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Denkens selber drin steht, vermag wohl sein Wesen, nicht aber seine
Erscheinung zu erfassen. Die Beurteilung nach der blossen
Erscheinung kann dem Wesen nicht gerecht werden, daher sie meist
entwertend ausfällt. Dem Wesen nach aber ist dieses Denken nicht
minder fruchtbar und schöpferisch als das introvertierte Denken, nur
dient sein Können andern Zielen als dieses. Dieser Unterschied wird
dann besonders fühlbar, wenn das extravertierte Denken sich eines
Stoffes, der ein spezifischer Gegenstand des subjektiv orientierten
Denkens ist, bemächtigt. Dieser Fall tritt ein, wenn z. B. eine
subjektive Überzeugung analytisch aus objektiven Tatsachen oder als
Folge und Ableitung aus objektiven Ideen erklärt wird. Noch
offenkundiger für unser naturwissenschaftlich orientiertes
Bewusstsein aber wird der Unterschied der beiden Denkarten, wenn
das subjektiv orientierte Denken den Versuch macht, objektiv
Gegebenes in objektiv nicht gegebene Zusammenhänge zu bringen,
d. h. einer subjektiven Idee zu unterstellen. Beides wird als Übergriff
empfunden und dabei tritt dann jene Schattenwirkung hervor,
welche die beiden Denkarten aufeinander haben. Das subjektiv
orientierte Denken erscheint dann als reine Willkür, das
extravertierte Denken dagegen als platte und banale
Incommensurabilität. Deshalb befehden sich die beiden Standpunkte
unaufhörlich. Man könnte meinen, dieser Streit wäre dadurch leicht
zu beendigen, dass man die Gegenstände subjektiver von
denjenigen objektiver Natur reinlich schiede. Diese Scheidung ist
leider ein Ding der Unmöglichkeit, obschon nicht wenige sie
durchzuführen versucht haben. Und wenn diese Scheidung auch
möglich wäre, so wäre sie ein grosses Unheil, indem beide
Orientierungen an sich einseitig und nur von beschränkter Gültigkeit
sind, und darum eben ihrer gegenseitigen Beeinflussung bedürfen.
Wenn das objektiv Gegebene das Denken in irgendwie höherm
Masse unter seinen Einfluss bringt, so sterilisiert es das Denken,
indem letzteres zu einem blossen Anhängsel des objektiv Gegebenen
erniedrigt wird, sodass es in keinerlei Hinsicht mehr imstande ist,
sich vom objektiv Gegebenen bis zur Herstellung eines abgezogenen
Begriffes zu befreien. Der Prozess des Denkens beschränkt sich dann
auf ein blosses „Nachdenken“, nicht etwa im Sinne von
„Überlegung“, sondern im Sinne von blosser Imitation, die im
wesentlichen durchaus nichts anderes besagt, als was im objektiv
Gegebenen allbereits ersichtlich und unmittelbar vorlag. Ein solcher
Denkprozess führt natürlich zum objektiv Gegebenen unmittelbar
zurück, aber niemals darüber hinaus, also nicht einmal zum
Anschluss der Erfahrung an eine objektive Idee; und umgekehrt,
wenn dieses Denken eine objektive Idee zum Gegenstand hat, so
wird es nicht imstande sein, die praktische Einzelerfahrung zu
erreichen, sondern es wird in einem mehr oder weniger
tautologischen Zustand verharren. Hiefür liefert die materialistische
Mentalität einleuchtende Beispiele.
Wenn das extravertierte Denken infolge einer verstärkten
Determination durch das Objekt dem objektiv Gegebenen unterliegt,
so verliert es sich einerseits gänzlich in der Einzelerfahrung und
erzeugt eine Anhäufung unverdauter empirischer Materialien. Die
bedrückende Masse mehr oder weniger zusammenhangsloser
Einzelerfahrungen schafft einen Zustand gedanklicher Dissociation,
der in der Regel auf der andern Seite eine psychologische
Compensation erfordert. Diese besteht in einer ebenso einfachen wie
allgemeinen Idee, welche dem aufgehäuften, aber innerlich
unverbundenen Ganzen einen Zusammenhang geben, oder
wenigstens die Ahnung eines solchen vermitteln soll. Passende Ideen
zu diesem Zweck sind etwa „Materie“ oder „Energie“. Hängt aber das
Denken nicht in erster Linie zu viel an äussern Tatsachen, sondern
an einer überkommenen Idee, so entsteht aus Compensation der
Armut dieses Gedankens eine umso eindrucksvollere Anhäufung von
Tatsachen, die eben einseitig nach einem relativ beschränkten und
sterilen Gesichtspunkt gruppiert sind, wobei regelmässig viel
wertvollere und sinnreichere Aspekte der Dinge gänzlich verloren
gehen. Die schwindelerregende Fülle der sogenannten
wissenschaftlichen Literatur unserer Tage verdankt, zu einem leider
hohen Prozentsatz, ihre Existenz dieser Misorientierung.
2. Der extravertierte Denktypus.
Wie die Erfahrung zeigt, haben die psychologischen
Grundfunktionen in einem und demselben Individuum selten oder so
gut wie nie alle dieselbe Stärke oder denselben Entwicklungsgrad. In
der Regel überwiegt die eine oder andere Funktion sowohl an Stärke
wie an Entwicklung. Wenn nun dem Denken das Primat unter den
psychologischen Funktionen zufällt, d. h. wenn das Individuum seine
Lebensleistung hauptsächlich unter der Führung denkender
Überlegung vollbringt, sodass alle irgendwie wichtigen Handlungen
aus intellektuell gedachten Motiven hervorgehen oder doch
wenigstens der Tendenz gemäss hervorgehen sollten, so handelt es
sich um einen Denktypus. Ein solcher Typus kann introvertiert oder
extravertiert sein: Wir beschäftigen uns hier zunächst mit dem
extravertierten Denktypus. Dieser wird also, der Definition gemäss,
ein Mensch sein, der das Bestreben hat — natürlich nur, insofern er
ein reiner Typus ist — seine gesammte Lebensäusserung in die
Abhängigkeit von intellektuellen Schlüssen zu bringen, die sich in
letzter Linie stets am objektiv Gegebenen, entweder an objektiven
Tatsachen oder allgemein gültigen Ideen orientieren. Dieser Typus
Mensch verleiht nicht nur sich selber, sondern auch seiner
Umgebung gegenüber der objektiven Tatsächlichkeit, resp. ihrer
objektiv orientierten intellektuellen Formel die ausschlaggebende
Macht. An dieser Formel wird Gut und Böse gemessen, wird schön
und hässlich bestimmt. Richtig ist alles, was dieser Formel
entspricht, unrichtig, was ihr widerspricht, und zufällig, was
indifferent neben ihr herläuft. Weil diese Formel dem Weltsinn
entsprechend erscheint, so wird sie auch zum Weltgesetz, das immer
und überall zur Verwirklichung gelangen muss im einzelnen sowohl
wie im allgemeinen. Wie der extravertierte Denktypus sich seiner
Formel unterordnet, so muss es auch seine Umgebung tun zu ihrem
eigenen Heile, denn wer es nicht tut, ist unrichtig, er widerstrebt
dem Weltgesetz, ist daher unvernünftig, unmoralisch und
gewissenlos. Seine Moral verbietet dem extravertierten Denktypus
Ausnahmen zu dulden, denn sein Ideal muss unter allen Umständen
Wirklichkeit werden, denn es ist, wie es ihm erscheint, reinste
Formulierung objektiver Tatsächlichkeit und muss daher auch
allgemein gültige Wahrheit sein, unerlässlich zum Heile der
Menschheit. Dies nicht etwa aus Nächstenliebe, sondern vom höhern
Gesichtspunkt der Gerechtigkeit und Wahrheit aus. Alles, was in
seiner eigenen Natur dieser Formel als widersprechend empfunden
wird, ist bloss Unvollkommenheit, ein zufälliges Versagen, das bei
nächster Gelegenheit ausgemerzt sein wird, oder wenn dies nicht
gelingt, so ist es krankhaft. Wenn die Toleranz mit dem Kranken,
Leidenden und Abnormen einen Bestandteil der Formel bilden sollte,
so wird dafür eine spezielle Einrichtung getroffen, z. B.
Rettungsanstalten, Spitäler, Gefängnisse, Kolonien etc. resp. Pläne
und Entwürfe dazu. Zur wirklichen Ausführung reicht das Motiv der
Gerechtigkeit und Wahrheit in der Regel nicht aus, es bedarf dazu
noch der wirklichen Nächstenliebe, die mehr mit dem Gefühl zu tun
hat, als mit einer intellektuellen Formel. Das „man sollte eigentlich“
oder „man müsste“ spielt eine grosse Rolle. Ist die Formel aber weit
genug, so kann dieser Typus als Reformator, als öffentlicher Ankläger
und Gewissensreiniger oder als Propagator wichtiger Neuerungen
eine dem sozialen Leben äusserst nützliche Rolle spielen. Je enger
aber die Formel ist, desto mehr wird dieser Typus zum Nörgler,
Vernünftler und selbstgerechten Kritiker, der sich und andere in ein
Schema pressen möchte. Damit sind zwei Endpunkte angegeben,
zwischen denen sich die Mehrzahl dieser Typen bewegt.
Entsprechend dem Wesen der extravertierten Einstellung sind die
Wirkungen und Äusserungen dieser Persönlichkeiten umso günstiger
oder besser, je weiter aussen sie liegen. Ihr bester Aspekt findet sich
an der Peripherie ihrer Wirkungssphäre. Je tiefer man in ihren
Machtbereich eindringt, desto mehr machen sich ungünstige Folgen
ihrer Tyrannei bemerkbar. An der Peripherie pulsiert noch anderes
Leben, das die Wahrheit der Formel als schätzenswerte Zugabe zum
übrigen empfindet. Je tiefer man aber in den Machtbereich der
Formel eintritt, desto mehr stirbt alles Leben ab, das der Formel
nicht entspricht. Am meisten bekommen die eigenen Angehörigen
die übeln Folgen einer extravertierten Formel zu kosten, denn sie
sind die ersten, die unerbittlich damit beglückt werden. Am
allermeisten aber leidet darunter das Subjekt selber, und damit
kommen wir nun zur andern Seite der Psychologie dieses Typus.
Der Umstand, dass es keine intellektuelle Formel je gegeben hat,
noch je geben wird, welche die Fülle des Lebens und seiner
Möglichkeiten in sich fassen und passend ausdrücken könnte,
bewirkt eine Hemmung, resp. Ausschliessung anderer wichtiger
Lebensformen und Lebensbetätigungen. In erster Linie werden es
bei diesem Typus Mensch alle vom Gefühl abhängigen Lebensformen
sein, welche der Unterdrückung verfallen, also z. B. ästhetische
Betätigungen, der Geschmack, der Kunstsinn, die Pflege der
Freundschaft usw. Irrationale Formen, wie religiöse Erfahrungen,
Leidenschaften und dergleichen sind oft bis zur völligen
Unbewusstheit ausgetilgt. Diese unter Umständen ausserordentlich
wichtigen Lebensformen fristen ein zum grössten Teil unbewusstes
Dasein. Obschon es Ausnahmemenschen gibt, die ihr ganzes Leben
einer bestimmten Formel zum Opfer bringen können, so sind doch
die meisten nicht imstande, eine solche Ausschliesslichkeit auf die
Dauer zu leben. Früher oder später — je nach äussern Umständen
und innerer Veranlagung — werden sich die durch die intellektuelle
Einstellung verdrängten Lebensformen indirekt bemerkbar machen,
indem sie die bewusste Lebensführung stören. Erreicht diese
Störung einen erheblichen Grad, so spricht man von einer Neurose.
In den meisten Fällen kommt es allerdings nicht so weit, indem das
Individuum instinktiv einige präventive Milderungen der Formel sich
gestattet, allerdings mittels einer passenden vernünftigen
Einkleidung. Damit ist ein Sicherheitsventil geschaffen.
Infolge der relativen oder gänzlichen Unbewusstheit der von der
bewussten Einstellung ausgeschlossenen Tendenzen und Funktionen
bleiben diese in einem relativ unentwickelten Zustand stecken. Sie
sind gegenüber der bewussten Funktion minderwertig. Insoweit sie
unbewusst sind, sind sie mit den übrigen Inhalten des Unbewussten
verschmolzen, wodurch sie einen bizarren Charakter annehmen.
Insoweit sie bewusst sind, spielen sie eine sekundäre Rolle, wenn
schon sie für das psychologische Gesamtbild von beträchtlicher
Bedeutung sind. Von der vom Bewusstsein ausgehenden Hemmung
sind in erster Linie die Gefühle betroffen, denn sie widersprechen am
ehesten einer starren intellektuellen Formel, daher sie auch am
intensivsten verdrängt werden. Ganz ausgeschaltet kann keine
Funktion werden, sondern bloss erheblich entstellt. Soweit sich die
Gefühle willkürlich formen und unterordnen lassen, müssen sie die
intellektuelle Bewusstseinseinstellung unterstützen und ihren
Absichten sich anpassen. Dies ist aber nur bis zu einem gewissen
Grade möglich; ein Teil des Gefühles bleibt unbotmässig und muss
deshalb verdrängt werden. Gelingt die Verdrängung, so
entschwindet es dem Bewusstsein und entfaltet dann unter der
Schwelle des Bewusstseins eine den bewussten Absichten
zuwiderlaufende Tätigkeit, welche unter Umständen Effekte erzielt,
deren Zustandekommen dem Individuum ein völliges Rätsel ist. So
wird z. B. der bewusste oft außerordentliche Altruismus durchkreuzt
von einer heimlichen, dem Individuum selber verborgenen
Selbstsucht, welche im Grunde genommen uneigennützigen
Handlungen den Stempel der Eigennützigkeit aufdrückt. Reine
ethische Absichten können das Individuum in kritische Situationen
führen, wo es bisweilen mehr als bloss den Anschein hat, als ob
ganz andere als ethische Motive ausschlaggebend wären. Es sind
freiwillige Retter oder Sittenwächter, welche plötzlich selber als
rettungsbedürftig oder als compromittiert erscheinen. Ihre
Rettungsabsicht führt sie gerne zum Gebrauche von Mitteln, die
geeignet sind, eben das herbeizuführen, was man vermeiden wollte.
Es gibt extravertierte Idealisten, welche ihrem Ideal dermassen zur
Verwirklichung zum Heile der Menschen verhelfen wollen, dass sie
selbst vor Lügen und sonstigen unredlichen Mitteln nicht
zurückschrecken. Es gibt in der Wissenschaft mehrere peinliche
Beispiele, wo hochverdiente Forscher aus tiefster Überzeugung von
der Wahrheit und Allgemeingültigkeit ihrer Formel Fälschungen von
Belegen zu Gunsten ihres Ideales begangen haben. Dies nach der
Formel: Der Zweck heiligt die Mittel. Nur eine minderwertige
Gefühlsfunktion, die unbewusst verführend am Werke ist, kann
solche Verirrungen bei sonst hochstehenden Menschen bewirken.
Die Minderwertigkeit des Gefühls bei diesem Typus äussert sich
auch noch in anderer Weise. Die bewusste Einstellung ist, wie es der
vorherrschenden sachlichen Formel entspricht, mehr oder weniger
unpersönlich, oft in dem Masse, dass die persönlichen Interessen
erheblich darunter leiden. Ist die bewusste Einstellung extrem, so
fallen alle persönlichen Rücksichten fort, auch solche gegen die
eigene Person. Die eigene Gesundheit wird vernachlässigt, die
soziale Position gerät in Verfall, die eigene Familie wird oft in ihren
vitalsten Interessen vergewaltigt, gesundheitlich, finanziell und
moralisch geschädigt, alles im Dienste des Ideals. Auf alle Fälle
leidet die persönliche Anteilnahme am andern, insofern dieser nicht
zufällig ein Förderer derselben Formel ist. Es kommt daher nicht
selten vor, dass die engere Familie, z. B. gerade die eigenen Kinder
einen solchen Vater nur als grausamen Tyrannen kennen, während
die weitere Umgebung vom Ruhme seiner Menschlichkeit widerhallt.
Nicht etwa trotz, sondern gerade wegen der hohen Unpersönlichkeit
der bewussten Einstellung sind die Gefühle unbewusst
ausserordentlich persönlich empfindlich und verursachen gewisse
heimliche Vorurteile, namentlich eine gewisse Bereitschaft, z. B. eine
objektive Opposition gegen die Formel als ein persönliches
Übelwollen zu missverstehen, oder stets eine negative
Voraussetzung von den Qualitäten anderer zu machen, um deren
Argumente im voraus zu entkräften, natürlich zum Schutz der
eigenen Empfindlichkeit. Durch die unbewusste Empfindlichkeit wird
sehr oft der Ton der Sprache verschärft, zugespitzt, aggressiv.
Insinuationen kommen häufig vor. Die Gefühle haben den Charakter
des Nachträglichen und Nachhinkenden, wie es einer
minderwertigen Funktion entspricht. Daher besteht eine
ausgesprochene Anlage zum Ressentiment. So grosszügig die
individuelle Aufopferung für das intellektuelle Ziel auch sein mag, so
kleinlich misstrauisch, launisch und konservativ sind die Gefühle.
Alles Neue, das nicht in der Formel schon enthalten ist, wird durch
einen Schleier von unbewusstem Hass angesehen und
dementsprechend beurteilt. Es ist um die Mitte des vorigen
Jahrhunderts vorgekommen, dass ein wegen seiner
Menschenfreundlichkeit berühmter Mediziner einen Assistenten
fortzuschicken drohte, weil dieser ein Thermometer gebrauchte;
denn die Formel lautet: das Fieber erkennt man am Pulse. Ähnliche
Fälle gibt es bekanntlich eine Menge. Je stärker die Gefühle
verdrängt sind, desto schlimmer und heimlicher beeinflussen sie das
Denken, das sonst in tadelloser Verfassung sein kann. Der
intellektuelle Standpunkt, der vielleicht um seines ihm tatsächlich
zukommenden Wertes willen auf eine allgemeine Anerkennung
Anspruch erheben dürfte, erfährt durch den Einfluss der
unbewussten persönlichen Empfindlichkeit eine charakteristische
Veränderung: er wird dogmatisch-starr. Die Selbstbehauptung der
Persönlichkeit wird auf ihn übertragen. Die Wahrheit wird ihrer
natürlichen Wirkung nicht mehr überlassen, sondern durch die
Identifikation des Subjektes mit ihr wird sie behandelt wie ein
empfindsames Püppchen, dem ein böser Kritiker ein Leid angetan
hat. Der Kritiker wird heruntergerissen, womöglich noch mit
persönlichen Invektiven, und kein Argument ist unter Umständen
schlecht genug, um nicht verwendet zu werden. Die Wahrheit muss
vorgeführt werden, bis es dem Publikum anfängt klar zu werden,
dass es sich offenbar weniger um die Wahrheit, als um ihren
persönlichen Erzeuger handelt.
Der Dogmatismus des intellektuellen Standpunktes erfährt aber
bisweilen durch die unbewusste Einmischung der unbewussten
persönlichen Gefühle noch weitere eigentümliche Veränderungen,
welche weniger auf dem Gefühl sensu strictiori beruhen, als vielmehr
auf der Beimischung von andern unbewussten Faktoren, die mit dem
verdrängten Gefühl im Unbewussten verschmolzen sind. Trotzdem
die Vernunft selber beweist, dass jede intellektuelle Formel nur eine
beschränkt gültige Wahrheit sein und deshalb niemals einen
Anspruch auf Alleinherrschaft erheben kann, so nimmt die Formel
praktisch doch ein solches Übergewicht an, dass alle andern
Standpunkte und Möglichkeiten neben ihr in den Hintergrund treten.
Sie ersetzt jede allgemeinere, unbestimmtere und daher
bescheidenere und wahrere Weltanschauung. Sie tritt daher auch an
die Stelle jener allgemeinen Anschauung, die man als Religion
bezeichnet. Dadurch wird die Formel zur Religion, auch wenn sie es
dem Wesen nach nicht im Geringsten mit etwas Religiösem zu tun
hat. Damit gewinnt sie auch den der Religion wesentlichen Charakter
der Unbedingtheit. Sie wird sozusagen zum intellektuellen
Aberglauben. Alle jene psychologischen Tendenzen jedoch, die durch
sie verdrängt werden, sammeln sich als Gegenposition im
Unbewussten an und bewirken Anwandlungen von Zweifel. Zur
Abwehr der Zweifel wird die bewusste Einstellung fanatisch, denn
Fanatismus ist nichts anderes als übercompensierter Zweifel. Diese
Entwicklung führt schliesslich zu einer übertrieben verteidigten
bewussten Position und zur Ausbildung einer absolut
gegensätzlichen unbewussten Position, welche z. B. im Gegensatz
zum bewussten Rationalismus äusserst irrational, im Gegensatz zur
modernen Wissenschaftlichkeit des bewussten Standpunktes
äusserst archaïsch und abergläubisch ist. Infolgedessen passieren
dann jene aus der Geschichte der Wissenschaften bekannten
bornierten und lächerlichen Ansichten, über die viele hochverdiente
Forscher schliesslich gestolpert sind. Manchmal verkörpert sich die
unbewusste Seite bei einem solchen Mann in einer Frau.
Dieser dem Leser gewiss wohlbekannte Typus findet sich nach
meiner Erfahrung hauptsächlich bei Männern, wie überhaupt das
Denken eine Funktion ist, die beim Manne weit eher zur
Vorherrschaft geeignet ist, als bei der Frau. Wenn bei Frauen das
Denken zur Herrschaft gelangt, so handelt es sich, soweit ich sehen
kann, wohl meistens um ein Denken, das im Gefolge einer
überwiegend intuitiven Geistestätigkeit steht.
Das Denken des extravertierten Denktypus ist positiv, d. h. es
erschafft. Es führt entweder zu neuen Tatsachen oder zu
allgemeinen Auffassungen disparater Erfahrungsmaterialien. Sein
Urteil ist im allgemeinen synthetisch. Auch wenn es zerlegt, so baut
es auf, indem es immer über die Auflösung hinausgeht zu einer
neuen Zusammensetzung, zu einer andern Auffassung, die das
Zerlegte in anderer Weise wieder vereinigt, oder indem es dem
gegebenen Stoff etwas weiteres hinzufügt. Man könnte diese Art des
Urteils daher auch im allgemeinen als prädikativ bezeichnen.
Jedenfalls ist es charakteristisch, dass es niemals absolut entwertend
oder destruktiv ist, sondern immer einen zerstörten Wert durch
einen andern ersetzt. Diese Eigenschaft kommt daher, dass das
Denken eines Denktypus sozusagen der Kanal ist, in dem seine
Lebensenergie hauptsächlich fliesst. Das stetig fortschreitende Leben
manifestiert sich in seinem Denken, wodurch sein Gedanke
progressiven, zeugenden Charakter erhält. Sein Denken ist nicht
stagnierend oder gar regressiv. Diese letztern Eigenschaften nimmt
aber das Denken an, wenn ihm das Primat im Bewusstsein nicht
zukommt. Da es in diesem Fall relativ bedeutungslos ist, so mangelt
ihm auch der Charakter einer positiven Lebenstätigkeit. Es folgt
andern Funktionen nach; es wird epimetheisch, indem es quasi zum
Treppenwitz wird, der sich stets damit begnügt, das
Vorangegangene und bereits Geschehene ruminierend
nachzudenken, es zu zergliedern und zu verdauen. Da in diesem Fall
das Schöpferische in einer andern Funktion liegt, so ist das Denken
nicht mehr progressiv, sondern stagnierend. Sein Urteil nimmt einen
ausgesprochenen Inhärenzcharakter an, d. h. es beschränkt sich
ganz auf den Umfang seines vorliegenden Stoffes, ihn nirgends
überschreitend. Es genügt sich mit mehr oder weniger abstrakter
Konstatierung, ohne dem Erfahrungsstoffe einen Wert zu erteilen,
der nicht bereits von vornherein in ihm läge. Das Inhärenzurteil des
extravertierten Denkens ist am Objekte orientiert, d. h. seine
Konstatierung erfolgt immer im Sinne einer objektiven Bedeutung
der Erfahrung. Es bleibt daher nicht nur unter dem orientierenden
Einfluss des objektiv Gegebenen, sondern es bleibt sogar im Banne
der einzelnen Erfahrung und sagt über diese nichts aus, was nicht
schon bereits durch sie gegeben ist. Man kann dieses Denken leicht
beobachten bei Leuten, die es nicht unterlassen können, hinter
einen Eindruck oder eine Erfahrung eine vernünftige und zweifellos
sehr gültige Bemerkung zu setzen, die aber in nichts über den
gegebenen Umfang der Erfahrung hinausgeht. Eine solche
Bemerkung besagt im Grunde nur: „Ich habe es verstanden, ich
kann es nachdenken.“ Aber dabei hat es auch sein Bewenden. Ein
solches Urteil bedeutet höchstens die Einreihung einer Erfahrung in
einen objektiven Zusammenhang, wobei aber die Erfahrung schon
ohne weiteres, als in diesen Rahmen gehörig, ersichtlich ist.
Besitzt aber eine andere Funktion als das Denken das
Bewusstseinsprimat in einem irgendwie höhern Grade, so nimmt das
Denken, soweit es dann überhaupt bewusst ist, und soweit es sich
nicht in direkter Abhängigkeit von der vorherrschenden Funktion
befindet, negativen Charakter an. So weit das Denken der
vorherrschenden Funktion untergeordnet ist, kann es allerdings als
positiv erscheinen, aber eine nähere Untersuchung kann unschwer
nachweisen, dass es einfach die vorherrschende Funktion
nachspricht, sie mit Argumenten stützt, oft in unverkennbarem
Widerspruch mit den dem Denken eigenen Gesetzen der Logik.
Dieses Denken fällt also für unsere vorliegende Betrachtung fort. Wir
beschäftigen uns vielmehr mit der Beschaffenheit jenes Denkens,
das sich dem Primat einer andern Funktion nicht unterordnen kann,
sondern seinem eigenen Prinzip treu bleibt. Die Beobachtung und
Untersuchung dieses Denkens ist schwierig, weil es im concreten Fall
stets mehr oder weniger verdrängt ist durch die Einstellung des
Bewusstseins. Es muss daher meistens erst aus den Hintergründen
des Bewusstseins hervorgeholt werden, wenn es nicht
zufälligerweise in einem unbewachten Moment einmal an die
Oberfläche kommt. Meist muss man es mit der Frage hervorlocken:
„Aber was denken Sie denn eigentlich, im Grunde genommen und so
ganz bei Ihnen von der Sache?“ Oder man muss sogar zu einer List
greifen und die Frage etwa so formulieren: „Was denken Sie denn,
dass ich von dieser Sache denke?“ Diese letztere Form muss nämlich
dann gewählt werden, wenn das eigentliche Denken unbewusst und
darum projiziert ist. Das Denken, das auf diese Weise an die
Oberfläche des Bewusstseins gelockt wird, hat charakteristische
Eigenschaften, um derentwillen ich es eben als negativ bezeichne.
Sein Habitus ist am besten gekennzeichnet durch die beiden Worte
„nichts als“. Goethe hat dieses Denken in der Figur des
Mephistopheles personifiziert. Vor allem zeigt es die Tendenz, den
Gegenstand seines Urteilens auf irgend eine Banalität
zurückzuführen und ihn einer eigenen selbständigen Bedeutung zu
entkleiden. Dies geschieht dadurch, dass er als in Abhängigkeit von
einer andern banalen Sache befindlich dargestellt wird. Ergibt sich
zwischen zwei Männern ein Konflikt von anscheinend sachlicher
Natur, so sagt das negative Denken: „Cherchez la femme.“ Verficht
oder propagiert jemand eine Sache, so fragt das negative Denken
nicht nach der Bedeutung der Sache, sondern: „Wieviel verdient er
dabei?“ Das Moleschott zugeschriebene Wort: „Der Mensch ist, was
er isst“, gehört ebenfalls in dieses Kapitel, wie noch viele andere
Aussprüche und Anschauungen, die ich nicht wörtlich anzuführen
brauche. Das Destruktive dieses Denkens sowohl, wie eine
gegebenenfalls beschränkte Nützlichkeit bedarf wohl keiner weitern
Erklärung. Es gibt nun aber noch eine andere Form des negativen
Denkens, die man auf den ersten Blick wohl kaum als solche
erkennen würde, und das ist das theosophische Denken, das sich
heute rapide in allen Weltteilen ausbreitet, vielleicht als eine
Reaktionserscheinung auf den Materialismus der unmittelbar
vorausgegangenen Epoche. Das theosophische Denken ist
anscheinend keineswegs reduktiv, sondern erhöht alles zu
transscendenten und weltumfassenden Ideen. Ein Traum, z. B., ist
nicht mehr ein bescheidener Traum, sondern ein Erlebnis auf einer
„andern Ebene“. Die vorderhand noch unerklärbare Tatsache der
Telepathie erklärt sich sehr einfach durch „Vibrationen“, die von
einem zum andern gehen. Eine gewöhnliche nervöse Störung ist
sehr einfach dadurch erklärt, dass dem Astralkörper etwas
zugestossen ist. Gewisse anthropologische Eigentümlichkeiten der
atlantischen Küstenbewohner erklären sich leicht durch den
Untergang der Atlantis, usw. Man braucht nur ein theosophisches
Buch zu öffnen, um von der Erkenntnis erdrückt zu werden, dass
alles schon erklärt ist, und dass die „Geisteswissenschaft“ überhaupt
keine Rätsel mehr übrig gelassen hat. Diese Art des Denkens ist im
Grunde genommen ebenso negativ wie das materialistische Denken.
Wenn letzteres die Psychologie als chemische Veränderungen der
Ganglienzellen oder als ein Ausstrecken und Zurückziehen der
Zellfortsätze oder als innere Sekretion auffasst, so ist dies genau so
abergläubisch wie die Theosophie. Der einzige Unterschied liegt
darin, dass der Materialismus auf die uns geläufige Physiologie
reduziert, während die Theosophie alles auf Begriffe der indischen
Metaphysik bringt. Wenn man den Traum auf einen überladenen
Magen zurückführt, so ist damit doch der Traum nicht erklärt, und
wenn man die Telepathie als „Vibration“ erklärt, so ist damit ebenso
wenig gesagt. Denn was ist „Vibration“? Beide Erklärungsmodi sind
nicht nur impotent, sondern sie sind auch destruktiv, indem sie eine
ernsthafte Erforschung des Problems dadurch verhindern, dass sie
durch eine Scheinerklärung das Interesse von der Sache abziehen
und in ersterm Fall dem Magen und in letzterm Fall den imaginären
Vibrationen zuwenden. Beide Denkarten sind steril und sterilisierend.
Die negative Qualität rührt davon her, dass dieses Denken so
unbeschreiblich billig ist, d. h. arm an zeugender und schöpferischer
Energie. Es ist ein Denken im Schlepptau anderer Funktionen.
3. Das Fühlen.
Das Fühlen in der extravertierten Einstellung orientiert sich nach
dem objektiv Gegebenen, d. h. das Objekt ist die unerlässliche
Determinante der Art des Fühlens. Es befindet sich in
Übereinstimmung mit objektiven Werten. Wer immer das Gefühl nur
als einen subjektiven Tatbestand kennt, wird das Wesen des
extravertierten Fühlens nicht ohne weiteres verstehen, denn das
extravertierte Fühlen hat sich vom subjektiven Faktor möglichst
befreit und sich dafür ganz dem Einfluss des Objektes unterworfen.
Auch wo es sich anscheinend von der Qualität des concreten
Objektes als unabhängig erweist, steht es dennoch im Banne
traditioneller oder sonstwie allgemeingültiger Werte. Ich kann mich
zum Prädikat „schön“ oder „gut“ gedrängt fühlen, nicht weil ich aus
subjektivem Gefühl das Objekt „schön“ oder „gut“ fände, sondern
weil es passend ist, es „schön“ oder „gut“ zu nennen; und zwar
passend insofern, als ein gegenteiliges Urteil die allgemeine
Gefühlssituation irgendwie stören würde. Bei einem solchen
passenden Gefühlsurteil handelt es sich keineswegs um eine
Simulation oder gar um eine Lüge, sondern um einen Akt der
Einpassung. So kann z. B. ein Gemälde als „schön“ bezeichnet
werden, weil ein in einem Salon aufgehängtes, mit einem bekannten
Namen signiertes Gemälde allgemein als „schön“ vorausgesetzt wird,
oder weil das Prädikat „hässlich“ die Familie des glücklichen Besitzers
kränken könnte, oder weil auf Seiten des Besuchers die Intention
vorhanden ist, eine angenehme Gefühlsatmosphäre zu erzeugen,
wozu es notwendig ist, dass alles als angenehm gefühlt wird. Solche
Gefühle sind nach Massgabe objektiver Determinanten gerichtet. Sie
sind als solche genuin und stellen die gesamte sichtbare
Fühlfunktion dar. Genau wie das extravertierte Denken sich
subjektiver Einflüsse soviel wie möglich entledigt, so muss auch das
extravertierte Fühlen einen gewissen Differenzierungsprozess
durchlaufen, bis es von jeder subjektiven Zutat entkleidet ist. Die
durch den Gefühlsakt erfolgenden Bewertungen entsprechen
entweder direkt den objektiven Werten oder wenigstens gewissen
traditionellen und allgemein verbreiteten Wertmasstäben. Dieser Art
des Fühlens ist es zum grossen Teil zuzuschreiben, warum so viele
Leute ins Theater oder ins Konzert oder in die Kirche gehen und
zwar mit richtig abgemessenen positiven Gefühlen. Ihm sind auch
die Moden zu verdanken, und was weit wertvoller ist, die positive
und verbreitete Unterstützung sozialer, philanthropischer und
sonstiger Kulturunternehmungen. In diesen Dingen erweist sich das
extravertierte Fühlen als schöpferischer Faktor. Ohne dieses Fühlen
ist z. B. eine schöne und harmonische Geselligkeit undenkbar.
Insoweit ist das extravertierte Fühlen eine ebenso wohltätige,
vernünftig wirkende Macht, wie das extravertierte Denken. Diese
heilsame Wirkung geht aber verloren, sobald das Objekt einen
übertriebenen Einfluss gewinnt. In diesem Fall nämlich zieht das zu
extravertierte Fühlen die Persönlichkeit zu viel ins Objekt, d. h. das
Objekt assimiliert die Person, wodurch der persönliche Charakter des
Fühlens, der seinen Hauptreiz ausmacht, verloren geht. Dadurch
wird nämlich das Gefühl kalt, sachlich und unglaubwürdig. Es verrät
geheime Absicht, jedenfalls erweckt es solchen Verdacht beim
unbefangenen Beobachter. Es macht nicht mehr jenen angenehmen
und erfrischenden Eindruck, der ein genuines Fühlen stets begleitet,
sondern man wittert Pose oder Schauspielerei, wenn schon vielleicht
die egozentrische Absicht noch ganz unbewusst ist. Ein solch
übertrieben extravertiertes Fühlen erfüllt zwar ästhetische
Erwartungen, aber es spricht nicht mehr zum Herzen, sondern bloss
noch zu den Sinnen, oder — noch schlimmer — bloss noch zum
Verstande. Es kann zwar eine Situation ästhetisch ausfüllen, es
beschränkt sich aber darauf und wirkt nicht darüber hinaus. Es ist
steril geworden. Schreitet dieser Prozess weiter, so entwickelt sich
eine merkwürdig widerspruchsvolle Dissociation des Fühlens: es
bemächtigt sich jeglichen Objektes mit gefühlsmässigen
Bewertungen, und es werden zahlreiche Beziehungen angeknüpft,
die einander innerlich widersprechen. Da dergleichen gar nicht
möglich wäre, wenn ein einigermassen betontes Subjekt vorhanden
wäre, so werden auch die letzten Reste eines wirklich persönlichen
Standpunktes unterdrückt. Das Subjekt wird dermassen aufgesogen
in die einzelnen Fühlprozesse, dass der Beobachter den Eindruck
erhält, als ob nur noch ein Prozess des Fühlens und kein Subjekt des
Fühlens mehr vorhanden sei. Das Fühlen in diesem Zustande hat
seine ursprüngliche menschliche Wärme ganz eingebüsst, es macht
den Eindruck der Pose, des Flatterhaften, des Unzuverlässigen und
in schlimmem Fällen den Eindruck des Hysterischen.
4. Der extravertierte Fühltypus.
Insofern das Gefühl unbestreitbar eine sichtbarere
Eigentümlichkeit der weiblichen Psychologie ist, als das Denken, so
finden sich auch die ausgesprochensten Fühltypen beim weiblichen
Geschlecht. Wenn das extravertierte Fühlen das Primat besitzt, so
sprechen wir von einem extravertierten Fühltypus. Die Beispiele, die
mir bei diesem Typus vorschweben, betreffen fast ohne Ausnahme
Frauen. Diese Art Frau lebt nach der Richtschnur ihres Gefühls. Ihr
Gefühl hat sich infolge der Erziehung zu einer eingepassten und der
Bewusstseinskontrolle unterworfenen Funktion entwickelt. In Fällen,
die nicht extrem liegen, hat das Gefühl persönlichen Charakter,
obschon das Subjektive bereits in höherm Masse unterdrückt wurde.
Die Persönlichkeit erscheint daher als in die objektiven Verhältnisse
eingepasst. Die Gefühle entsprechen den objektiven Situationen, und
den allgemein gültigen Werten. Dies zeigt sich nirgends deutlicher
als in der sog. Liebeswahl: Der „passende“ Mann wird geliebt, nicht
irgend ein anderer; er ist passend, nicht etwa, weil er dem
subjektiven verborgenen Wesen der Frau durchaus zusagte — das
weiss sie meistens gar nicht —, sondern weil er in punkto Stand,
Alter, Vermögen, Grösse und Respektabilität seiner Familie allen
vernünftigen Anforderungen entspricht. Man könnte natürlich eine
solche Formulierung leicht als ironisch und entwertend ablehnen,
wenn ich nicht der vollen Überzeugung wäre, dass das Liebesgefühl
dieser Frau ihrer Wahl auch vollkommen entspricht. Es ist ächt und
nicht etwa vernünftige Mache. Solcher „vernünftigen“ Ehen gibt es
unzählige, und es sind keineswegs die schlechtesten. Solche Frauen
sind gute Gefährtinnen ihrer Männer und gute Mütter, solange ihre
Männer oder Kinder die landesübliche psychische Konstitution
besitzen. „Richtig“ fühlen kann man nur dann, wenn nichts anderes
das Gefühl stört. Nichts stört aber das Fühlen so sehr wie das
Denken. Es ist daher ohne weiteres begreiflich, dass das Denken bei
diesem Typus möglichst unterdrückt wird. Damit soll nun keineswegs
gesagt sein, dass eine solche Frau überhaupt nicht denke; im
Gegenteil, sie denkt vielleicht sehr viel und sehr klug, aber ihr
Denken ist niemals sui generis, sondern ein epimetheisches
Anhängsel ihres Fühlens. Was sie nicht fühlen kann, kann sie auch
bewusst nicht denken. „Ich kann doch nicht denken, was ich nicht
fühle“, sagte mir einmal ein solcher Fall in entrüstetem Tone. Soweit
es das Gefühl erlaubt, kann sie sehr gut denken, aber jeder noch so
logische Schluss, der zu einem das Gefühl störenden Ergebnis führen
könnte, wird a limine abgelehnt. Er wird einfach nicht gedacht. Und
so wird alles, was objektiver Bewertung entsprechend gut ist,
geschätzt oder geliebt; übriges scheint bloss ausserhalb ihrer selbst
zu existieren. Dieses Bild ändert sich aber, wenn die Bedeutung des
Objektes einen noch höhern Grad erreicht. Wie ich bereits oben
erläuterte, erfolgt dann eine solche Assimilation des Subjektes an
das Objekt, dass das Subjekt des Fühlens mehr oder weniger
untergeht. Das Fühlen verliert den persönlichen Charakter, es wird
Fühlen an sich, und man gewinnt den Eindruck, als ob sich die
Persönlichkeit gänzlich in das jeweilige Gefühl auflöse. Da nun im
Leben beständig Situationen miteinander abwechseln, welche
verschiedene oder sogar miteinander kontrastierende Gefühlstöne
auslösen, so löst sich die Persönlichkeit in ebenso viele verschiedene
Gefühle auf. Man ist das eine Mal dies, das andere Mal etwas ganz
anderes — anscheinend; denn in Wirklichkeit ist eine derartige
Mannigfaltigkeit der Persönlichkeit etwas Unmögliches. Die Basis des
Ich bleibt doch immerhin sich selber identisch und tritt deshalb in
eine deutliche Opposition zu den wechselnden Gefühlszuständen.
Infolgedessen fühlt der Beobachter das zur Schau getragene Gefühl
nicht mehr als einen persönlichen Ausdruck des Fühlenden, sondern
vielmehr als eine Alteration seines Ich, also eine Laune. Je nach dem
Grade der Dissociation zwischen dem Ich und dem jeweiligen
Gefühlszustand treten mehr oder weniger Zeichen des Uneinsseins
mit sich selber auf, d. h. die ursprünglich compensierende
Einstellung des Unbewussten wird zur manifesten Opposition. Dies
zeigt sich zunächst in einer übertriebenen Gefühlsäusserung, z. B. in
lauten und aufdringlichen Gefühlsprädikaten, die aber eine gewisse
Glaubwürdigkeit vermissen lassen. Sie klingen hohl und überzeugen
nicht. Sie lassen im Gegenteil bereits die Möglichkeit erkennen, dass
damit ein Widerstand übercompensiert wird, und dass darum ein
solches Gefühlsurteil auch ganz anders lauten könnte. Und wenig
später lautet es auch anders. Die Situation braucht sich nur um ein
weniges zu ändern, um sofort eine ganz entgegengesetzte
Bewertung desselben Objektes auf den Plan zu rufen. Das Ergebnis
einer solchen Erfahrung ist, dass der Beobachter weder das eine
noch das andere Urteil ernst nehmen kann. Er fängt an, sich sein
eigenes Urteil zu reservieren. Da es nun aber diesem Typus vor
allem darauf ankommt, einen intensiven Gefühlsrapport mit der
Umgebung herzustellen, so werden verdoppelte Anstrengungen
nötig sein, um die Reserve der Umgebung zu überwinden. Dies
verschlimmert die Situation auf dem Wege des Circulus vitiosus. Je
stärker die Gefühlsbeziehung zum Objekt betont wird, desto mehr
nähert sich die unbewusste Opposition der Oberfläche.
Wir haben bereits gesehen, dass der extravertierte Fühltypus am
meisten sein Denken unterdrückt, weil eben das Denken am ehesten
geeignet ist, das Fühlen zu stören. Aus diesem Grunde schliesst ja
auch das Denken, wenn es zu irgendwie reinen Resultaten gelangen
will, am allermeisten das Fühlen aus, denn nichts ist so geeignet,
das Denken zu stören und zu verfälschen, wie die Gefühlswerte. Das
Denken des extravertierten Fühltypus ist daher, insofern es eine
selbständige Funktion ist, verdrängt. Wie ich bereits erwähnte, ist es
nicht ganz verdrängt, sondern nur insofern seine unerbittliche Logik
zu Schlüssen zwingt, die dem Gefühl nicht passen. Es ist aber
zugelassen als Diener des Gefühls, oder besser gesagt, als sein
Sklave. Sein Rückgrat ist gebrochen, es kann sich nicht selber,
seinem eigenen Gesetze gemäss, durchführen. Da es nun doch aber
eine Logik und unerbittlich richtige Schlüsse gibt, so geschehen sie
auch irgendwo, aber ausserhalb des Bewusstseins, nämlich im
Unbewussten. Darum ist der unbewusste Inhalt dieses Typus in
allererster Linie ein eigenartiges Denken. Dieses Denken ist infantil,
archaïsch und negativ. Solange das bewusste Fühlen den
persönlichen Charakter bewahrt, oder mit andern Worten: solange
die Persönlichkeit nicht von den einzelnen Gefühlszuständen
aufgeschluckt wird, verhält sich das unbewusste Denken
compensierend. Wenn aber die Persönlichkeit sich dissociiert und
sich in einzelne einander widersprechende Gefühlszustände auflöst,
so geht die Identität des Ich verloren, das Subjekt wird unbewusst.
Indem das Subjekt aber ins Unbewusste gerät, associiert es sich mit
dem unbewussten Denken und verhilft dadurch dem unbewussten
Denken zu gelegentlicher Bewusstheit. Je stärker die bewusste
Gefühlsbeziehung ist und je mehr sie darum das Gefühl „ent-icht“,
desto stärker wird auch die unbewusste Opposition. Dies äussert
sich darin, dass gerade um die am höchsten bewerteten Objekte sich
unbewusste Gedanken ansammeln, welche den Wert dieser Objekte
erbarmungslos herunterreissen. Das Denken im Stile des „Nichts als“
ist hier durchaus am Platze, denn es zerstört die Übermacht des an
Objekte geketteten Gefühls. Das unbewusste Denken erreicht die
Oberfläche in Form von Einfällen, oft obsedierender Natur, deren
allgemeiner Charakter immer negativ und entwertend ist. Es gibt
darum bei Frauen von diesem Typus Momente, wo die schlimmsten
Gedanken sich gerade an diejenigen Objekte heften, welche das
Gefühl am höchsten wertet. Das negative Denken bedient sich aller
infantilen Vorurteile oder Vergleiche, die geeignet sind, den
Gefühlswert in Zweifel zu setzen, und es zieht alle primitiven
Instinkte heran, um die Gefühle für „nichts als“ erklären zu können.
Es ist mehr eine Seitenbemerkung, wenn ich hier erwähne, dass auf
diese Weise auch das collektive Unbewusste, die Gesamtheit der
primordialen Bilder, herangezogen wird, aus deren Bearbeitung sich
dann wieder die Möglichkeit einer Regeneration der Einstellung auf
einer andern Basis ergibt.
Die hauptsächlichste Neurosenform dieses Typus ist die Hysterie
mit ihrer charakteristischen infantil-sexuellen unbewussten
Vorstellungswelt.
5. Zusammenfassung der rationalen Typen.
Ich bezeichne die beiden vorausgegangenen Typen als rationale
oder urteilende Typen, weil sie charakterisiert sind durch das Primat
vernünftig urteilender Funktionen. Es ist ein allgemeines Merkmal
beider Typen, dass ihr Leben in hohem Masse dem vernünftigen
Urteil unterstellt ist. Wir haben allerdings zu berücksichtigen, ob wir
dabei vom Standpunkte der subjektiven Psychologie des Individuums
sprechen oder vom Standpunkt des Beobachters, der von aussen
wahrnimmt und urteilt. Dieser Beobachter könnte nämlich leicht zu
einem entgegengesetzten Urteil gelangen, und zwar dann, wenn er
intuitiv bloss das Vorkommende erfasst und darnach urteilt. Das
Leben dieses Typus in seiner Gesamtheit ist ja niemals allein vom
vernünftigen Urteil abhängig, sondern auch in beinahe ebenso
hohem Masse von der unbewussten Unvernünftigkeit. Wer nun allein
das Vorkommende beobachtet, ohne sich um den innern Haushalt
des Bewusstseins des Individuums zu kümmern, kann leicht in
höherm Masse von der Unvernünftigkeit und Zufälligkeit gewisser
unbewusster Äusserungen des Individuums betroffen sein, als von
der Vernunftmässigkeit seiner bewussten Absichten und
Motivationen. Ich gründe daher mein Urteil darauf, was das
Individuum als seine bewusste Psychologie empfindet. Ich gebe aber
zu, dass man ebenso gut eine solche Psychologie gerade umgekehrt
auffassen und darstellen könnte. Ich bin auch überzeugt, dass ich,
falls ich selber eine andere individuelle Psychologie besässe, die
rationalen Typen in umgekehrter Weise vom Unbewussten her als
irrational beschreiben würde. Dieser Umstand erschwert die
Darstellung und Verständlichkeit psychologischer Tatbestände in
nicht zu unterschätzender Weise und erhöht die Möglichkeit von
Missverständnissen ins Ungemessene. Die Diskussionen, die sich aus
diesen Missverständnissen ergeben, sind in der Regel hoffnungslos,
denn man spricht aneinander vorbei. Diese Erfahrung war für mich
ein Grund mehr, mich in meiner Darstellung auf die subjektiv
bewusste Psychologie des Individuums zu gründen, weil man
dadurch wenigstens einen bestimmten objektiven Anhalt hat, der
gänzlich wegfällt, wenn man eine psychologische Gesetzmässigkeit
auf das Unbewusste gründen wollte. In diesem Fall nämlich könnte
das Objekt gar nicht mehr mitsprechen, denn es weiss von allem
andern mehr als vom eigenen Unbewussten. Das Urteil wäre damit
dem Beobachter einzig und allein anheimgegeben — eine sichere
Gewähr dafür, dass er sich auf seine eigene individuelle Psychologie
gründen und diese dem Beobachteten aufdrängen wird. Dieser Fall
liegt meines Erachtens sowohl in der Freudschen, wie in der
Adlerschen Psychologie vor. Das Individuum ist damit ganz dem
Gutfinden des urteilenden Beobachters ausgeliefert. Dies kann aber
nicht der Fall sein, wenn die bewusste Psychologie des Beobachteten
zur Basis genommen wird. In diesem Fall ist er der Kompetente, weil
er allein seine bewussten Motive kennt.
Die Vernünftigkeit der bewussten Lebensführung dieser beiden
Typen bedeutet eine bewusste Ausschliessung des Zufälligen und
Nichtvernunftgemässen. Das vernünftige Urteil repräsentiert in
dieser Psychologie eine Macht, welche das Ungeordnete und
Zufällige des realen Geschehens in bestimmte Formen zwingt oder
wenigstens zu zwingen versucht. Damit wird einerseits unter den
Lebensmöglichkeiten eine bestimmte Auswahl geschaffen, indem
bewusst nur das Vernunftgemässe angenommen wird, und
andererseits wird die Selbständigkeit und der Einfluss derjenigen
psychischen Funktionen, welche der Wahrnehmung des
Vorkommenden dienen, wesentlich beschränkt. Diese Beschränkung
der Empfindung und der Intuition ist natürlich keine absolute. Diese
Funktionen existieren wie überall, nur unterliegen ihre Produkte der
Wahl des vernünftigen Urteils. Die absolute Stärke der Empfindung
z. B. ist nicht ausschlaggebend für die Motivation des Handelns,
sondern das Urteil. Die wahrnehmenden Funktionen teilen also in
gewissem Sinne das Schicksal des Fühlens im Falle des ersten Typus
und das des Denkens im zweiten Falle. Sie sind relativ verdrängt und
daher im minderdifferenzierten Zustand. Dieser Umstand gibt dem
Unbewussten unserer beiden Typen ein eigenartiges Gepräge: was
diese Menschen bewusst und absichtlich tun, ist vernunftgemäss
(ihrer Vernunft gemäss!), was ihnen aber passiert, entspricht dem
Wesen infantil-primitiver Empfindungen einerseits und andererseits
ebensolcher Intuitionen. Was unter diesen Begriffen zu verstehen ist,
versuche ich in den folgenden Abschnitten darzustellen. Jedenfalls ist
das, was diesen Typen passiert, irrational (natürlich von ihrem
Standpunkt aus gesehen!). Da es nun sehr viele Menschen gibt, die
mehr aus dem leben, was ihnen passiert, als aus dem, was sie aus
vernünftiger Absicht tun, so kann leicht der Fall eintreten, dass ein
solcher unsere beiden Typen nach sorgfältiger Analyse als irrational
bezeichnen würde. Man muss ihm zugeben, dass nicht allzu selten
das Unbewusste eines Menschen einen weit stärkeren Eindruck
macht als sein Bewusstes, und dass seine Taten oft bedeutend
schwerer wiegen, als seine vernünftigen Motivationen.
Die Vernünftigkeit der beiden Typen ist objektiv orientiert, vom
objektiv Gegebenen abhängig. Ihre Vernünftigkeit entspricht dem,
was collektiv als vernünftig gilt. Subjektiv gilt ihnen nichts anderes
vernünftig, als was allgemein als vernünftig angesehen wird. Aber
auch die Vernunft ist zum guten Teil subjektiv und individuell. In
unserm Fall ist dieser Teil verdrängt, und zwar umso mehr, je grösser
die Bedeutung des Objektes ist. Das Subjekt und die subjektive
Vernunft sind daher immer von der Verdrängung bedroht, und wenn
sie ihr verfallen, so geraten sie unter die Herrschaft des
Unbewussten, das in diesem Falle sehr unangenehme
Eigentümlichkeiten besitzt. Von seinem Denken sprachen wir bereits.
Dazu kommen primitive Empfindungen, die sich als
Empfindungszwang äussern, z. B. in Form einer abnormen,
zwangsmässigen Genussucht, die alle möglichen Formen annehmen
kann, und primitive Intuitionen, welche den Betroffenen und ihrer
Umgebung direkt zur Qual werden können. Alles Unangenehme und
Peinliche, alles Widerwärtige, Hässliche oder Schlechte, wird
herausgewittert oder hineinvermutet, und meistens handelt es sich
dabei um halbe Wahrheiten, welche, wie nichts anderes, geeignet
sind, Missverständnisse giftigster Art zu erzeugen. Aus der starken
Beeinflussung durch die opponierenden unbewussten Inhalte ergibt
sich notwendigerweise auch eine häufige Durchbrechung der
bewussten Vernunftregel, nämlich eine auffallende Bindung an
Zufälligkeiten, die entweder vermöge ihrer Empfindungsstärke oder
vermöge ihrer unbewussten Bedeutung einen zwingenden Einfluss
erlangen.
6. Das Empfinden.
In der extravertierten Einstellung ist das Empfinden vorwiegend
durch das Objekt bedingt. Als Sinnesperception ist das Empfinden
natürlicherweise vom Objekt abhängig. Es ist aber ebenso
natürlicherweise auch vom Subjekt abhängig, daher es auch ein
subjektives Empfinden gibt, welches seiner Art nach vom objektiven
Empfinden durchaus verschieden ist. In der extravertierten
Einstellung ist der subjektive Anteil des Empfindens, insoweit dessen
bewusste Verwendung in Frage kommt, gehemmt oder verdrängt.
Ebenso ist das Empfinden, als irrationale Funktion relativ verdrängt,
wenn Denken oder Fühlen das Primat besitzen, d. h. es funktioniert
bewusst bloss in dem Masse als die bewusste, urteilende Einstellung
die zufälligen Wahrnehmungen zu Bewusstseinsinhalten werden
lässt, mit andern Worten sie realisiert. Die Sinnesfunktion sensu
strictiori ist natürlich absolut, es wird z. B. alles gesehen und gehört,
soweit dies physiologisch möglich ist, aber nicht alles erreicht jenen
Schwellenwert, welchen eine Perception besitzen muss, um auch
appercipiert zu werden. Dies ändert sich, wenn keine andere
Funktion das Primat besitzt, als das Empfinden selber. In diesem
Falle wird aus der Objektempfindung nichts ausgeschlossen und
nichts verdrängt (mit Ausnahme des subjektiven Anteils, wie schon
erwähnt). Das Empfinden wird vorzugsweise durch das Objekt
determiniert, und diejenigen Objekte, welche die stärkste
Empfindung auslösen, sind für die Psychologie des Individuums
ausschlaggebend. Dadurch entsteht eine ausgesprochen sinnliche
Bindung an die Objekte. Das Empfinden ist daher eine vitale
Funktion, die mit dem stärksten Lebenstrieb ausgerüstet wird.
Insofern Objekte Empfindungen auslösen, gelten sie und werden
auch, insoweit dies durch Empfinden überhaupt möglich ist, völlig in
das Bewusstsein aufgenommen, ob sie nun dem vernünftigen Urteil
passen oder nicht. Ihr Wertkriterium ist einzig die durch ihre
objektiven Eigenschaften bedingte Empfindungsstärke.
Infolgedessen treten alle objektiven Vorgänge ins Bewusstsein,
insofern sie überhaupt Empfindungen auslösen. Es sind aber nur
concrete, sinnlich wahrnehmbare Objekte oder Vorgänge, welche in
der extravertierten Einstellung Empfindungen erregen, und zwar
ausschliesslich solche, die jedermann überall und zu allen Zeiten als
concret empfinden würde. Das Individuum wird daher nach rein
sinnenfälliger Tatsächlichkeit orientiert. Die urteilenden Funktionen
stehen unterhalb der concreten Tatsache der Empfindung und haben
daher die Eigenschaften der minderdifferenzierten Funktionen, d. h.
also eine gewisse Negativität mit infantil-archaïschen Zügen. Am
stärksten von der Verdrängung betroffen ist natürlich die der
Empfindung entgegengesetzte Funktion, nämlich die der
unbewussten Wahrnehmung, der Intuition.
7. Der extravertierte Empfindungstypus.
Es gibt keinen andern menschlichen Typus, der an Realismus
dem extravertierten Empfindungstypus gleichkäme. Sein objektiver
Tatsachensinn ist ausserordentlich entwickelt. Er häuft in seinem
Leben reale Erfahrungen am concreten Objekt, und je
ausgesprochener er ist, desto weniger macht er Gebrauch von seiner
Erfahrung. Sein Erlebnis wird in gewissen Fällen überhaupt nicht zu
dem, was den Namen „Erfahrung“ verdiente. Was er empfindet,
dient ihm höchstens als Wegleitung zu neuen Empfindungen und
alles, was etwa Neues in den Kreis seiner Interessen eintritt, ist auf
dem Wege der Empfindung erworben und soll zu diesem Zwecke
dienen. Insofern man einen ausgesprochenen Sinn für reine
Tatsächlichkeit als sehr vernünftig aufzufassen geneigt ist, wird man
solche Menschen als vernünftig preisen. Sie sind es aber in
Wirklichkeit keineswegs, indem sie der Empfindung des irrationalen
Zufalls genau so unterworfen sind, wie der des rationalen
Vorkommens. Ein solcher Typus — vielfach handelt es sich
anscheinend um Männer — meint natürlich nicht, der Empfindung
„unterworfen“ zu sein. Er wird diesen Ausdruck vielmehr als ganz
unzutreffend belächeln, denn für ihn ist Empfindung concrete
Lebensäusserung; sie bedeutet ihm eine Fülle wirklichen Lebens.
Seine Absicht geht auf den concreten Genuss, ebenso seine
Moralität. Denn das wahre Geniessen hat seine besondere Moral,
seine besondere Mässigkeit und Gesetzmässigkeit, seine
Selbstlosigkeit und Opferwilligkeit. Er braucht keineswegs ein
sinnlicher Rohling zu sein, sondern kann sein Empfinden zu grösster
ästhetischer Reinheit differenzieren, ohne dass er auch in der
abstraktesten Empfindung jemals seinem Prinzip der objektiven
Empfindung untreu würde. Wulfens Cicerone des rücksichtslosen
Lebensgenusses ist das ungeschminkte Selbstbekenntnis eines
derartigen Typus. Das Buch erscheint mir unter diesem
Gesichtswinkel als lesenswert.
Auf niederer Stufe ist dieser Typus der Mensch der tastbaren
Wirklichkeit, ohne Neigung zu Reflexionen und ohne
Herrscherabsichten. Sein stetiges Motiv ist, das Objekt zu
empfinden, Sensationen zu haben und womöglich zu geniessen. Er
ist kein unliebenswürdiger Mensch, im Gegenteil, er ist häufig von
erfreulicher und lebendiger Genussfähigkeit, bisweilen ein lustiger
Kumpan, bisweilen ein geschmackvoller Ästhet. Im erstern Fall
hängen die grossen Probleme des Lebens ab von einem mehr oder
weniger guten Mittagstisch, im letztern gehören sie zum guten
Geschmack. Wenn er empfindet, so ist für ihn alles wesentliche
gesagt und erfüllt. Nichts kann mehr als concret und wirklich sein,
Vermutungen daneben oder darüber hinaus sind nur zugelassen,
insofern sie die Empfindung verstärken. Sie brauchen diese
keineswegs im angenehmen Sinn zu verstärken, denn dieser Typus
ist nicht ein gewöhnlicher Lüstling, sondern er will nur die stärkste
Empfindung, die er seiner Natur nach immer von aussen empfangen
muss. Was von innen kommt, erscheint ihm als krankhaft und
verwerflich. Insofern er denkt und fühlt, reduziert er immer auf
objektive Grundlagen, d. h. auf Einflüsse, die vom Objekt kommen,
unbekümmert auch um die stärkste Beugung der Logik. Tastbare
Wirklichkeit lässt ihn unter allen Umständen aufatmen. In dieser
Beziehung ist er von unerwarteter Leichtgläubigkeit. Ein
psychogenes Symptom wird er unbedenklich auf den tiefen
Barometerstand beziehen, die Existenz eines psychischen Konfliktes
dagegen erscheint ihm als abnorme Träumerei. Seine Liebe gründet
sich unzweifelhaft auf die sinnenfälligen Reize des Objektes. Insofern
er normal ist, ist er der gegebenen Wirklichkeit auffallend
eingepasst, auffallend darum, weil es immer sichtbar ist. Sein Ideal
ist die Tatsächlichkeit, er ist rücksichtsvoll in dieser Beziehung. Er hat
keine Ideen-Ideale, darum auch keinen Grund, sich irgendwie gegen
die tatsächliche Wirklichkeit fremd zu verhalten. Das drückt sich in
allen Äusserlichkeiten aus. Er kleidet sich gut, seinen Umständen
entsprechend, man isst und trinkt gut bei ihm, man sitzt bequem
oder man begreift wenigstens, dass sein verfeinerter Geschmack
einige Ansprüche an seine Umgebung stellen darf. Er überzeugt
sogar, dass gewisse Opfer dem Stil zuliebe sich entschieden lohnen.
Je mehr aber die Empfindung überwiegt, sodass das
empfindende Subjekt hinter der Sensation verschwindet, desto
unerfreulicher wird dieser Typus. Er entwickelt sich entweder zum
rohen Genussmenschen oder zum skrupellosen, raffinierten
Ästheten. So unerlässlich ihm dann das Objekt wird, so sehr wird es
auch als etwas, das in und durch sich selbst besteht, entwertet. Es
wird ruchlos vergewaltigt und ausgepresst, indem es überhaupt nur
noch als Anlass zur Empfindung gebraucht wird. Die Bindung an das
Objekt wird aufs Äusserste getrieben. Dadurch aber wird auch das
Unbewusste aus der compensatorischen Rolle in die offene
Opposition gedrängt. Vor allem machen sich die verdrängten
Intuitionen geltend in Form von Projektionen auf das Objekt. Die
abenteuerlichsten Vermutungen entstehen; handelt es sich um ein
Sexualobjekt, so spielen Eifersuchtsphantasien eine grosse Rolle,
ebenso Angstzustände. In schwereren Fällen entwickeln sich Phobien
aller Art, und besonders Zwangssymptome. Die pathologischen
Inhalte sind von einem bemerkenswerten Irrealitätscharakter, häufig
moralisch und religiös gefärbt. Es entwickelt sich oft eine spitzfindige
Rabulistik, eine lächerlich-skrupulöse Moralität und eine primitive,
abergläubische und „magische“ Religiosität, die auf abstruse Riten
zurückgreift. Alle diese Dinge stammen aus den verdrängten,
minderdifferenzierten Funktionen, welche in solchen Fällen dem
Bewusstsein schroff gegenüberstehen und umso auffallender in die
Erscheinung treten, als sie auf den absurdesten Voraussetzungen zu
beruhen scheinen, ganz im Gegensatz zum bewussten
Tatsachensinn. Die ganze Kultur des Fühlens und Denkens erscheint
in dieser zweiten Persönlichkeit in eine krankhafte Primitivität
verdreht; Vernunft ist Vernünftelei und Haarspalterei, Moral ist öde
Moralisiererei und handgreiflicher Pharisäismus, Religion ist absurder
Aberglauben, das Ahnungsvermögen, diese vornehme Gabe des
Menschen, ist persönliche Tüftelei, Beschnupperung jeder Ecke, und
geht, statt ins Weite, ins Engste allzumenschlicher Kleinlichkeit.
Der spezielle Zwangscharakter der neurotischen Symptome stellt
das unbewusste Gegenstück dar zur bewussten moralischen
Zwangslosigkeit einer bloss empfindenden Einstellung, welche, vom
Standpunkt des rationalen Urteils aus, wahllos das Vorkommende
aufnimmt. Wenn schon die Voraussetzungslosigkeit des
Empfindungstypus keineswegs absolute Gesetz- und
Schrankenlosigkeit bedeutet, so fällt bei ihm doch die ganz
wesentliche Beschränkung durch das Urteil weg. Das rationale Urteil
aber stellt einen bewussten Zwang dar, den sich der rationale Typus
anscheinend freiwillig auferlegt. Dieser Zwang befällt den
Empfindungstypus vom Unbewussten her. Zudem bedeutet die
Objektbindung des rationalen Typus eben wegen der Existenz eines
Urteils niemals soviel wie jene unbedingte Beziehung, die der
Empfindungstypus zum Objekt hat. Wenn seine Einstellung eine
abnorme Einseitigkeit erreicht, so ist er daher in Gefahr, ebenso sehr
dem Griffe des Unbewussten zu verfallen, wie er bewusst am
Objekte hängt. Ist er einmal neurotisch geworden, so ist er auch viel
schwerer in vernünftiger Weise zu behandeln, weil die Funktionen,
an die der Arzt sich wendet, in einem relativ undifferenzierten
Zustand sich befinden und daher wenig oder gar nicht verlässlich
sind. Es bedarf öfters affektiver Pressionsmittel, um ihm etwas
bewusst zu machen.
8. Die Intuition.
Die Intuition als die Funktion unbewusster Wahrnehmung richtet
sich in der extravertierten Einstellung ganz auf äussere Objekte. Da
die Intuition ein in der Hauptsache unbewusster Prozess ist, so ist
auch ihr Wesen bewusst sehr schwer zu erfassen. Im Bewusstsein ist
die intuitive Funktion vertreten durch eine gewisse
Erwartungseinstellung, ein Anschauen und Hineinschauen, wobei
immer erst das nachträgliche Resultat erweisen kann, wieviel
hineingeschaut und wieviel wirklich am Objekt lag. Wie auch die
Empfindung, falls sie das Primat besitzt, nicht bloss ein reaktiver, für
das Objekt weiter nicht bedeutsamer Vorgang ist, sondern vielmehr
eine actio, welche das Objekt ergreift und gestaltet, so ist auch die
Intuition nicht bloss eine Wahrnehmung, ein blosses Anschauen,
sondern ein aktiver, schöpferischer Vorgang, der ebensoviel in das
Objekt hineinbildet, als er davon herausnimmt. Wie er unbewusst die
Anschauung herausnimmt, so schafft er auch eine unbewusste
Wirkung im Objekt. Die Intuition vermittelt allerdings zunächst bloss
Bilder oder Anschauungen von Beziehungen und Verhältnissen, die
mittelst anderer Funktionen entweder gar nicht, oder nur auf
grossen Umwegen erreicht werden können. Diese Bilder haben den
Wert bestimmter Erkenntnisse, welche das Handeln
ausschlaggebend beeinflussen, insofern der Intuition das
Hauptgewicht zufällt. In diesem Fall gründet sich die psychische
Anpassung beinahe ausschliesslich auf Intuitionen. Denken, Fühlen
und Empfinden sind relativ verdrängt, wobei die Empfindung am
meisten betroffen ist, weil sie als bewusste Sinnesfunktion der
Intuition am meisten hinderlich ist. Die Empfindung stört die reine,
unvoreingenommene, naive Anschauung durch aufdringliche
Sinnesreizungen, welche den Blick auf physische Oberflächen
lenken, also gerade auf die Dinge, hinter welche die Intuition zu
gelangen sucht. Da sich die Intuition in der extravertierten
Einstellung vorwiegend auf das Objekt richtet, so kommt sie
eigentlich der Empfindung sehr nahe, denn die
Erwartungseinstellung auf äussere Objekte kann sich mit fast ebenso
grosser Wahrscheinlichkeit der Empfindung bedienen. Damit aber die
Intuition durchgeführt werden kann, muss die Empfindung in hohem
Masse unterdrückt werden. Unter Empfindung verstehe ich in diesem
Fall die einfache und direkte Sinnesempfindung als ein fest
umrissenes physiologisches und psychisches Datum. Das muss
nämlich zuvor ausdrücklich festgestellt werden, denn, wenn ich den
Intuitiven frage, wonach er sich orientiere, so wird er mir von Dingen
sprechen, die auf’s Haar den Sinnesempfindungen gleichen. Er wird
sich auch des Ausdruckes „Empfindung“ vielfach bedienen. Er hat
tatsächlich Empfindungen, aber er richtet sich nicht nach den
Empfindungen selber, sondern sie sind ihm blosse Anhaltspunkte für
die Anschauung. Sie sind ausgewählt durch unbewusste
Voraussetzung. Nicht die physiologisch stärkste Empfindung erlangt
den Hauptwert, sondern irgend eine andere, welche durch die
unbewusste Einstellung des Intuitiven in ihrem Wert beträchtlich
erhöht wird. Dadurch erlangt sie eventuell den Hauptwert und es
erscheint dem Bewusstsein des Intuitiven, als ob sie eine reine
Empfindung wäre. Sie ist es aber tatsächlich nicht. Wie die
Empfindung in der extravertierten Einstellung stärkste Tatsächlichkeit
zu erreichen sucht, weil dadurch allein der Anschein eines vollen
Lebens erweckt wird, so erstrebt die Intuition die Erfassung grösster
Möglichkeiten, weil durch die Anschauung von Möglichkeiten die
Ahnung am allermeisten befriedigt wird. Die Intuition strebt nach der
Entdeckung von Möglichkeiten im objektiv Gegebenen, darum ist sie
auch als blosse beigeordnete Funktion (nämlich wenn ihr das Primat
nicht zukommt) das Hilfsmittel, das automatisch wirkt, wenn keine
andere Funktion den Ausweg aus einer überall versperrten Situation
zu entdecken vermag. Hat die Intuition das Primat, so erscheinen
alle gewöhnlichen Lebenssituationen so, als ob sie verschlossene
Räume wären, welche die Intuition zu öffnen hat. Sie sucht
beständig Auswege und neue Möglichkeiten äussern Lebens. Der
intuitiven Einstellung wird jede Lebenssituation in kürzester Frist zum
Gefängnis, zur erdrückenden Fessel, welche zu Lösungen drängt. Die
Objekte scheinen zeitweise von beinahe übertriebenem Wert,
nämlich dann, wenn sie gerade einer Lösung, einer Befreiung, der
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  • 6. Denkens selber drin steht, vermag wohl sein Wesen, nicht aber seine Erscheinung zu erfassen. Die Beurteilung nach der blossen Erscheinung kann dem Wesen nicht gerecht werden, daher sie meist entwertend ausfällt. Dem Wesen nach aber ist dieses Denken nicht minder fruchtbar und schöpferisch als das introvertierte Denken, nur dient sein Können andern Zielen als dieses. Dieser Unterschied wird dann besonders fühlbar, wenn das extravertierte Denken sich eines Stoffes, der ein spezifischer Gegenstand des subjektiv orientierten Denkens ist, bemächtigt. Dieser Fall tritt ein, wenn z. B. eine subjektive Überzeugung analytisch aus objektiven Tatsachen oder als Folge und Ableitung aus objektiven Ideen erklärt wird. Noch offenkundiger für unser naturwissenschaftlich orientiertes Bewusstsein aber wird der Unterschied der beiden Denkarten, wenn das subjektiv orientierte Denken den Versuch macht, objektiv Gegebenes in objektiv nicht gegebene Zusammenhänge zu bringen, d. h. einer subjektiven Idee zu unterstellen. Beides wird als Übergriff empfunden und dabei tritt dann jene Schattenwirkung hervor, welche die beiden Denkarten aufeinander haben. Das subjektiv orientierte Denken erscheint dann als reine Willkür, das extravertierte Denken dagegen als platte und banale Incommensurabilität. Deshalb befehden sich die beiden Standpunkte unaufhörlich. Man könnte meinen, dieser Streit wäre dadurch leicht zu beendigen, dass man die Gegenstände subjektiver von denjenigen objektiver Natur reinlich schiede. Diese Scheidung ist leider ein Ding der Unmöglichkeit, obschon nicht wenige sie durchzuführen versucht haben. Und wenn diese Scheidung auch möglich wäre, so wäre sie ein grosses Unheil, indem beide Orientierungen an sich einseitig und nur von beschränkter Gültigkeit sind, und darum eben ihrer gegenseitigen Beeinflussung bedürfen. Wenn das objektiv Gegebene das Denken in irgendwie höherm Masse unter seinen Einfluss bringt, so sterilisiert es das Denken, indem letzteres zu einem blossen Anhängsel des objektiv Gegebenen erniedrigt wird, sodass es in keinerlei Hinsicht mehr imstande ist, sich vom objektiv Gegebenen bis zur Herstellung eines abgezogenen Begriffes zu befreien. Der Prozess des Denkens beschränkt sich dann auf ein blosses „Nachdenken“, nicht etwa im Sinne von
  • 7. „Überlegung“, sondern im Sinne von blosser Imitation, die im wesentlichen durchaus nichts anderes besagt, als was im objektiv Gegebenen allbereits ersichtlich und unmittelbar vorlag. Ein solcher Denkprozess führt natürlich zum objektiv Gegebenen unmittelbar zurück, aber niemals darüber hinaus, also nicht einmal zum Anschluss der Erfahrung an eine objektive Idee; und umgekehrt, wenn dieses Denken eine objektive Idee zum Gegenstand hat, so wird es nicht imstande sein, die praktische Einzelerfahrung zu erreichen, sondern es wird in einem mehr oder weniger tautologischen Zustand verharren. Hiefür liefert die materialistische Mentalität einleuchtende Beispiele. Wenn das extravertierte Denken infolge einer verstärkten Determination durch das Objekt dem objektiv Gegebenen unterliegt, so verliert es sich einerseits gänzlich in der Einzelerfahrung und erzeugt eine Anhäufung unverdauter empirischer Materialien. Die bedrückende Masse mehr oder weniger zusammenhangsloser Einzelerfahrungen schafft einen Zustand gedanklicher Dissociation, der in der Regel auf der andern Seite eine psychologische Compensation erfordert. Diese besteht in einer ebenso einfachen wie allgemeinen Idee, welche dem aufgehäuften, aber innerlich unverbundenen Ganzen einen Zusammenhang geben, oder wenigstens die Ahnung eines solchen vermitteln soll. Passende Ideen zu diesem Zweck sind etwa „Materie“ oder „Energie“. Hängt aber das Denken nicht in erster Linie zu viel an äussern Tatsachen, sondern an einer überkommenen Idee, so entsteht aus Compensation der Armut dieses Gedankens eine umso eindrucksvollere Anhäufung von Tatsachen, die eben einseitig nach einem relativ beschränkten und sterilen Gesichtspunkt gruppiert sind, wobei regelmässig viel wertvollere und sinnreichere Aspekte der Dinge gänzlich verloren gehen. Die schwindelerregende Fülle der sogenannten wissenschaftlichen Literatur unserer Tage verdankt, zu einem leider hohen Prozentsatz, ihre Existenz dieser Misorientierung.
  • 8. 2. Der extravertierte Denktypus. Wie die Erfahrung zeigt, haben die psychologischen Grundfunktionen in einem und demselben Individuum selten oder so gut wie nie alle dieselbe Stärke oder denselben Entwicklungsgrad. In der Regel überwiegt die eine oder andere Funktion sowohl an Stärke wie an Entwicklung. Wenn nun dem Denken das Primat unter den psychologischen Funktionen zufällt, d. h. wenn das Individuum seine Lebensleistung hauptsächlich unter der Führung denkender Überlegung vollbringt, sodass alle irgendwie wichtigen Handlungen aus intellektuell gedachten Motiven hervorgehen oder doch wenigstens der Tendenz gemäss hervorgehen sollten, so handelt es sich um einen Denktypus. Ein solcher Typus kann introvertiert oder extravertiert sein: Wir beschäftigen uns hier zunächst mit dem extravertierten Denktypus. Dieser wird also, der Definition gemäss, ein Mensch sein, der das Bestreben hat — natürlich nur, insofern er ein reiner Typus ist — seine gesammte Lebensäusserung in die Abhängigkeit von intellektuellen Schlüssen zu bringen, die sich in letzter Linie stets am objektiv Gegebenen, entweder an objektiven Tatsachen oder allgemein gültigen Ideen orientieren. Dieser Typus Mensch verleiht nicht nur sich selber, sondern auch seiner Umgebung gegenüber der objektiven Tatsächlichkeit, resp. ihrer objektiv orientierten intellektuellen Formel die ausschlaggebende Macht. An dieser Formel wird Gut und Böse gemessen, wird schön und hässlich bestimmt. Richtig ist alles, was dieser Formel entspricht, unrichtig, was ihr widerspricht, und zufällig, was indifferent neben ihr herläuft. Weil diese Formel dem Weltsinn entsprechend erscheint, so wird sie auch zum Weltgesetz, das immer und überall zur Verwirklichung gelangen muss im einzelnen sowohl wie im allgemeinen. Wie der extravertierte Denktypus sich seiner Formel unterordnet, so muss es auch seine Umgebung tun zu ihrem eigenen Heile, denn wer es nicht tut, ist unrichtig, er widerstrebt dem Weltgesetz, ist daher unvernünftig, unmoralisch und gewissenlos. Seine Moral verbietet dem extravertierten Denktypus
  • 9. Ausnahmen zu dulden, denn sein Ideal muss unter allen Umständen Wirklichkeit werden, denn es ist, wie es ihm erscheint, reinste Formulierung objektiver Tatsächlichkeit und muss daher auch allgemein gültige Wahrheit sein, unerlässlich zum Heile der Menschheit. Dies nicht etwa aus Nächstenliebe, sondern vom höhern Gesichtspunkt der Gerechtigkeit und Wahrheit aus. Alles, was in seiner eigenen Natur dieser Formel als widersprechend empfunden wird, ist bloss Unvollkommenheit, ein zufälliges Versagen, das bei nächster Gelegenheit ausgemerzt sein wird, oder wenn dies nicht gelingt, so ist es krankhaft. Wenn die Toleranz mit dem Kranken, Leidenden und Abnormen einen Bestandteil der Formel bilden sollte, so wird dafür eine spezielle Einrichtung getroffen, z. B. Rettungsanstalten, Spitäler, Gefängnisse, Kolonien etc. resp. Pläne und Entwürfe dazu. Zur wirklichen Ausführung reicht das Motiv der Gerechtigkeit und Wahrheit in der Regel nicht aus, es bedarf dazu noch der wirklichen Nächstenliebe, die mehr mit dem Gefühl zu tun hat, als mit einer intellektuellen Formel. Das „man sollte eigentlich“ oder „man müsste“ spielt eine grosse Rolle. Ist die Formel aber weit genug, so kann dieser Typus als Reformator, als öffentlicher Ankläger und Gewissensreiniger oder als Propagator wichtiger Neuerungen eine dem sozialen Leben äusserst nützliche Rolle spielen. Je enger aber die Formel ist, desto mehr wird dieser Typus zum Nörgler, Vernünftler und selbstgerechten Kritiker, der sich und andere in ein Schema pressen möchte. Damit sind zwei Endpunkte angegeben, zwischen denen sich die Mehrzahl dieser Typen bewegt. Entsprechend dem Wesen der extravertierten Einstellung sind die Wirkungen und Äusserungen dieser Persönlichkeiten umso günstiger oder besser, je weiter aussen sie liegen. Ihr bester Aspekt findet sich an der Peripherie ihrer Wirkungssphäre. Je tiefer man in ihren Machtbereich eindringt, desto mehr machen sich ungünstige Folgen ihrer Tyrannei bemerkbar. An der Peripherie pulsiert noch anderes Leben, das die Wahrheit der Formel als schätzenswerte Zugabe zum übrigen empfindet. Je tiefer man aber in den Machtbereich der Formel eintritt, desto mehr stirbt alles Leben ab, das der Formel nicht entspricht. Am meisten bekommen die eigenen Angehörigen
  • 10. die übeln Folgen einer extravertierten Formel zu kosten, denn sie sind die ersten, die unerbittlich damit beglückt werden. Am allermeisten aber leidet darunter das Subjekt selber, und damit kommen wir nun zur andern Seite der Psychologie dieses Typus. Der Umstand, dass es keine intellektuelle Formel je gegeben hat, noch je geben wird, welche die Fülle des Lebens und seiner Möglichkeiten in sich fassen und passend ausdrücken könnte, bewirkt eine Hemmung, resp. Ausschliessung anderer wichtiger Lebensformen und Lebensbetätigungen. In erster Linie werden es bei diesem Typus Mensch alle vom Gefühl abhängigen Lebensformen sein, welche der Unterdrückung verfallen, also z. B. ästhetische Betätigungen, der Geschmack, der Kunstsinn, die Pflege der Freundschaft usw. Irrationale Formen, wie religiöse Erfahrungen, Leidenschaften und dergleichen sind oft bis zur völligen Unbewusstheit ausgetilgt. Diese unter Umständen ausserordentlich wichtigen Lebensformen fristen ein zum grössten Teil unbewusstes Dasein. Obschon es Ausnahmemenschen gibt, die ihr ganzes Leben einer bestimmten Formel zum Opfer bringen können, so sind doch die meisten nicht imstande, eine solche Ausschliesslichkeit auf die Dauer zu leben. Früher oder später — je nach äussern Umständen und innerer Veranlagung — werden sich die durch die intellektuelle Einstellung verdrängten Lebensformen indirekt bemerkbar machen, indem sie die bewusste Lebensführung stören. Erreicht diese Störung einen erheblichen Grad, so spricht man von einer Neurose. In den meisten Fällen kommt es allerdings nicht so weit, indem das Individuum instinktiv einige präventive Milderungen der Formel sich gestattet, allerdings mittels einer passenden vernünftigen Einkleidung. Damit ist ein Sicherheitsventil geschaffen. Infolge der relativen oder gänzlichen Unbewusstheit der von der bewussten Einstellung ausgeschlossenen Tendenzen und Funktionen bleiben diese in einem relativ unentwickelten Zustand stecken. Sie sind gegenüber der bewussten Funktion minderwertig. Insoweit sie unbewusst sind, sind sie mit den übrigen Inhalten des Unbewussten verschmolzen, wodurch sie einen bizarren Charakter annehmen. Insoweit sie bewusst sind, spielen sie eine sekundäre Rolle, wenn
  • 11. schon sie für das psychologische Gesamtbild von beträchtlicher Bedeutung sind. Von der vom Bewusstsein ausgehenden Hemmung sind in erster Linie die Gefühle betroffen, denn sie widersprechen am ehesten einer starren intellektuellen Formel, daher sie auch am intensivsten verdrängt werden. Ganz ausgeschaltet kann keine Funktion werden, sondern bloss erheblich entstellt. Soweit sich die Gefühle willkürlich formen und unterordnen lassen, müssen sie die intellektuelle Bewusstseinseinstellung unterstützen und ihren Absichten sich anpassen. Dies ist aber nur bis zu einem gewissen Grade möglich; ein Teil des Gefühles bleibt unbotmässig und muss deshalb verdrängt werden. Gelingt die Verdrängung, so entschwindet es dem Bewusstsein und entfaltet dann unter der Schwelle des Bewusstseins eine den bewussten Absichten zuwiderlaufende Tätigkeit, welche unter Umständen Effekte erzielt, deren Zustandekommen dem Individuum ein völliges Rätsel ist. So wird z. B. der bewusste oft außerordentliche Altruismus durchkreuzt von einer heimlichen, dem Individuum selber verborgenen Selbstsucht, welche im Grunde genommen uneigennützigen Handlungen den Stempel der Eigennützigkeit aufdrückt. Reine ethische Absichten können das Individuum in kritische Situationen führen, wo es bisweilen mehr als bloss den Anschein hat, als ob ganz andere als ethische Motive ausschlaggebend wären. Es sind freiwillige Retter oder Sittenwächter, welche plötzlich selber als rettungsbedürftig oder als compromittiert erscheinen. Ihre Rettungsabsicht führt sie gerne zum Gebrauche von Mitteln, die geeignet sind, eben das herbeizuführen, was man vermeiden wollte. Es gibt extravertierte Idealisten, welche ihrem Ideal dermassen zur Verwirklichung zum Heile der Menschen verhelfen wollen, dass sie selbst vor Lügen und sonstigen unredlichen Mitteln nicht zurückschrecken. Es gibt in der Wissenschaft mehrere peinliche Beispiele, wo hochverdiente Forscher aus tiefster Überzeugung von der Wahrheit und Allgemeingültigkeit ihrer Formel Fälschungen von Belegen zu Gunsten ihres Ideales begangen haben. Dies nach der Formel: Der Zweck heiligt die Mittel. Nur eine minderwertige Gefühlsfunktion, die unbewusst verführend am Werke ist, kann solche Verirrungen bei sonst hochstehenden Menschen bewirken.
  • 12. Die Minderwertigkeit des Gefühls bei diesem Typus äussert sich auch noch in anderer Weise. Die bewusste Einstellung ist, wie es der vorherrschenden sachlichen Formel entspricht, mehr oder weniger unpersönlich, oft in dem Masse, dass die persönlichen Interessen erheblich darunter leiden. Ist die bewusste Einstellung extrem, so fallen alle persönlichen Rücksichten fort, auch solche gegen die eigene Person. Die eigene Gesundheit wird vernachlässigt, die soziale Position gerät in Verfall, die eigene Familie wird oft in ihren vitalsten Interessen vergewaltigt, gesundheitlich, finanziell und moralisch geschädigt, alles im Dienste des Ideals. Auf alle Fälle leidet die persönliche Anteilnahme am andern, insofern dieser nicht zufällig ein Förderer derselben Formel ist. Es kommt daher nicht selten vor, dass die engere Familie, z. B. gerade die eigenen Kinder einen solchen Vater nur als grausamen Tyrannen kennen, während die weitere Umgebung vom Ruhme seiner Menschlichkeit widerhallt. Nicht etwa trotz, sondern gerade wegen der hohen Unpersönlichkeit der bewussten Einstellung sind die Gefühle unbewusst ausserordentlich persönlich empfindlich und verursachen gewisse heimliche Vorurteile, namentlich eine gewisse Bereitschaft, z. B. eine objektive Opposition gegen die Formel als ein persönliches Übelwollen zu missverstehen, oder stets eine negative Voraussetzung von den Qualitäten anderer zu machen, um deren Argumente im voraus zu entkräften, natürlich zum Schutz der eigenen Empfindlichkeit. Durch die unbewusste Empfindlichkeit wird sehr oft der Ton der Sprache verschärft, zugespitzt, aggressiv. Insinuationen kommen häufig vor. Die Gefühle haben den Charakter des Nachträglichen und Nachhinkenden, wie es einer minderwertigen Funktion entspricht. Daher besteht eine ausgesprochene Anlage zum Ressentiment. So grosszügig die individuelle Aufopferung für das intellektuelle Ziel auch sein mag, so kleinlich misstrauisch, launisch und konservativ sind die Gefühle. Alles Neue, das nicht in der Formel schon enthalten ist, wird durch einen Schleier von unbewusstem Hass angesehen und dementsprechend beurteilt. Es ist um die Mitte des vorigen Jahrhunderts vorgekommen, dass ein wegen seiner Menschenfreundlichkeit berühmter Mediziner einen Assistenten
  • 13. fortzuschicken drohte, weil dieser ein Thermometer gebrauchte; denn die Formel lautet: das Fieber erkennt man am Pulse. Ähnliche Fälle gibt es bekanntlich eine Menge. Je stärker die Gefühle verdrängt sind, desto schlimmer und heimlicher beeinflussen sie das Denken, das sonst in tadelloser Verfassung sein kann. Der intellektuelle Standpunkt, der vielleicht um seines ihm tatsächlich zukommenden Wertes willen auf eine allgemeine Anerkennung Anspruch erheben dürfte, erfährt durch den Einfluss der unbewussten persönlichen Empfindlichkeit eine charakteristische Veränderung: er wird dogmatisch-starr. Die Selbstbehauptung der Persönlichkeit wird auf ihn übertragen. Die Wahrheit wird ihrer natürlichen Wirkung nicht mehr überlassen, sondern durch die Identifikation des Subjektes mit ihr wird sie behandelt wie ein empfindsames Püppchen, dem ein böser Kritiker ein Leid angetan hat. Der Kritiker wird heruntergerissen, womöglich noch mit persönlichen Invektiven, und kein Argument ist unter Umständen schlecht genug, um nicht verwendet zu werden. Die Wahrheit muss vorgeführt werden, bis es dem Publikum anfängt klar zu werden, dass es sich offenbar weniger um die Wahrheit, als um ihren persönlichen Erzeuger handelt. Der Dogmatismus des intellektuellen Standpunktes erfährt aber bisweilen durch die unbewusste Einmischung der unbewussten persönlichen Gefühle noch weitere eigentümliche Veränderungen, welche weniger auf dem Gefühl sensu strictiori beruhen, als vielmehr auf der Beimischung von andern unbewussten Faktoren, die mit dem verdrängten Gefühl im Unbewussten verschmolzen sind. Trotzdem die Vernunft selber beweist, dass jede intellektuelle Formel nur eine beschränkt gültige Wahrheit sein und deshalb niemals einen Anspruch auf Alleinherrschaft erheben kann, so nimmt die Formel praktisch doch ein solches Übergewicht an, dass alle andern Standpunkte und Möglichkeiten neben ihr in den Hintergrund treten. Sie ersetzt jede allgemeinere, unbestimmtere und daher bescheidenere und wahrere Weltanschauung. Sie tritt daher auch an die Stelle jener allgemeinen Anschauung, die man als Religion bezeichnet. Dadurch wird die Formel zur Religion, auch wenn sie es
  • 14. dem Wesen nach nicht im Geringsten mit etwas Religiösem zu tun hat. Damit gewinnt sie auch den der Religion wesentlichen Charakter der Unbedingtheit. Sie wird sozusagen zum intellektuellen Aberglauben. Alle jene psychologischen Tendenzen jedoch, die durch sie verdrängt werden, sammeln sich als Gegenposition im Unbewussten an und bewirken Anwandlungen von Zweifel. Zur Abwehr der Zweifel wird die bewusste Einstellung fanatisch, denn Fanatismus ist nichts anderes als übercompensierter Zweifel. Diese Entwicklung führt schliesslich zu einer übertrieben verteidigten bewussten Position und zur Ausbildung einer absolut gegensätzlichen unbewussten Position, welche z. B. im Gegensatz zum bewussten Rationalismus äusserst irrational, im Gegensatz zur modernen Wissenschaftlichkeit des bewussten Standpunktes äusserst archaïsch und abergläubisch ist. Infolgedessen passieren dann jene aus der Geschichte der Wissenschaften bekannten bornierten und lächerlichen Ansichten, über die viele hochverdiente Forscher schliesslich gestolpert sind. Manchmal verkörpert sich die unbewusste Seite bei einem solchen Mann in einer Frau. Dieser dem Leser gewiss wohlbekannte Typus findet sich nach meiner Erfahrung hauptsächlich bei Männern, wie überhaupt das Denken eine Funktion ist, die beim Manne weit eher zur Vorherrschaft geeignet ist, als bei der Frau. Wenn bei Frauen das Denken zur Herrschaft gelangt, so handelt es sich, soweit ich sehen kann, wohl meistens um ein Denken, das im Gefolge einer überwiegend intuitiven Geistestätigkeit steht. Das Denken des extravertierten Denktypus ist positiv, d. h. es erschafft. Es führt entweder zu neuen Tatsachen oder zu allgemeinen Auffassungen disparater Erfahrungsmaterialien. Sein Urteil ist im allgemeinen synthetisch. Auch wenn es zerlegt, so baut es auf, indem es immer über die Auflösung hinausgeht zu einer neuen Zusammensetzung, zu einer andern Auffassung, die das Zerlegte in anderer Weise wieder vereinigt, oder indem es dem gegebenen Stoff etwas weiteres hinzufügt. Man könnte diese Art des Urteils daher auch im allgemeinen als prädikativ bezeichnen. Jedenfalls ist es charakteristisch, dass es niemals absolut entwertend
  • 15. oder destruktiv ist, sondern immer einen zerstörten Wert durch einen andern ersetzt. Diese Eigenschaft kommt daher, dass das Denken eines Denktypus sozusagen der Kanal ist, in dem seine Lebensenergie hauptsächlich fliesst. Das stetig fortschreitende Leben manifestiert sich in seinem Denken, wodurch sein Gedanke progressiven, zeugenden Charakter erhält. Sein Denken ist nicht stagnierend oder gar regressiv. Diese letztern Eigenschaften nimmt aber das Denken an, wenn ihm das Primat im Bewusstsein nicht zukommt. Da es in diesem Fall relativ bedeutungslos ist, so mangelt ihm auch der Charakter einer positiven Lebenstätigkeit. Es folgt andern Funktionen nach; es wird epimetheisch, indem es quasi zum Treppenwitz wird, der sich stets damit begnügt, das Vorangegangene und bereits Geschehene ruminierend nachzudenken, es zu zergliedern und zu verdauen. Da in diesem Fall das Schöpferische in einer andern Funktion liegt, so ist das Denken nicht mehr progressiv, sondern stagnierend. Sein Urteil nimmt einen ausgesprochenen Inhärenzcharakter an, d. h. es beschränkt sich ganz auf den Umfang seines vorliegenden Stoffes, ihn nirgends überschreitend. Es genügt sich mit mehr oder weniger abstrakter Konstatierung, ohne dem Erfahrungsstoffe einen Wert zu erteilen, der nicht bereits von vornherein in ihm läge. Das Inhärenzurteil des extravertierten Denkens ist am Objekte orientiert, d. h. seine Konstatierung erfolgt immer im Sinne einer objektiven Bedeutung der Erfahrung. Es bleibt daher nicht nur unter dem orientierenden Einfluss des objektiv Gegebenen, sondern es bleibt sogar im Banne der einzelnen Erfahrung und sagt über diese nichts aus, was nicht schon bereits durch sie gegeben ist. Man kann dieses Denken leicht beobachten bei Leuten, die es nicht unterlassen können, hinter einen Eindruck oder eine Erfahrung eine vernünftige und zweifellos sehr gültige Bemerkung zu setzen, die aber in nichts über den gegebenen Umfang der Erfahrung hinausgeht. Eine solche Bemerkung besagt im Grunde nur: „Ich habe es verstanden, ich kann es nachdenken.“ Aber dabei hat es auch sein Bewenden. Ein solches Urteil bedeutet höchstens die Einreihung einer Erfahrung in einen objektiven Zusammenhang, wobei aber die Erfahrung schon ohne weiteres, als in diesen Rahmen gehörig, ersichtlich ist.
  • 16. Besitzt aber eine andere Funktion als das Denken das Bewusstseinsprimat in einem irgendwie höhern Grade, so nimmt das Denken, soweit es dann überhaupt bewusst ist, und soweit es sich nicht in direkter Abhängigkeit von der vorherrschenden Funktion befindet, negativen Charakter an. So weit das Denken der vorherrschenden Funktion untergeordnet ist, kann es allerdings als positiv erscheinen, aber eine nähere Untersuchung kann unschwer nachweisen, dass es einfach die vorherrschende Funktion nachspricht, sie mit Argumenten stützt, oft in unverkennbarem Widerspruch mit den dem Denken eigenen Gesetzen der Logik. Dieses Denken fällt also für unsere vorliegende Betrachtung fort. Wir beschäftigen uns vielmehr mit der Beschaffenheit jenes Denkens, das sich dem Primat einer andern Funktion nicht unterordnen kann, sondern seinem eigenen Prinzip treu bleibt. Die Beobachtung und Untersuchung dieses Denkens ist schwierig, weil es im concreten Fall stets mehr oder weniger verdrängt ist durch die Einstellung des Bewusstseins. Es muss daher meistens erst aus den Hintergründen des Bewusstseins hervorgeholt werden, wenn es nicht zufälligerweise in einem unbewachten Moment einmal an die Oberfläche kommt. Meist muss man es mit der Frage hervorlocken: „Aber was denken Sie denn eigentlich, im Grunde genommen und so ganz bei Ihnen von der Sache?“ Oder man muss sogar zu einer List greifen und die Frage etwa so formulieren: „Was denken Sie denn, dass ich von dieser Sache denke?“ Diese letztere Form muss nämlich dann gewählt werden, wenn das eigentliche Denken unbewusst und darum projiziert ist. Das Denken, das auf diese Weise an die Oberfläche des Bewusstseins gelockt wird, hat charakteristische Eigenschaften, um derentwillen ich es eben als negativ bezeichne. Sein Habitus ist am besten gekennzeichnet durch die beiden Worte „nichts als“. Goethe hat dieses Denken in der Figur des Mephistopheles personifiziert. Vor allem zeigt es die Tendenz, den Gegenstand seines Urteilens auf irgend eine Banalität zurückzuführen und ihn einer eigenen selbständigen Bedeutung zu entkleiden. Dies geschieht dadurch, dass er als in Abhängigkeit von einer andern banalen Sache befindlich dargestellt wird. Ergibt sich zwischen zwei Männern ein Konflikt von anscheinend sachlicher
  • 17. Natur, so sagt das negative Denken: „Cherchez la femme.“ Verficht oder propagiert jemand eine Sache, so fragt das negative Denken nicht nach der Bedeutung der Sache, sondern: „Wieviel verdient er dabei?“ Das Moleschott zugeschriebene Wort: „Der Mensch ist, was er isst“, gehört ebenfalls in dieses Kapitel, wie noch viele andere Aussprüche und Anschauungen, die ich nicht wörtlich anzuführen brauche. Das Destruktive dieses Denkens sowohl, wie eine gegebenenfalls beschränkte Nützlichkeit bedarf wohl keiner weitern Erklärung. Es gibt nun aber noch eine andere Form des negativen Denkens, die man auf den ersten Blick wohl kaum als solche erkennen würde, und das ist das theosophische Denken, das sich heute rapide in allen Weltteilen ausbreitet, vielleicht als eine Reaktionserscheinung auf den Materialismus der unmittelbar vorausgegangenen Epoche. Das theosophische Denken ist anscheinend keineswegs reduktiv, sondern erhöht alles zu transscendenten und weltumfassenden Ideen. Ein Traum, z. B., ist nicht mehr ein bescheidener Traum, sondern ein Erlebnis auf einer „andern Ebene“. Die vorderhand noch unerklärbare Tatsache der Telepathie erklärt sich sehr einfach durch „Vibrationen“, die von einem zum andern gehen. Eine gewöhnliche nervöse Störung ist sehr einfach dadurch erklärt, dass dem Astralkörper etwas zugestossen ist. Gewisse anthropologische Eigentümlichkeiten der atlantischen Küstenbewohner erklären sich leicht durch den Untergang der Atlantis, usw. Man braucht nur ein theosophisches Buch zu öffnen, um von der Erkenntnis erdrückt zu werden, dass alles schon erklärt ist, und dass die „Geisteswissenschaft“ überhaupt keine Rätsel mehr übrig gelassen hat. Diese Art des Denkens ist im Grunde genommen ebenso negativ wie das materialistische Denken. Wenn letzteres die Psychologie als chemische Veränderungen der Ganglienzellen oder als ein Ausstrecken und Zurückziehen der Zellfortsätze oder als innere Sekretion auffasst, so ist dies genau so abergläubisch wie die Theosophie. Der einzige Unterschied liegt darin, dass der Materialismus auf die uns geläufige Physiologie reduziert, während die Theosophie alles auf Begriffe der indischen Metaphysik bringt. Wenn man den Traum auf einen überladenen Magen zurückführt, so ist damit doch der Traum nicht erklärt, und
  • 18. wenn man die Telepathie als „Vibration“ erklärt, so ist damit ebenso wenig gesagt. Denn was ist „Vibration“? Beide Erklärungsmodi sind nicht nur impotent, sondern sie sind auch destruktiv, indem sie eine ernsthafte Erforschung des Problems dadurch verhindern, dass sie durch eine Scheinerklärung das Interesse von der Sache abziehen und in ersterm Fall dem Magen und in letzterm Fall den imaginären Vibrationen zuwenden. Beide Denkarten sind steril und sterilisierend. Die negative Qualität rührt davon her, dass dieses Denken so unbeschreiblich billig ist, d. h. arm an zeugender und schöpferischer Energie. Es ist ein Denken im Schlepptau anderer Funktionen.
  • 19. 3. Das Fühlen. Das Fühlen in der extravertierten Einstellung orientiert sich nach dem objektiv Gegebenen, d. h. das Objekt ist die unerlässliche Determinante der Art des Fühlens. Es befindet sich in Übereinstimmung mit objektiven Werten. Wer immer das Gefühl nur als einen subjektiven Tatbestand kennt, wird das Wesen des extravertierten Fühlens nicht ohne weiteres verstehen, denn das extravertierte Fühlen hat sich vom subjektiven Faktor möglichst befreit und sich dafür ganz dem Einfluss des Objektes unterworfen. Auch wo es sich anscheinend von der Qualität des concreten Objektes als unabhängig erweist, steht es dennoch im Banne traditioneller oder sonstwie allgemeingültiger Werte. Ich kann mich zum Prädikat „schön“ oder „gut“ gedrängt fühlen, nicht weil ich aus subjektivem Gefühl das Objekt „schön“ oder „gut“ fände, sondern weil es passend ist, es „schön“ oder „gut“ zu nennen; und zwar passend insofern, als ein gegenteiliges Urteil die allgemeine Gefühlssituation irgendwie stören würde. Bei einem solchen passenden Gefühlsurteil handelt es sich keineswegs um eine Simulation oder gar um eine Lüge, sondern um einen Akt der Einpassung. So kann z. B. ein Gemälde als „schön“ bezeichnet werden, weil ein in einem Salon aufgehängtes, mit einem bekannten Namen signiertes Gemälde allgemein als „schön“ vorausgesetzt wird, oder weil das Prädikat „hässlich“ die Familie des glücklichen Besitzers kränken könnte, oder weil auf Seiten des Besuchers die Intention vorhanden ist, eine angenehme Gefühlsatmosphäre zu erzeugen, wozu es notwendig ist, dass alles als angenehm gefühlt wird. Solche Gefühle sind nach Massgabe objektiver Determinanten gerichtet. Sie sind als solche genuin und stellen die gesamte sichtbare Fühlfunktion dar. Genau wie das extravertierte Denken sich subjektiver Einflüsse soviel wie möglich entledigt, so muss auch das extravertierte Fühlen einen gewissen Differenzierungsprozess durchlaufen, bis es von jeder subjektiven Zutat entkleidet ist. Die durch den Gefühlsakt erfolgenden Bewertungen entsprechen
  • 20. entweder direkt den objektiven Werten oder wenigstens gewissen traditionellen und allgemein verbreiteten Wertmasstäben. Dieser Art des Fühlens ist es zum grossen Teil zuzuschreiben, warum so viele Leute ins Theater oder ins Konzert oder in die Kirche gehen und zwar mit richtig abgemessenen positiven Gefühlen. Ihm sind auch die Moden zu verdanken, und was weit wertvoller ist, die positive und verbreitete Unterstützung sozialer, philanthropischer und sonstiger Kulturunternehmungen. In diesen Dingen erweist sich das extravertierte Fühlen als schöpferischer Faktor. Ohne dieses Fühlen ist z. B. eine schöne und harmonische Geselligkeit undenkbar. Insoweit ist das extravertierte Fühlen eine ebenso wohltätige, vernünftig wirkende Macht, wie das extravertierte Denken. Diese heilsame Wirkung geht aber verloren, sobald das Objekt einen übertriebenen Einfluss gewinnt. In diesem Fall nämlich zieht das zu extravertierte Fühlen die Persönlichkeit zu viel ins Objekt, d. h. das Objekt assimiliert die Person, wodurch der persönliche Charakter des Fühlens, der seinen Hauptreiz ausmacht, verloren geht. Dadurch wird nämlich das Gefühl kalt, sachlich und unglaubwürdig. Es verrät geheime Absicht, jedenfalls erweckt es solchen Verdacht beim unbefangenen Beobachter. Es macht nicht mehr jenen angenehmen und erfrischenden Eindruck, der ein genuines Fühlen stets begleitet, sondern man wittert Pose oder Schauspielerei, wenn schon vielleicht die egozentrische Absicht noch ganz unbewusst ist. Ein solch übertrieben extravertiertes Fühlen erfüllt zwar ästhetische Erwartungen, aber es spricht nicht mehr zum Herzen, sondern bloss noch zu den Sinnen, oder — noch schlimmer — bloss noch zum Verstande. Es kann zwar eine Situation ästhetisch ausfüllen, es beschränkt sich aber darauf und wirkt nicht darüber hinaus. Es ist steril geworden. Schreitet dieser Prozess weiter, so entwickelt sich eine merkwürdig widerspruchsvolle Dissociation des Fühlens: es bemächtigt sich jeglichen Objektes mit gefühlsmässigen Bewertungen, und es werden zahlreiche Beziehungen angeknüpft, die einander innerlich widersprechen. Da dergleichen gar nicht möglich wäre, wenn ein einigermassen betontes Subjekt vorhanden wäre, so werden auch die letzten Reste eines wirklich persönlichen Standpunktes unterdrückt. Das Subjekt wird dermassen aufgesogen
  • 21. in die einzelnen Fühlprozesse, dass der Beobachter den Eindruck erhält, als ob nur noch ein Prozess des Fühlens und kein Subjekt des Fühlens mehr vorhanden sei. Das Fühlen in diesem Zustande hat seine ursprüngliche menschliche Wärme ganz eingebüsst, es macht den Eindruck der Pose, des Flatterhaften, des Unzuverlässigen und in schlimmem Fällen den Eindruck des Hysterischen.
  • 22. 4. Der extravertierte Fühltypus. Insofern das Gefühl unbestreitbar eine sichtbarere Eigentümlichkeit der weiblichen Psychologie ist, als das Denken, so finden sich auch die ausgesprochensten Fühltypen beim weiblichen Geschlecht. Wenn das extravertierte Fühlen das Primat besitzt, so sprechen wir von einem extravertierten Fühltypus. Die Beispiele, die mir bei diesem Typus vorschweben, betreffen fast ohne Ausnahme Frauen. Diese Art Frau lebt nach der Richtschnur ihres Gefühls. Ihr Gefühl hat sich infolge der Erziehung zu einer eingepassten und der Bewusstseinskontrolle unterworfenen Funktion entwickelt. In Fällen, die nicht extrem liegen, hat das Gefühl persönlichen Charakter, obschon das Subjektive bereits in höherm Masse unterdrückt wurde. Die Persönlichkeit erscheint daher als in die objektiven Verhältnisse eingepasst. Die Gefühle entsprechen den objektiven Situationen, und den allgemein gültigen Werten. Dies zeigt sich nirgends deutlicher als in der sog. Liebeswahl: Der „passende“ Mann wird geliebt, nicht irgend ein anderer; er ist passend, nicht etwa, weil er dem subjektiven verborgenen Wesen der Frau durchaus zusagte — das weiss sie meistens gar nicht —, sondern weil er in punkto Stand, Alter, Vermögen, Grösse und Respektabilität seiner Familie allen vernünftigen Anforderungen entspricht. Man könnte natürlich eine solche Formulierung leicht als ironisch und entwertend ablehnen, wenn ich nicht der vollen Überzeugung wäre, dass das Liebesgefühl dieser Frau ihrer Wahl auch vollkommen entspricht. Es ist ächt und nicht etwa vernünftige Mache. Solcher „vernünftigen“ Ehen gibt es unzählige, und es sind keineswegs die schlechtesten. Solche Frauen sind gute Gefährtinnen ihrer Männer und gute Mütter, solange ihre Männer oder Kinder die landesübliche psychische Konstitution besitzen. „Richtig“ fühlen kann man nur dann, wenn nichts anderes das Gefühl stört. Nichts stört aber das Fühlen so sehr wie das Denken. Es ist daher ohne weiteres begreiflich, dass das Denken bei diesem Typus möglichst unterdrückt wird. Damit soll nun keineswegs gesagt sein, dass eine solche Frau überhaupt nicht denke; im
  • 23. Gegenteil, sie denkt vielleicht sehr viel und sehr klug, aber ihr Denken ist niemals sui generis, sondern ein epimetheisches Anhängsel ihres Fühlens. Was sie nicht fühlen kann, kann sie auch bewusst nicht denken. „Ich kann doch nicht denken, was ich nicht fühle“, sagte mir einmal ein solcher Fall in entrüstetem Tone. Soweit es das Gefühl erlaubt, kann sie sehr gut denken, aber jeder noch so logische Schluss, der zu einem das Gefühl störenden Ergebnis führen könnte, wird a limine abgelehnt. Er wird einfach nicht gedacht. Und so wird alles, was objektiver Bewertung entsprechend gut ist, geschätzt oder geliebt; übriges scheint bloss ausserhalb ihrer selbst zu existieren. Dieses Bild ändert sich aber, wenn die Bedeutung des Objektes einen noch höhern Grad erreicht. Wie ich bereits oben erläuterte, erfolgt dann eine solche Assimilation des Subjektes an das Objekt, dass das Subjekt des Fühlens mehr oder weniger untergeht. Das Fühlen verliert den persönlichen Charakter, es wird Fühlen an sich, und man gewinnt den Eindruck, als ob sich die Persönlichkeit gänzlich in das jeweilige Gefühl auflöse. Da nun im Leben beständig Situationen miteinander abwechseln, welche verschiedene oder sogar miteinander kontrastierende Gefühlstöne auslösen, so löst sich die Persönlichkeit in ebenso viele verschiedene Gefühle auf. Man ist das eine Mal dies, das andere Mal etwas ganz anderes — anscheinend; denn in Wirklichkeit ist eine derartige Mannigfaltigkeit der Persönlichkeit etwas Unmögliches. Die Basis des Ich bleibt doch immerhin sich selber identisch und tritt deshalb in eine deutliche Opposition zu den wechselnden Gefühlszuständen. Infolgedessen fühlt der Beobachter das zur Schau getragene Gefühl nicht mehr als einen persönlichen Ausdruck des Fühlenden, sondern vielmehr als eine Alteration seines Ich, also eine Laune. Je nach dem Grade der Dissociation zwischen dem Ich und dem jeweiligen Gefühlszustand treten mehr oder weniger Zeichen des Uneinsseins mit sich selber auf, d. h. die ursprünglich compensierende Einstellung des Unbewussten wird zur manifesten Opposition. Dies zeigt sich zunächst in einer übertriebenen Gefühlsäusserung, z. B. in lauten und aufdringlichen Gefühlsprädikaten, die aber eine gewisse Glaubwürdigkeit vermissen lassen. Sie klingen hohl und überzeugen nicht. Sie lassen im Gegenteil bereits die Möglichkeit erkennen, dass
  • 24. damit ein Widerstand übercompensiert wird, und dass darum ein solches Gefühlsurteil auch ganz anders lauten könnte. Und wenig später lautet es auch anders. Die Situation braucht sich nur um ein weniges zu ändern, um sofort eine ganz entgegengesetzte Bewertung desselben Objektes auf den Plan zu rufen. Das Ergebnis einer solchen Erfahrung ist, dass der Beobachter weder das eine noch das andere Urteil ernst nehmen kann. Er fängt an, sich sein eigenes Urteil zu reservieren. Da es nun aber diesem Typus vor allem darauf ankommt, einen intensiven Gefühlsrapport mit der Umgebung herzustellen, so werden verdoppelte Anstrengungen nötig sein, um die Reserve der Umgebung zu überwinden. Dies verschlimmert die Situation auf dem Wege des Circulus vitiosus. Je stärker die Gefühlsbeziehung zum Objekt betont wird, desto mehr nähert sich die unbewusste Opposition der Oberfläche. Wir haben bereits gesehen, dass der extravertierte Fühltypus am meisten sein Denken unterdrückt, weil eben das Denken am ehesten geeignet ist, das Fühlen zu stören. Aus diesem Grunde schliesst ja auch das Denken, wenn es zu irgendwie reinen Resultaten gelangen will, am allermeisten das Fühlen aus, denn nichts ist so geeignet, das Denken zu stören und zu verfälschen, wie die Gefühlswerte. Das Denken des extravertierten Fühltypus ist daher, insofern es eine selbständige Funktion ist, verdrängt. Wie ich bereits erwähnte, ist es nicht ganz verdrängt, sondern nur insofern seine unerbittliche Logik zu Schlüssen zwingt, die dem Gefühl nicht passen. Es ist aber zugelassen als Diener des Gefühls, oder besser gesagt, als sein Sklave. Sein Rückgrat ist gebrochen, es kann sich nicht selber, seinem eigenen Gesetze gemäss, durchführen. Da es nun doch aber eine Logik und unerbittlich richtige Schlüsse gibt, so geschehen sie auch irgendwo, aber ausserhalb des Bewusstseins, nämlich im Unbewussten. Darum ist der unbewusste Inhalt dieses Typus in allererster Linie ein eigenartiges Denken. Dieses Denken ist infantil, archaïsch und negativ. Solange das bewusste Fühlen den persönlichen Charakter bewahrt, oder mit andern Worten: solange die Persönlichkeit nicht von den einzelnen Gefühlszuständen aufgeschluckt wird, verhält sich das unbewusste Denken
  • 25. compensierend. Wenn aber die Persönlichkeit sich dissociiert und sich in einzelne einander widersprechende Gefühlszustände auflöst, so geht die Identität des Ich verloren, das Subjekt wird unbewusst. Indem das Subjekt aber ins Unbewusste gerät, associiert es sich mit dem unbewussten Denken und verhilft dadurch dem unbewussten Denken zu gelegentlicher Bewusstheit. Je stärker die bewusste Gefühlsbeziehung ist und je mehr sie darum das Gefühl „ent-icht“, desto stärker wird auch die unbewusste Opposition. Dies äussert sich darin, dass gerade um die am höchsten bewerteten Objekte sich unbewusste Gedanken ansammeln, welche den Wert dieser Objekte erbarmungslos herunterreissen. Das Denken im Stile des „Nichts als“ ist hier durchaus am Platze, denn es zerstört die Übermacht des an Objekte geketteten Gefühls. Das unbewusste Denken erreicht die Oberfläche in Form von Einfällen, oft obsedierender Natur, deren allgemeiner Charakter immer negativ und entwertend ist. Es gibt darum bei Frauen von diesem Typus Momente, wo die schlimmsten Gedanken sich gerade an diejenigen Objekte heften, welche das Gefühl am höchsten wertet. Das negative Denken bedient sich aller infantilen Vorurteile oder Vergleiche, die geeignet sind, den Gefühlswert in Zweifel zu setzen, und es zieht alle primitiven Instinkte heran, um die Gefühle für „nichts als“ erklären zu können. Es ist mehr eine Seitenbemerkung, wenn ich hier erwähne, dass auf diese Weise auch das collektive Unbewusste, die Gesamtheit der primordialen Bilder, herangezogen wird, aus deren Bearbeitung sich dann wieder die Möglichkeit einer Regeneration der Einstellung auf einer andern Basis ergibt. Die hauptsächlichste Neurosenform dieses Typus ist die Hysterie mit ihrer charakteristischen infantil-sexuellen unbewussten Vorstellungswelt.
  • 26. 5. Zusammenfassung der rationalen Typen. Ich bezeichne die beiden vorausgegangenen Typen als rationale oder urteilende Typen, weil sie charakterisiert sind durch das Primat vernünftig urteilender Funktionen. Es ist ein allgemeines Merkmal beider Typen, dass ihr Leben in hohem Masse dem vernünftigen Urteil unterstellt ist. Wir haben allerdings zu berücksichtigen, ob wir dabei vom Standpunkte der subjektiven Psychologie des Individuums sprechen oder vom Standpunkt des Beobachters, der von aussen wahrnimmt und urteilt. Dieser Beobachter könnte nämlich leicht zu einem entgegengesetzten Urteil gelangen, und zwar dann, wenn er intuitiv bloss das Vorkommende erfasst und darnach urteilt. Das Leben dieses Typus in seiner Gesamtheit ist ja niemals allein vom vernünftigen Urteil abhängig, sondern auch in beinahe ebenso hohem Masse von der unbewussten Unvernünftigkeit. Wer nun allein das Vorkommende beobachtet, ohne sich um den innern Haushalt des Bewusstseins des Individuums zu kümmern, kann leicht in höherm Masse von der Unvernünftigkeit und Zufälligkeit gewisser unbewusster Äusserungen des Individuums betroffen sein, als von der Vernunftmässigkeit seiner bewussten Absichten und Motivationen. Ich gründe daher mein Urteil darauf, was das Individuum als seine bewusste Psychologie empfindet. Ich gebe aber zu, dass man ebenso gut eine solche Psychologie gerade umgekehrt auffassen und darstellen könnte. Ich bin auch überzeugt, dass ich, falls ich selber eine andere individuelle Psychologie besässe, die rationalen Typen in umgekehrter Weise vom Unbewussten her als irrational beschreiben würde. Dieser Umstand erschwert die Darstellung und Verständlichkeit psychologischer Tatbestände in nicht zu unterschätzender Weise und erhöht die Möglichkeit von Missverständnissen ins Ungemessene. Die Diskussionen, die sich aus diesen Missverständnissen ergeben, sind in der Regel hoffnungslos, denn man spricht aneinander vorbei. Diese Erfahrung war für mich ein Grund mehr, mich in meiner Darstellung auf die subjektiv bewusste Psychologie des Individuums zu gründen, weil man
  • 27. dadurch wenigstens einen bestimmten objektiven Anhalt hat, der gänzlich wegfällt, wenn man eine psychologische Gesetzmässigkeit auf das Unbewusste gründen wollte. In diesem Fall nämlich könnte das Objekt gar nicht mehr mitsprechen, denn es weiss von allem andern mehr als vom eigenen Unbewussten. Das Urteil wäre damit dem Beobachter einzig und allein anheimgegeben — eine sichere Gewähr dafür, dass er sich auf seine eigene individuelle Psychologie gründen und diese dem Beobachteten aufdrängen wird. Dieser Fall liegt meines Erachtens sowohl in der Freudschen, wie in der Adlerschen Psychologie vor. Das Individuum ist damit ganz dem Gutfinden des urteilenden Beobachters ausgeliefert. Dies kann aber nicht der Fall sein, wenn die bewusste Psychologie des Beobachteten zur Basis genommen wird. In diesem Fall ist er der Kompetente, weil er allein seine bewussten Motive kennt. Die Vernünftigkeit der bewussten Lebensführung dieser beiden Typen bedeutet eine bewusste Ausschliessung des Zufälligen und Nichtvernunftgemässen. Das vernünftige Urteil repräsentiert in dieser Psychologie eine Macht, welche das Ungeordnete und Zufällige des realen Geschehens in bestimmte Formen zwingt oder wenigstens zu zwingen versucht. Damit wird einerseits unter den Lebensmöglichkeiten eine bestimmte Auswahl geschaffen, indem bewusst nur das Vernunftgemässe angenommen wird, und andererseits wird die Selbständigkeit und der Einfluss derjenigen psychischen Funktionen, welche der Wahrnehmung des Vorkommenden dienen, wesentlich beschränkt. Diese Beschränkung der Empfindung und der Intuition ist natürlich keine absolute. Diese Funktionen existieren wie überall, nur unterliegen ihre Produkte der Wahl des vernünftigen Urteils. Die absolute Stärke der Empfindung z. B. ist nicht ausschlaggebend für die Motivation des Handelns, sondern das Urteil. Die wahrnehmenden Funktionen teilen also in gewissem Sinne das Schicksal des Fühlens im Falle des ersten Typus und das des Denkens im zweiten Falle. Sie sind relativ verdrängt und daher im minderdifferenzierten Zustand. Dieser Umstand gibt dem Unbewussten unserer beiden Typen ein eigenartiges Gepräge: was diese Menschen bewusst und absichtlich tun, ist vernunftgemäss
  • 28. (ihrer Vernunft gemäss!), was ihnen aber passiert, entspricht dem Wesen infantil-primitiver Empfindungen einerseits und andererseits ebensolcher Intuitionen. Was unter diesen Begriffen zu verstehen ist, versuche ich in den folgenden Abschnitten darzustellen. Jedenfalls ist das, was diesen Typen passiert, irrational (natürlich von ihrem Standpunkt aus gesehen!). Da es nun sehr viele Menschen gibt, die mehr aus dem leben, was ihnen passiert, als aus dem, was sie aus vernünftiger Absicht tun, so kann leicht der Fall eintreten, dass ein solcher unsere beiden Typen nach sorgfältiger Analyse als irrational bezeichnen würde. Man muss ihm zugeben, dass nicht allzu selten das Unbewusste eines Menschen einen weit stärkeren Eindruck macht als sein Bewusstes, und dass seine Taten oft bedeutend schwerer wiegen, als seine vernünftigen Motivationen. Die Vernünftigkeit der beiden Typen ist objektiv orientiert, vom objektiv Gegebenen abhängig. Ihre Vernünftigkeit entspricht dem, was collektiv als vernünftig gilt. Subjektiv gilt ihnen nichts anderes vernünftig, als was allgemein als vernünftig angesehen wird. Aber auch die Vernunft ist zum guten Teil subjektiv und individuell. In unserm Fall ist dieser Teil verdrängt, und zwar umso mehr, je grösser die Bedeutung des Objektes ist. Das Subjekt und die subjektive Vernunft sind daher immer von der Verdrängung bedroht, und wenn sie ihr verfallen, so geraten sie unter die Herrschaft des Unbewussten, das in diesem Falle sehr unangenehme Eigentümlichkeiten besitzt. Von seinem Denken sprachen wir bereits. Dazu kommen primitive Empfindungen, die sich als Empfindungszwang äussern, z. B. in Form einer abnormen, zwangsmässigen Genussucht, die alle möglichen Formen annehmen kann, und primitive Intuitionen, welche den Betroffenen und ihrer Umgebung direkt zur Qual werden können. Alles Unangenehme und Peinliche, alles Widerwärtige, Hässliche oder Schlechte, wird herausgewittert oder hineinvermutet, und meistens handelt es sich dabei um halbe Wahrheiten, welche, wie nichts anderes, geeignet sind, Missverständnisse giftigster Art zu erzeugen. Aus der starken Beeinflussung durch die opponierenden unbewussten Inhalte ergibt sich notwendigerweise auch eine häufige Durchbrechung der
  • 29. bewussten Vernunftregel, nämlich eine auffallende Bindung an Zufälligkeiten, die entweder vermöge ihrer Empfindungsstärke oder vermöge ihrer unbewussten Bedeutung einen zwingenden Einfluss erlangen.
  • 30. 6. Das Empfinden. In der extravertierten Einstellung ist das Empfinden vorwiegend durch das Objekt bedingt. Als Sinnesperception ist das Empfinden natürlicherweise vom Objekt abhängig. Es ist aber ebenso natürlicherweise auch vom Subjekt abhängig, daher es auch ein subjektives Empfinden gibt, welches seiner Art nach vom objektiven Empfinden durchaus verschieden ist. In der extravertierten Einstellung ist der subjektive Anteil des Empfindens, insoweit dessen bewusste Verwendung in Frage kommt, gehemmt oder verdrängt. Ebenso ist das Empfinden, als irrationale Funktion relativ verdrängt, wenn Denken oder Fühlen das Primat besitzen, d. h. es funktioniert bewusst bloss in dem Masse als die bewusste, urteilende Einstellung die zufälligen Wahrnehmungen zu Bewusstseinsinhalten werden lässt, mit andern Worten sie realisiert. Die Sinnesfunktion sensu strictiori ist natürlich absolut, es wird z. B. alles gesehen und gehört, soweit dies physiologisch möglich ist, aber nicht alles erreicht jenen Schwellenwert, welchen eine Perception besitzen muss, um auch appercipiert zu werden. Dies ändert sich, wenn keine andere Funktion das Primat besitzt, als das Empfinden selber. In diesem Falle wird aus der Objektempfindung nichts ausgeschlossen und nichts verdrängt (mit Ausnahme des subjektiven Anteils, wie schon erwähnt). Das Empfinden wird vorzugsweise durch das Objekt determiniert, und diejenigen Objekte, welche die stärkste Empfindung auslösen, sind für die Psychologie des Individuums ausschlaggebend. Dadurch entsteht eine ausgesprochen sinnliche Bindung an die Objekte. Das Empfinden ist daher eine vitale Funktion, die mit dem stärksten Lebenstrieb ausgerüstet wird. Insofern Objekte Empfindungen auslösen, gelten sie und werden auch, insoweit dies durch Empfinden überhaupt möglich ist, völlig in das Bewusstsein aufgenommen, ob sie nun dem vernünftigen Urteil passen oder nicht. Ihr Wertkriterium ist einzig die durch ihre objektiven Eigenschaften bedingte Empfindungsstärke. Infolgedessen treten alle objektiven Vorgänge ins Bewusstsein,
  • 31. insofern sie überhaupt Empfindungen auslösen. Es sind aber nur concrete, sinnlich wahrnehmbare Objekte oder Vorgänge, welche in der extravertierten Einstellung Empfindungen erregen, und zwar ausschliesslich solche, die jedermann überall und zu allen Zeiten als concret empfinden würde. Das Individuum wird daher nach rein sinnenfälliger Tatsächlichkeit orientiert. Die urteilenden Funktionen stehen unterhalb der concreten Tatsache der Empfindung und haben daher die Eigenschaften der minderdifferenzierten Funktionen, d. h. also eine gewisse Negativität mit infantil-archaïschen Zügen. Am stärksten von der Verdrängung betroffen ist natürlich die der Empfindung entgegengesetzte Funktion, nämlich die der unbewussten Wahrnehmung, der Intuition.
  • 32. 7. Der extravertierte Empfindungstypus. Es gibt keinen andern menschlichen Typus, der an Realismus dem extravertierten Empfindungstypus gleichkäme. Sein objektiver Tatsachensinn ist ausserordentlich entwickelt. Er häuft in seinem Leben reale Erfahrungen am concreten Objekt, und je ausgesprochener er ist, desto weniger macht er Gebrauch von seiner Erfahrung. Sein Erlebnis wird in gewissen Fällen überhaupt nicht zu dem, was den Namen „Erfahrung“ verdiente. Was er empfindet, dient ihm höchstens als Wegleitung zu neuen Empfindungen und alles, was etwa Neues in den Kreis seiner Interessen eintritt, ist auf dem Wege der Empfindung erworben und soll zu diesem Zwecke dienen. Insofern man einen ausgesprochenen Sinn für reine Tatsächlichkeit als sehr vernünftig aufzufassen geneigt ist, wird man solche Menschen als vernünftig preisen. Sie sind es aber in Wirklichkeit keineswegs, indem sie der Empfindung des irrationalen Zufalls genau so unterworfen sind, wie der des rationalen Vorkommens. Ein solcher Typus — vielfach handelt es sich anscheinend um Männer — meint natürlich nicht, der Empfindung „unterworfen“ zu sein. Er wird diesen Ausdruck vielmehr als ganz unzutreffend belächeln, denn für ihn ist Empfindung concrete Lebensäusserung; sie bedeutet ihm eine Fülle wirklichen Lebens. Seine Absicht geht auf den concreten Genuss, ebenso seine Moralität. Denn das wahre Geniessen hat seine besondere Moral, seine besondere Mässigkeit und Gesetzmässigkeit, seine Selbstlosigkeit und Opferwilligkeit. Er braucht keineswegs ein sinnlicher Rohling zu sein, sondern kann sein Empfinden zu grösster ästhetischer Reinheit differenzieren, ohne dass er auch in der abstraktesten Empfindung jemals seinem Prinzip der objektiven Empfindung untreu würde. Wulfens Cicerone des rücksichtslosen Lebensgenusses ist das ungeschminkte Selbstbekenntnis eines derartigen Typus. Das Buch erscheint mir unter diesem Gesichtswinkel als lesenswert.
  • 33. Auf niederer Stufe ist dieser Typus der Mensch der tastbaren Wirklichkeit, ohne Neigung zu Reflexionen und ohne Herrscherabsichten. Sein stetiges Motiv ist, das Objekt zu empfinden, Sensationen zu haben und womöglich zu geniessen. Er ist kein unliebenswürdiger Mensch, im Gegenteil, er ist häufig von erfreulicher und lebendiger Genussfähigkeit, bisweilen ein lustiger Kumpan, bisweilen ein geschmackvoller Ästhet. Im erstern Fall hängen die grossen Probleme des Lebens ab von einem mehr oder weniger guten Mittagstisch, im letztern gehören sie zum guten Geschmack. Wenn er empfindet, so ist für ihn alles wesentliche gesagt und erfüllt. Nichts kann mehr als concret und wirklich sein, Vermutungen daneben oder darüber hinaus sind nur zugelassen, insofern sie die Empfindung verstärken. Sie brauchen diese keineswegs im angenehmen Sinn zu verstärken, denn dieser Typus ist nicht ein gewöhnlicher Lüstling, sondern er will nur die stärkste Empfindung, die er seiner Natur nach immer von aussen empfangen muss. Was von innen kommt, erscheint ihm als krankhaft und verwerflich. Insofern er denkt und fühlt, reduziert er immer auf objektive Grundlagen, d. h. auf Einflüsse, die vom Objekt kommen, unbekümmert auch um die stärkste Beugung der Logik. Tastbare Wirklichkeit lässt ihn unter allen Umständen aufatmen. In dieser Beziehung ist er von unerwarteter Leichtgläubigkeit. Ein psychogenes Symptom wird er unbedenklich auf den tiefen Barometerstand beziehen, die Existenz eines psychischen Konfliktes dagegen erscheint ihm als abnorme Träumerei. Seine Liebe gründet sich unzweifelhaft auf die sinnenfälligen Reize des Objektes. Insofern er normal ist, ist er der gegebenen Wirklichkeit auffallend eingepasst, auffallend darum, weil es immer sichtbar ist. Sein Ideal ist die Tatsächlichkeit, er ist rücksichtsvoll in dieser Beziehung. Er hat keine Ideen-Ideale, darum auch keinen Grund, sich irgendwie gegen die tatsächliche Wirklichkeit fremd zu verhalten. Das drückt sich in allen Äusserlichkeiten aus. Er kleidet sich gut, seinen Umständen entsprechend, man isst und trinkt gut bei ihm, man sitzt bequem oder man begreift wenigstens, dass sein verfeinerter Geschmack einige Ansprüche an seine Umgebung stellen darf. Er überzeugt sogar, dass gewisse Opfer dem Stil zuliebe sich entschieden lohnen.
  • 34. Je mehr aber die Empfindung überwiegt, sodass das empfindende Subjekt hinter der Sensation verschwindet, desto unerfreulicher wird dieser Typus. Er entwickelt sich entweder zum rohen Genussmenschen oder zum skrupellosen, raffinierten Ästheten. So unerlässlich ihm dann das Objekt wird, so sehr wird es auch als etwas, das in und durch sich selbst besteht, entwertet. Es wird ruchlos vergewaltigt und ausgepresst, indem es überhaupt nur noch als Anlass zur Empfindung gebraucht wird. Die Bindung an das Objekt wird aufs Äusserste getrieben. Dadurch aber wird auch das Unbewusste aus der compensatorischen Rolle in die offene Opposition gedrängt. Vor allem machen sich die verdrängten Intuitionen geltend in Form von Projektionen auf das Objekt. Die abenteuerlichsten Vermutungen entstehen; handelt es sich um ein Sexualobjekt, so spielen Eifersuchtsphantasien eine grosse Rolle, ebenso Angstzustände. In schwereren Fällen entwickeln sich Phobien aller Art, und besonders Zwangssymptome. Die pathologischen Inhalte sind von einem bemerkenswerten Irrealitätscharakter, häufig moralisch und religiös gefärbt. Es entwickelt sich oft eine spitzfindige Rabulistik, eine lächerlich-skrupulöse Moralität und eine primitive, abergläubische und „magische“ Religiosität, die auf abstruse Riten zurückgreift. Alle diese Dinge stammen aus den verdrängten, minderdifferenzierten Funktionen, welche in solchen Fällen dem Bewusstsein schroff gegenüberstehen und umso auffallender in die Erscheinung treten, als sie auf den absurdesten Voraussetzungen zu beruhen scheinen, ganz im Gegensatz zum bewussten Tatsachensinn. Die ganze Kultur des Fühlens und Denkens erscheint in dieser zweiten Persönlichkeit in eine krankhafte Primitivität verdreht; Vernunft ist Vernünftelei und Haarspalterei, Moral ist öde Moralisiererei und handgreiflicher Pharisäismus, Religion ist absurder Aberglauben, das Ahnungsvermögen, diese vornehme Gabe des Menschen, ist persönliche Tüftelei, Beschnupperung jeder Ecke, und geht, statt ins Weite, ins Engste allzumenschlicher Kleinlichkeit. Der spezielle Zwangscharakter der neurotischen Symptome stellt das unbewusste Gegenstück dar zur bewussten moralischen Zwangslosigkeit einer bloss empfindenden Einstellung, welche, vom
  • 35. Standpunkt des rationalen Urteils aus, wahllos das Vorkommende aufnimmt. Wenn schon die Voraussetzungslosigkeit des Empfindungstypus keineswegs absolute Gesetz- und Schrankenlosigkeit bedeutet, so fällt bei ihm doch die ganz wesentliche Beschränkung durch das Urteil weg. Das rationale Urteil aber stellt einen bewussten Zwang dar, den sich der rationale Typus anscheinend freiwillig auferlegt. Dieser Zwang befällt den Empfindungstypus vom Unbewussten her. Zudem bedeutet die Objektbindung des rationalen Typus eben wegen der Existenz eines Urteils niemals soviel wie jene unbedingte Beziehung, die der Empfindungstypus zum Objekt hat. Wenn seine Einstellung eine abnorme Einseitigkeit erreicht, so ist er daher in Gefahr, ebenso sehr dem Griffe des Unbewussten zu verfallen, wie er bewusst am Objekte hängt. Ist er einmal neurotisch geworden, so ist er auch viel schwerer in vernünftiger Weise zu behandeln, weil die Funktionen, an die der Arzt sich wendet, in einem relativ undifferenzierten Zustand sich befinden und daher wenig oder gar nicht verlässlich sind. Es bedarf öfters affektiver Pressionsmittel, um ihm etwas bewusst zu machen.
  • 36. 8. Die Intuition. Die Intuition als die Funktion unbewusster Wahrnehmung richtet sich in der extravertierten Einstellung ganz auf äussere Objekte. Da die Intuition ein in der Hauptsache unbewusster Prozess ist, so ist auch ihr Wesen bewusst sehr schwer zu erfassen. Im Bewusstsein ist die intuitive Funktion vertreten durch eine gewisse Erwartungseinstellung, ein Anschauen und Hineinschauen, wobei immer erst das nachträgliche Resultat erweisen kann, wieviel hineingeschaut und wieviel wirklich am Objekt lag. Wie auch die Empfindung, falls sie das Primat besitzt, nicht bloss ein reaktiver, für das Objekt weiter nicht bedeutsamer Vorgang ist, sondern vielmehr eine actio, welche das Objekt ergreift und gestaltet, so ist auch die Intuition nicht bloss eine Wahrnehmung, ein blosses Anschauen, sondern ein aktiver, schöpferischer Vorgang, der ebensoviel in das Objekt hineinbildet, als er davon herausnimmt. Wie er unbewusst die Anschauung herausnimmt, so schafft er auch eine unbewusste Wirkung im Objekt. Die Intuition vermittelt allerdings zunächst bloss Bilder oder Anschauungen von Beziehungen und Verhältnissen, die mittelst anderer Funktionen entweder gar nicht, oder nur auf grossen Umwegen erreicht werden können. Diese Bilder haben den Wert bestimmter Erkenntnisse, welche das Handeln ausschlaggebend beeinflussen, insofern der Intuition das Hauptgewicht zufällt. In diesem Fall gründet sich die psychische Anpassung beinahe ausschliesslich auf Intuitionen. Denken, Fühlen und Empfinden sind relativ verdrängt, wobei die Empfindung am meisten betroffen ist, weil sie als bewusste Sinnesfunktion der Intuition am meisten hinderlich ist. Die Empfindung stört die reine, unvoreingenommene, naive Anschauung durch aufdringliche Sinnesreizungen, welche den Blick auf physische Oberflächen lenken, also gerade auf die Dinge, hinter welche die Intuition zu gelangen sucht. Da sich die Intuition in der extravertierten Einstellung vorwiegend auf das Objekt richtet, so kommt sie eigentlich der Empfindung sehr nahe, denn die
  • 37. Erwartungseinstellung auf äussere Objekte kann sich mit fast ebenso grosser Wahrscheinlichkeit der Empfindung bedienen. Damit aber die Intuition durchgeführt werden kann, muss die Empfindung in hohem Masse unterdrückt werden. Unter Empfindung verstehe ich in diesem Fall die einfache und direkte Sinnesempfindung als ein fest umrissenes physiologisches und psychisches Datum. Das muss nämlich zuvor ausdrücklich festgestellt werden, denn, wenn ich den Intuitiven frage, wonach er sich orientiere, so wird er mir von Dingen sprechen, die auf’s Haar den Sinnesempfindungen gleichen. Er wird sich auch des Ausdruckes „Empfindung“ vielfach bedienen. Er hat tatsächlich Empfindungen, aber er richtet sich nicht nach den Empfindungen selber, sondern sie sind ihm blosse Anhaltspunkte für die Anschauung. Sie sind ausgewählt durch unbewusste Voraussetzung. Nicht die physiologisch stärkste Empfindung erlangt den Hauptwert, sondern irgend eine andere, welche durch die unbewusste Einstellung des Intuitiven in ihrem Wert beträchtlich erhöht wird. Dadurch erlangt sie eventuell den Hauptwert und es erscheint dem Bewusstsein des Intuitiven, als ob sie eine reine Empfindung wäre. Sie ist es aber tatsächlich nicht. Wie die Empfindung in der extravertierten Einstellung stärkste Tatsächlichkeit zu erreichen sucht, weil dadurch allein der Anschein eines vollen Lebens erweckt wird, so erstrebt die Intuition die Erfassung grösster Möglichkeiten, weil durch die Anschauung von Möglichkeiten die Ahnung am allermeisten befriedigt wird. Die Intuition strebt nach der Entdeckung von Möglichkeiten im objektiv Gegebenen, darum ist sie auch als blosse beigeordnete Funktion (nämlich wenn ihr das Primat nicht zukommt) das Hilfsmittel, das automatisch wirkt, wenn keine andere Funktion den Ausweg aus einer überall versperrten Situation zu entdecken vermag. Hat die Intuition das Primat, so erscheinen alle gewöhnlichen Lebenssituationen so, als ob sie verschlossene Räume wären, welche die Intuition zu öffnen hat. Sie sucht beständig Auswege und neue Möglichkeiten äussern Lebens. Der intuitiven Einstellung wird jede Lebenssituation in kürzester Frist zum Gefängnis, zur erdrückenden Fessel, welche zu Lösungen drängt. Die Objekte scheinen zeitweise von beinahe übertriebenem Wert, nämlich dann, wenn sie gerade einer Lösung, einer Befreiung, der
  • 38. Welcome to our website – the perfect destination for book lovers and knowledge seekers. We believe that every book holds a new world, offering opportunities for learning, discovery, and personal growth. That’s why we are dedicated to bringing you a diverse collection of books, ranging from classic literature and specialized publications to self-development guides and children's books. More than just a book-buying platform, we strive to be a bridge connecting you with timeless cultural and intellectual values. With an elegant, user-friendly interface and a smart search system, you can quickly find the books that best suit your interests. Additionally, our special promotions and home delivery services help you save time and fully enjoy the joy of reading. Join us on a journey of knowledge exploration, passion nurturing, and personal growth every day! testbankfan.com