Energiewende regional passend gestalten – drei Modellregionen im
Vergleich
(Planwende durch die Transdisziplinäre Integration regionaler und soziokultureller Faktoren in die Planung von Energiewende-
Maßnahmen vor Ort – PlanTieFEn)
Melanie Mbah, Ryan Kelly, Sarah Friese, Susanne Krieger, Ingo Uhlig
Berliner Energietage 07.05.2025, Online
(Saale)
Quelle: KI-generiertes Bild mit Midjourney am 11.03.2025
Hintergrund I: Das Projekt PlanTieFEn
Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025 2
Ziel: Über räumliche Identitäten und kulturhistorische Aspekte sowie
auf der Basis technoökonomischer Potenziale und Regularien
regional angepasste Ansätze der Planung und Partizipation
beim Ausbau erneuerbarer Energien zu entwickeln
Transdisziplinäres Forschungsdesign
Drei Modellregionen in Deutschland mit kleineren Einheiten für die
Analyse und Kooperation mit Praxisakteuren in sog.
Fokusregionen
Methoden (Ausschnitt):
● Desk Research und Literature Review,
● Governance-Analyse (regionale Planungsinstrumente, Regulierung),
● Mediendiskursanalyse,
● technoökonomische, GIS-gestützte Potenzialanalysen (für Wind und PV),
● Interviews (ca. 12 pro Region) und Workshopreihe mit Praxisakteuren in
den Regionen
Hintergrund II: Planungsdruck für den EE-Ausbau (Wind)
Aktuell: müssen je nach (Flächen-)Bundesland bis spätestens Ende 2032 zwischen 1,8 bis 2,2 % der Landes- und Regionalflächen
als Windenergiegebiete ausgewiesen werden (vgl. § 3 WindBG)
➢ Flächendruck auf kommunaler Ebene und potenzielle Konfliktträchtigkeit von EE-Vorhaben erhöhen sich (vgl. Kelly/Mbah
2024; Hogan et al. 2022)
3
Modellregionen:
Flächenziele
und Zeitpunkte
Modellregion Oberrhein Modellregion Ruhrgebiet Modellregion
Vorpommern
Referenzregion Bayern
Regionaler
Flächenbeitrag für
Windenergie
1,8 % (+ ca. 0,2 % für FF-PV) 0,46 % 1,4 % / 2,1 % 1,1 % / 1,8 %
Zeitpunkte 30.09.2025 (KlimaG BW, LPlG
BW) (besonders ambitioniert)
31.12.2025 (LEP NRW)
(ambitioniert)
31.12.2027 / 31.12.2032
(wenig ambitioniert)
31.12.2027 / 31.12.2032
(wenig ambitioniert)
Landesbeitrag nach
WindBG
1,1 % (2027) / 1,8 % (2032) /
35.747,82 (km²)
1,1 % (2027) / 1,8 % (2032) /
34.112,44 (km²)
1,4 % (2027) / 2,1 % (2032) /
23.295,45 (km²)
1,1 % (2027) / 1,8 % (2032) /
70. 541,57 (km²)
Regionale
Verteilung
gleichmäßig potenzialabhängig gleichmäßig gleichmäßig
Aktueller Stand in
Fokusregion
Regionalplan (RVSO)
Teilfortschreibungen
„Windenergie“ und „Solarenergie“:
Beteiligung abgeschlossen
Aufstellungsbeschluss zur 1.
Änderung des Regionalplans Ruhr
(RVR) - Festlegungen zum
Ausbau der Windenergie
(12/2024)
1. Entwurf zur Gesamt-
fortschreibung des Regionalen
Raumentwicklungsprogrammes
Vorpommern (RREP VP):
Stellungnahmen eingeholt
Teilfortschreibungsverfahren in
allen Regionen: mindestens schon
bis zu den informellen
Beteiligungsverfahren
Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
Hintergrund III: Partizipationsparadoxon und
Gegenstromprinzip
4
Engagement und Interesse
Konflikt- und Widerstandspotenzial bei der regionalen/ lokalen Umsetzung!
→ Ziel: Faire und partizipative Governance der regionalen Energiewende, aber wie?
Einfluss und Macht
Europäische EE-Politik
Bund: EE-Regulierung/
-Politik (z.B. WindBG)
Landesplanung (z.B.
LLPlG, LEP)
Regionalplanung
Kommunale
Bauleitplanung
"2 %"-Flächenbeitragswerte
"2 %"-Verteilung auf die Regionen
"2 %"-Umsetzung in den Regionalplänen
Ergänzend: wenig Raum für kommunale Steuerung
Beispiel: Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland
Spezielle
Fach-
ressorts,
(Militär
Meteorologie
etc.)
Träger
öffentlicher
Belange
(Umwelt,
Bauordnung,
Naturschutz
etc.)
Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
➢ Planungssystem (Raum- und
Verwaltungsstruktur)
➢ Instrumente der Flächenplanung
für EE
➢ Rechtliche Rahmenbedingungen
und Regulierung der
Flächennutzung
für EE
➢ Installierte EE-Leistung
➢ Noch nicht ausgeschöpfte EE-
Potenziale
➢ Räumliche Lage im
Energiesystem
➢ Anschluss an Strom-
(und Gas-)netze
➢ (Regional auszubauende
EE-Leistung)
➢ Regionale Rollen und Strategien
EE-Potenziale und
sozioökonomische
Rollen
Regulatorische
Rahmen-
bedingungen und
Planungssystem
➢ Geografie
➢ kulturhistorische Raument-
wicklung
➢ raumbezogene Identität
➢ Energiegeschichte
➢ Kunst- und Literatur
➢ Demographie
➢ Wirtschaftsstruktur & -sektoren
➢ Netzwerke und Akteursgruppen
➢ Beteiligungskultur / -erfahrungen
PlanTieFEn: Mehrdimensionaler Ansatz regionaler EE-Planung
5
Regionale
Charakteristika und
Identität
Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
Beispiel Hochschwarzwald: Ausprägung räumlicher Identitäten
Landschaft: bewaldete Berge, offene Weiden und Gemeinden in den Tälern
(ausgeprägte Höhenprofile, Fernsichten)
➢ Natur- und Kulturlandschaft von hoher Bedeutung, vor allem als
Wirtschaftsfaktor (Landwirtschaft und (Landschafts-)Tourismus)
Dorfgemeinschaften und lokale Vereine sehr wichtig → Brauchtum: Fasnet,
Trachten und Heimatvereine
Traditionelle Energieerzeugung: Wasserkraft (Gefälle/ Stausee), Holzindustrie
(Forst und Verarbeitung)
Industrielle Entwicklung: vom bäuerlichen Handwerk & Traditionen (Uhren,
Messer, Glas) zu Hightech-Produktion und Export (Feinmechanik)
Bildreiche Tradition: Landschaftsmalerei, Heimatfilm und -krimis
Eher konservative und zurückhaltende Mentalität
Zusammenfassung: Wechselwirkung von bildreicher Tradition, von
Menschenhand gestalteter Natur und wirtschaftlicher Innovation, mit
ausgeprägter Regionalidentität und Selbstbewusstsein
6
Feldberg,
Lenzkirch,
Schluchsee
Bildquelle: Florian Jesse - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19563246
Quelle: Eigene Abbildung By Photo: Andreas Praefcke - Self-photographed, CC BY 3.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=587809
Von Gottlieb Theodor Hase - Selbstgefertigter Scan eines Fotoabzuges
„Schluchsee 1867“ aus eigenem Bestand, Gemeinfrei,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25778662
Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
Beispiel Hochschwarzwald: Co-Mapping – subjektive und
techno-ökonomische Raumanalyse I
7
Subjektive, emotionale Raumwahrnehmung:
Verbundenheit zwischen Menschen, Orten und Aktivitäten
→Zwischenergebnis: drei primäre Raumtypen
1. Wohlfühlorte (grün): Freizeitgestaltung und Erholung an
Seen, in den Bergen und Wäldern. „Ruhe, Fernsicht und
Genuss“ = regionale Qualitäten, hohe EE-Potenziale →
These: hohes Konfliktpotenzial
2. Alltagsorte
a. Aufenthaltsorte (gelb): Wohnen, Bildung, Beruf,
Nahversorgung (nah an den Gemeinden und dicht
bebauten Tälern), mittlere EE-Potenziale → These:
mittleres Konfliktpotenzial
b. Transiträume (rot): Industrie- und Gewerbeflächen
sowie Einrichtungen der Grundversorgung überwiegend
entlang der Schienenwege (Dreiseenbahn,
Höllentalbahn) und größeren Bundesstraßen, geringe
EE-Potenziale → These: geringeres Konfliktpotenzial
Quelle: Eigene Abbildung
Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
Beispiel Hochschwarzwald: Co-Mapping – subjektive und
techno-ökonomische Raumanalyse II
8
Verschneidung subjektiver Raumwahrnehmung mit
techno-ökonomischen Potenzialen für WEA:
Potenzialflächen | Wind
Quelle: Eigene Abbildung
Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
Anforderungen an Partizipation auf kommunaler Ebene
bezüglich EE-Ausbau in den drei Modellregionen
9
Hochschwarzwald:
• Frühe und transparente
Kommuniktion
• Echte Partizipation (inkl.
Möglichkeiten der
Mitgestaltung)
• Stärkung regionaler
Kooperationen
(Lastenausgleich für alle
betroffenen Kommunen)
• Intergenerationale Gerechtigkeit
Ruhrgebiet:
• Beschleunigung von Planung
und Umsetzung
• Entwicklung positiver
Narrative: Innovation und
Klimaneutralität
• Stärkung regionaler
Kooperationen (insbesondere
zwischen Ballungszentren und
Umland)
➢ Verteilungsgerechtigkeit
• Überarbeitung bestehender
Gesetzgebung (z.B.
hinsichtlich Gestaltung und
Abstandsregelungen)
Vorpommern – Greifswald:
• Möglichkeiten der
finanziellen Teilhabe aller
schaffen
➢ Lokale Mehrwerte mit
Gemeinwohlorientierung
• Transparenz hinsichtlich
des Umgangs öffentlicher
Stellen mit finanziellen
Mehrwerten durch EE
➢ Informationsangebote zu
Best-practice Beispielen
Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
Fazit zur partizipativen Integration sozio-kultureller Aspekte in
Planung
• Vergangene Transformationserfahrungen prägen die Wahrnehmung neuer Vorhaben
➢ Kulturhistorische Erfahrungen mit der regionalen Energieerzeugung/ Industrie sind sehr wichtig
• Regionale Identitäten in ländlichen Räumen beziehen sich oft auf landschaftliche Merkmale und
deren wirtschaftliche Inwertsetzung (besonders: Tourismus und Landwirtschaft) und prägen die
Bedürfnisse der Zusammenarbeit
➢ Vertrauen und Prozessgestaltung über bestehende Netzwerke
• Frühe Kommunikation und Partizipation ist regional gewünscht (Engagement und Interesse
Einzelner (change agents) stärker integrieren)
• Regionale angepasste Partizipationsformate anbieten:
➢ Je nach regionaler Identität, sind andere Formate erforderlich
➢ Transparenz, Nutzen- und Belastungsgerechtigkeit diskutieren sowie Interessensverhandlung ermöglichen
➢ Interregionaler Austausch zu Leuchtturm-/Pilotprojekten & Best-Practice-Beispiele anbieten
➢ Subjektive Dimensionen der Raumwahrnehmung stärker in Planungspraxis diskutieren
10
Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
11
Dr. Melanie Mbah
Forschungskoordinatorin transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung
Öko-Institut, Freiburg
Tel.: +49 761-45295-237
E-Mail: m.mbah@oeko.de
Ryan Kelly
Researcher
Öko-Institut, Freiburg
Tel.: +49 761-45295-224
E-Mail: r.kelly@oeko.de
Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
FKZ: 03EI5238A, 03EI5238B, 03EI5238C
Weitere Informationen unter www.plantiefen.de

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Energiewende regional passend gestalten – drei Modellregionen im Vergleich

  • 1. Energiewende regional passend gestalten – drei Modellregionen im Vergleich (Planwende durch die Transdisziplinäre Integration regionaler und soziokultureller Faktoren in die Planung von Energiewende- Maßnahmen vor Ort – PlanTieFEn) Melanie Mbah, Ryan Kelly, Sarah Friese, Susanne Krieger, Ingo Uhlig Berliner Energietage 07.05.2025, Online (Saale) Quelle: KI-generiertes Bild mit Midjourney am 11.03.2025
  • 2. Hintergrund I: Das Projekt PlanTieFEn Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025 2 Ziel: Über räumliche Identitäten und kulturhistorische Aspekte sowie auf der Basis technoökonomischer Potenziale und Regularien regional angepasste Ansätze der Planung und Partizipation beim Ausbau erneuerbarer Energien zu entwickeln Transdisziplinäres Forschungsdesign Drei Modellregionen in Deutschland mit kleineren Einheiten für die Analyse und Kooperation mit Praxisakteuren in sog. Fokusregionen Methoden (Ausschnitt): ● Desk Research und Literature Review, ● Governance-Analyse (regionale Planungsinstrumente, Regulierung), ● Mediendiskursanalyse, ● technoökonomische, GIS-gestützte Potenzialanalysen (für Wind und PV), ● Interviews (ca. 12 pro Region) und Workshopreihe mit Praxisakteuren in den Regionen
  • 3. Hintergrund II: Planungsdruck für den EE-Ausbau (Wind) Aktuell: müssen je nach (Flächen-)Bundesland bis spätestens Ende 2032 zwischen 1,8 bis 2,2 % der Landes- und Regionalflächen als Windenergiegebiete ausgewiesen werden (vgl. § 3 WindBG) ➢ Flächendruck auf kommunaler Ebene und potenzielle Konfliktträchtigkeit von EE-Vorhaben erhöhen sich (vgl. Kelly/Mbah 2024; Hogan et al. 2022) 3 Modellregionen: Flächenziele und Zeitpunkte Modellregion Oberrhein Modellregion Ruhrgebiet Modellregion Vorpommern Referenzregion Bayern Regionaler Flächenbeitrag für Windenergie 1,8 % (+ ca. 0,2 % für FF-PV) 0,46 % 1,4 % / 2,1 % 1,1 % / 1,8 % Zeitpunkte 30.09.2025 (KlimaG BW, LPlG BW) (besonders ambitioniert) 31.12.2025 (LEP NRW) (ambitioniert) 31.12.2027 / 31.12.2032 (wenig ambitioniert) 31.12.2027 / 31.12.2032 (wenig ambitioniert) Landesbeitrag nach WindBG 1,1 % (2027) / 1,8 % (2032) / 35.747,82 (km²) 1,1 % (2027) / 1,8 % (2032) / 34.112,44 (km²) 1,4 % (2027) / 2,1 % (2032) / 23.295,45 (km²) 1,1 % (2027) / 1,8 % (2032) / 70. 541,57 (km²) Regionale Verteilung gleichmäßig potenzialabhängig gleichmäßig gleichmäßig Aktueller Stand in Fokusregion Regionalplan (RVSO) Teilfortschreibungen „Windenergie“ und „Solarenergie“: Beteiligung abgeschlossen Aufstellungsbeschluss zur 1. Änderung des Regionalplans Ruhr (RVR) - Festlegungen zum Ausbau der Windenergie (12/2024) 1. Entwurf zur Gesamt- fortschreibung des Regionalen Raumentwicklungsprogrammes Vorpommern (RREP VP): Stellungnahmen eingeholt Teilfortschreibungsverfahren in allen Regionen: mindestens schon bis zu den informellen Beteiligungsverfahren Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
  • 4. Hintergrund III: Partizipationsparadoxon und Gegenstromprinzip 4 Engagement und Interesse Konflikt- und Widerstandspotenzial bei der regionalen/ lokalen Umsetzung! → Ziel: Faire und partizipative Governance der regionalen Energiewende, aber wie? Einfluss und Macht Europäische EE-Politik Bund: EE-Regulierung/ -Politik (z.B. WindBG) Landesplanung (z.B. LLPlG, LEP) Regionalplanung Kommunale Bauleitplanung "2 %"-Flächenbeitragswerte "2 %"-Verteilung auf die Regionen "2 %"-Umsetzung in den Regionalplänen Ergänzend: wenig Raum für kommunale Steuerung Beispiel: Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland Spezielle Fach- ressorts, (Militär Meteorologie etc.) Träger öffentlicher Belange (Umwelt, Bauordnung, Naturschutz etc.) Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
  • 5. ➢ Planungssystem (Raum- und Verwaltungsstruktur) ➢ Instrumente der Flächenplanung für EE ➢ Rechtliche Rahmenbedingungen und Regulierung der Flächennutzung für EE ➢ Installierte EE-Leistung ➢ Noch nicht ausgeschöpfte EE- Potenziale ➢ Räumliche Lage im Energiesystem ➢ Anschluss an Strom- (und Gas-)netze ➢ (Regional auszubauende EE-Leistung) ➢ Regionale Rollen und Strategien EE-Potenziale und sozioökonomische Rollen Regulatorische Rahmen- bedingungen und Planungssystem ➢ Geografie ➢ kulturhistorische Raument- wicklung ➢ raumbezogene Identität ➢ Energiegeschichte ➢ Kunst- und Literatur ➢ Demographie ➢ Wirtschaftsstruktur & -sektoren ➢ Netzwerke und Akteursgruppen ➢ Beteiligungskultur / -erfahrungen PlanTieFEn: Mehrdimensionaler Ansatz regionaler EE-Planung 5 Regionale Charakteristika und Identität Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
  • 6. Beispiel Hochschwarzwald: Ausprägung räumlicher Identitäten Landschaft: bewaldete Berge, offene Weiden und Gemeinden in den Tälern (ausgeprägte Höhenprofile, Fernsichten) ➢ Natur- und Kulturlandschaft von hoher Bedeutung, vor allem als Wirtschaftsfaktor (Landwirtschaft und (Landschafts-)Tourismus) Dorfgemeinschaften und lokale Vereine sehr wichtig → Brauchtum: Fasnet, Trachten und Heimatvereine Traditionelle Energieerzeugung: Wasserkraft (Gefälle/ Stausee), Holzindustrie (Forst und Verarbeitung) Industrielle Entwicklung: vom bäuerlichen Handwerk & Traditionen (Uhren, Messer, Glas) zu Hightech-Produktion und Export (Feinmechanik) Bildreiche Tradition: Landschaftsmalerei, Heimatfilm und -krimis Eher konservative und zurückhaltende Mentalität Zusammenfassung: Wechselwirkung von bildreicher Tradition, von Menschenhand gestalteter Natur und wirtschaftlicher Innovation, mit ausgeprägter Regionalidentität und Selbstbewusstsein 6 Feldberg, Lenzkirch, Schluchsee Bildquelle: Florian Jesse - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19563246 Quelle: Eigene Abbildung By Photo: Andreas Praefcke - Self-photographed, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=587809 Von Gottlieb Theodor Hase - Selbstgefertigter Scan eines Fotoabzuges „Schluchsee 1867“ aus eigenem Bestand, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25778662 Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
  • 7. Beispiel Hochschwarzwald: Co-Mapping – subjektive und techno-ökonomische Raumanalyse I 7 Subjektive, emotionale Raumwahrnehmung: Verbundenheit zwischen Menschen, Orten und Aktivitäten →Zwischenergebnis: drei primäre Raumtypen 1. Wohlfühlorte (grün): Freizeitgestaltung und Erholung an Seen, in den Bergen und Wäldern. „Ruhe, Fernsicht und Genuss“ = regionale Qualitäten, hohe EE-Potenziale → These: hohes Konfliktpotenzial 2. Alltagsorte a. Aufenthaltsorte (gelb): Wohnen, Bildung, Beruf, Nahversorgung (nah an den Gemeinden und dicht bebauten Tälern), mittlere EE-Potenziale → These: mittleres Konfliktpotenzial b. Transiträume (rot): Industrie- und Gewerbeflächen sowie Einrichtungen der Grundversorgung überwiegend entlang der Schienenwege (Dreiseenbahn, Höllentalbahn) und größeren Bundesstraßen, geringe EE-Potenziale → These: geringeres Konfliktpotenzial Quelle: Eigene Abbildung Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
  • 8. Beispiel Hochschwarzwald: Co-Mapping – subjektive und techno-ökonomische Raumanalyse II 8 Verschneidung subjektiver Raumwahrnehmung mit techno-ökonomischen Potenzialen für WEA: Potenzialflächen | Wind Quelle: Eigene Abbildung Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
  • 9. Anforderungen an Partizipation auf kommunaler Ebene bezüglich EE-Ausbau in den drei Modellregionen 9 Hochschwarzwald: • Frühe und transparente Kommuniktion • Echte Partizipation (inkl. Möglichkeiten der Mitgestaltung) • Stärkung regionaler Kooperationen (Lastenausgleich für alle betroffenen Kommunen) • Intergenerationale Gerechtigkeit Ruhrgebiet: • Beschleunigung von Planung und Umsetzung • Entwicklung positiver Narrative: Innovation und Klimaneutralität • Stärkung regionaler Kooperationen (insbesondere zwischen Ballungszentren und Umland) ➢ Verteilungsgerechtigkeit • Überarbeitung bestehender Gesetzgebung (z.B. hinsichtlich Gestaltung und Abstandsregelungen) Vorpommern – Greifswald: • Möglichkeiten der finanziellen Teilhabe aller schaffen ➢ Lokale Mehrwerte mit Gemeinwohlorientierung • Transparenz hinsichtlich des Umgangs öffentlicher Stellen mit finanziellen Mehrwerten durch EE ➢ Informationsangebote zu Best-practice Beispielen Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
  • 10. Fazit zur partizipativen Integration sozio-kultureller Aspekte in Planung • Vergangene Transformationserfahrungen prägen die Wahrnehmung neuer Vorhaben ➢ Kulturhistorische Erfahrungen mit der regionalen Energieerzeugung/ Industrie sind sehr wichtig • Regionale Identitäten in ländlichen Räumen beziehen sich oft auf landschaftliche Merkmale und deren wirtschaftliche Inwertsetzung (besonders: Tourismus und Landwirtschaft) und prägen die Bedürfnisse der Zusammenarbeit ➢ Vertrauen und Prozessgestaltung über bestehende Netzwerke • Frühe Kommunikation und Partizipation ist regional gewünscht (Engagement und Interesse Einzelner (change agents) stärker integrieren) • Regionale angepasste Partizipationsformate anbieten: ➢ Je nach regionaler Identität, sind andere Formate erforderlich ➢ Transparenz, Nutzen- und Belastungsgerechtigkeit diskutieren sowie Interessensverhandlung ermöglichen ➢ Interregionaler Austausch zu Leuchtturm-/Pilotprojekten & Best-Practice-Beispiele anbieten ➢ Subjektive Dimensionen der Raumwahrnehmung stärker in Planungspraxis diskutieren 10 Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025
  • 11. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 11 Dr. Melanie Mbah Forschungskoordinatorin transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung Öko-Institut, Freiburg Tel.: +49 761-45295-237 E-Mail: [email protected] Ryan Kelly Researcher Öko-Institut, Freiburg Tel.: +49 761-45295-224 E-Mail: [email protected] Berliner Energietage | Mbah et al. | 07.05.2025 FKZ: 03EI5238A, 03EI5238B, 03EI5238C Weitere Informationen unter www.plantiefen.de