmenden Eigenschaften (z.B. Leichtbeton) sind
die Vorgaben der ÖNORM B 8110-2 zu berücksichtigen. Wird kein besonderer bauphysikalischer
Nachweis bezüglich der Wasserdampfkondensation geführt, so darf der Wärmedurchgangskoeffi-
zient von Gefällsbeton, Unterkonstruktion und allfälliger Deckenverkleidungen höchstens 30 % des
Wärmedurchgangswiderstandes der fertigen Gesamtkonstruktion betragen.
Hinweis: Die dargestellten Aufbauten sollen zum besseren Verständnis der Problemstellung beitra-
gen. Im Einzelfall sind die Aufbauten den objektspezifischen Anforderungen anzupassen und die
erforderlichen bauphysikalischen Nachweise zu erbringen.
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IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
5.3 Terrasse
Ist die Lagesicherheit der Dämmplatten durch die Auflast aus dem Terrassenbelag (z.B. Beton-
platten, Holzrost) nicht gewährleistet, so sind die Dämmplatten mit dem Untergrund zu verkleben
und/oder mechanisch zu befestigen.
Bei der Ausführung des Gefällebetons mit wärmedämmenden Eigenschaften (z.B. Leichtbeton) sind
die Vorgaben der ÖNORM B 8110-2 zu berücksichtigen. Wird kein besonderer bauphysikalischer
Nachweis bezüglich der Wasserdampfkondensation geführt so darf der Wärmedurchgangskoeffizi-
ent von Gefällsbeton, Unterkonstruktion und allfälliger Deckenverkleidungen höchstens 30 % des
Wärmedurchgangswiderstandes der fertigen Gesamt-konstruktion betragen.
Hinweis: Die dargestellten Aufbauten sollen zum besseren Verständnis der Problemstellung beitra-
gen. Im Einzelfall sind die Aufbauten den objektspezifischen Anforderungen anzupassen und die
erforderlichen bauphysikalischen Nachweise zu erbringen.
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IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
6 AUSSCHREIBUNG
(2) Reinigen des Untergrundes von Mörtel- und Beschichtungsresten und anderen groben
Verunreinigungen.
(3) Voranstrich mit bituminösen Stoffen auf Dachflächen und Hochzügen, passend zu den
Materialien aus denen die Abdichtungsbahnen hergestellt werden und entsprechend den An-
gaben der Erzeuger der Abdichtungsbahnen.
(4) Ausgleichsschichten bzw. Trennlagen aus Lochglasvliesbahnen oder Vliesen zur Aufnahme
von Bewegungen zwischen Abdichtung und Untergrund und zum Ausgleich von rauen oder
unebenen Stellen des Untergrundes.
Die Art der Befestigung der Dampfsperre ist anzugeben (vollflächig verklebt oder punkt- und streifen-
weise bzw. mechanisch befestigt). Kommt keine Ausgleichsschichte zur Ausführung und übernimmt
daher die Dampfsperre auch die Funktion der Ausgleichsschichte so ist die Dampfsperre nur punkt-
und streifenförmig zu verkleben bzw. zu befestigen. Die Dampfsperren sind im gesamten Bereich
der Wärmedämmschichte bis zur Oberkante der Wärmedämmung oder der Dämmmaterialkeile zu
führen. Der Anschluss einer Dampfsperre an Durchdringungen, Leitungen, etc. hat wind- und strö-
mungsdicht zu erfolgen.
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IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
(6a) Wärmedämmplatten
(6b) Gefälledämmplatten, Mindestgefälle 1° (1,8 %)
Werden die Dämmplatten verklebt, dürfen die einzelnen Platten nicht größer als 1 m² sein. Bei
Warmdachkonstruktionen mit Wärmedämmschichten über 20 cm Stärke können die Wärmedämm-
platten in zwei oder mehr Lagen verlegt werden.
Hinweis: Grundsätzlich dürfen Abdichtungen vor dem Aufbringen der Schutzschicht weder betreten
noch für die Lagerung von Materialien genutzt werden.
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IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
(18) Hinterlaufschutz
(19) Wartungsindikatoren
Hinweis: Unter Hinterlaufschutz versteht man die Abschottung von Dachaufbauten gegen Nieder-
schlagswasser während der Bauzeit. Wartungsindikatoren sind Einrichtungen, die bei Kontrolle
durch den Dachdecker anzeigen, ob Wasser in die Dachkonstruktion eingedrungen ist.
7 SANIERUNG
Die Instandsetzung von Fehlstellen der Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen wird
oft ohne eingehende Analyse der Schadensursache durchgeführt. Flüssigkeitsabdichtungen und
Dichtmassen werden als „Allheilmittel“ für die Behebung von Fehlstellen angesehen und daher oft
nicht zweckmäßig eingesetzt. In späterer Folge muss dann die Sanierung der Sanierung in Angriff
genommen werden.
Bei der Planung von Dachsanierungen ist die Anordnung von zusätzlichen Entwässerungsabläufen
und Notüberläufen zu prüfen. Weiters ist das vorhandene Gefälle zu überprüfen. Entspricht das
Gefälle nicht dem Mindestgefälle von 1° (1,8 %), so ist die Anordnung von Gefälledämmplatten zu
überlegen. Die Anordnung eines Gefällebetons ist vielfach aus Gewichtsgründen nicht möglich.
Die Sanierung von Abdichtungen von Flachdächern, Balkonen und Terrassen sollte folgende Punkte
umfassen:
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IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
Bestehende Abdichtungen müssen die Anforderungen einer Neuabdichtung erfüllen oder entspre-
chend verstärkt werden.
Werden Abdichtungen mit Bitumenbahnen verstärkt, muss eine vollflächige Verklebung der neuen
Bitumenbahn mit der vorhandenen Bahn zum Zeitpunkt der Sanierung möglich sein. Die zu über-
klebenden Bitumenbahnen dürfen keine Einlage aus Rohpappe enthalten.
Über eine bestehende Wärmedämmung dürfen nur dann weitere (neue) Schichten aufgebracht wer-
den, wenn der Feuchtigkeitsgehalt der Wärmedämmung 5 % des Volumens nicht übersteigt und die
Wärmedämmung keine Anzeichen von Fäulnis und Verrottung zeigt.
Bei der Weiterverwendung bestehender Schutzschichten (Kiesschüttungen) sind diese von orga-
nischen Verunreinigungen durch z.B. Sieben zu reinigen.
Die Planung der Sanierung sollte von einer, von der ausführenden Firma unabhängigen Person
(Baumeister, Architekt, Sachverständiger) erfolgen, die auch die Überwachung der Arbeiten durch-
führen sollte.
8 NORMEN
ÖNORM A 2050: Ausgabe 2006 11 01; Vergabe von Aufträgen über Leistungen -
Ausschreibung, Angebot, Zuschlag - Verfahrensnorm; Österreichisches
Normungsinstitut, Heinestraße 38, 1021 Wien.
ÖNORM B 2110: Ausgabe 2009 01 01; Allgemeine Vertragsbestimmungen für Bauleistungen -
Werkvertragsnorm; Österreichisches Normungsinstitut, Heinestraße 38,
1021 Wien.
ÖNORM B 2209-1: Ausgabe 2002 07 01; Abdichtungsarbeiten - Werkvertragsnorm - Teil 1:
Bauwerke; Österreichisches Normungsinstitut, Heinestraße 38, 1021 Wien.
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IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
Abdichtungsbahnen Bitumen:
Abdichtungsbahnen Kunststoff:
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IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
ANHANG
Planungscheckliste für die Abdichtung von Flachdächern, Terrassen und Balkonen im Hochbau
Seite 27
IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
Planungsgrundsätze:
• Planung der zu entwässernden Dachflächen mit einem Mindestgefälle von 1° (1,8 %)
• Gestaltung der abzudichtenden Dach- bzw. Terrassenflächen möglichst einfach.
• Anordnung der erforderlichen Durchdringungen in der Form, dass die Abdichtung unter der
Verwendung von Einbauteilen (Gullys, Notüberläufe, Sekuranten, etc.) hergestellt werden kann.
Definition der Einwirkungen (Feuchtigkeit, Temperatur, mechanische bzw. physikalische, chemische und
biologische Einwirkungen) auf die Abdichtung und somit Festlegung der Art und der erforderlichen Anzahl der
Lagen bzw. der Schichtstärke der Abdichtung:
Festlegung der Art des Dachaufbaus (Kaltdach, Warmdach, Umkehrdach, Terrasse, Parkdeck,
begrüntes Dach, Kompaktdach, Leichtdach, Dachsanierung) und des Schichtenaufbaus.
Überprüfung der erforderlichen Abstände (50 cm) von Durchdringungen untereinander und zu anderen Bau-
teilen und zu Entwässerungen (Gullys).
ÖNORMEN (Auszug):
ÖNORM B 2209-2: Ausgabe 2002 07 01; Abdichtungsarbeiten - Werkvertragsnorm - Teil 2: Genutzte Dächer.
ÖNORM B 2220: Ausgabe 1996 06 01; Schwarzdeckerarbeiten - Werkvertragsnorm
ÖNORM B 7220: Ausgabe 2002 07 01; Dächer mit Abdichtungen für - Verfahrensnorm
Seite 28
IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
□ Kies zur Schüttung, Korngruppe 16/32 mm □ Kies zur Bettung, Korngrupe 4/8 mm
□ Kies/Splitt zur Bettung, lose geschüttet, □ Abdichtung mechanisch befestigt
Korngruppe 4/8 mm □ punktweise □ streifenweise
Anmerkungen:
Seite 29
IBF-Richtlinie „Abdichtung von Flachdächern, Balkonen und Terrassen im Hochbau“
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Fotonachweis:
Abbildung 4 © Ing. Wolfgang Hubner
IFB - Institut für Flachdachbau und Bauwerksabdichtung
1110 Wien, Münnichplatz 1
Impressum:
Herausgeber: ofi - Institut für Bauschadensforschung (IBF), Franz Grill-Str. 5, 1030 Wien
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